Ärzte Zeitung online, 11.09.2015

Vison

Bürgermeister und Ärzte planen die Versorgung

Kreise und Gemeinden sollen es möglichst selbst richten. Fachleute propagierten beim Deutschen Internistentag eine Bedarfsplanung von unten.

Von Anno Fricke

Vison

Ist die flächendeckende Versorgung mit Ärzten durch eine zentralistische Gesundheitspolitik bald nicht mehr leistbar?

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BERLIN. Eine stärkere Einbindung der Landkreise, Städte und Gemeinden in die Bedarfsplanung haben Ärzte und Kommunalpolitiker auf dem 8. Deutschen Internistentag gefordert.

Trotz einigem Herumdoktern an Landärztegesetzen kämen die Ärzte nicht auf dem Land an, sagte Andreas Memmert, Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Schladen.

Memmert plädierte für den Einsatz von Mitteln aus der kommunalen Wirtschaftsförderung, um die ärztliche Versorgung in der Peripherie sicherzustellen.

Das Geld könne für das Anmieten von Arztpraxen, deren Ausstattung und sogar für Boni an Ärzte ausgegeben werden. Die Kommunen müssten in diesem Prozess die Rolle des "civil servants" einnehmen.

Die Zentralität von Orten wird in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Die Gemeinden konkurrierten um die Ärzteniederlassungen.

Durch Bevölkerungsschwund und dem Trend zu Gemeinschaftspraxen würden die Wege zum Arzt weiter, sagte Dr. Bernhard Gibis von der Kassenärztlichen Vereinigung bei einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstag.

"Wir werden es nicht schaffen, in jeder kleinen Siedlungsfläche oder Gemeinde eine komplette internistische Versorgung vorzuhalten", sagte Gibis. Wir stellen mittlerweile fest, dass die Gemeinden untereinander im Wettbewerb stehen um die ärztliche Versorgung. Die Freiheit des Arztes, sich dort niederzulassen, wo er wolle, müsse erhalten bleiben, so Gibis.

Alternative zur Niederlassung

Eine Alternative zur Niederlassung könnten Zweit- und Filialpraxen sein, sagte Gibis. Die Fantasie der Kommunen im Standortwettbewerb um ärztliche Versorgung sei gefordert. Auf einen "Länderarztausgleich" könne man nicht warten.

Die klassische Bedarfsplanung anhand von Verhältniszahlen und eine künftige Bedarfsplanung, die soziodemografische Faktoren einbeziehen soll, stand in der Kritik.

Die aktuelle Bedarfsplanung sei ein großer Mangel des Systems, stellte Dr. Roland Laufer von der deutschen Krankenhausgesellschaft fest. Die Krankenhäuser trügen maßgeblich dazu bei, den Sicherstellungsauftrag zu erfüllen

"Die Ärzteschaft soll antizyklisch zur Wanderungsbewegung der Gesellschaft vom Land in die Ballungszentren im ländlichen Raum präsent sein", kritisierte Gibis. Die demografischen Veränderungen innerhalb der Ärzteschaft könnten eine Bedarfsplanung wie heute obsolet werden lassen.

Leichtere Allokation von Ärzten

In ein paar Jahren werde es eine andere Verteilung von selbstständigen und angestellten Ärzten geben. Das könne die Allokation von Ärzten unter Umständen erleichtern, wagte Gibis eine Vorausschau.

Der Bund solle sich bei der Bedarfsplanung auf eine "intelligente Rahmengestaltung" konzentrieren, sagte der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Dr. Heiner Garg (FDP). Eine zentralistische Gesundheitspolitik werde scheitern.

Auf die Möglichkeiten der Bedarfsplanungsrichtlinie, regional von den Vorgaben abzuweichen, verwies Dr. Stefan Etgeton von der Bertelsmann Stiftung.

Diese Chancen würden bislang zu wenig genutzt.Für eine Dezentralisierung warb auch BDI-Vizepräsident Wolfgang von Römer. Die Kräfte vor Ort bräuchten mehr Bewegungsfreiheit.

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