Ärzte Zeitung online, 18.09.2015

Aus für das geplante Entgeltsystem?

Ärzte präsentieren PEPP-Alternative

Das geplante Entgeltsystem PEPP für die Versorgung psychisch kranker Patienten ist heftig umstritten. Jetzt haben Ärzte ein Alternativkonzept vorgelegt - und hoffen darauf, dass Gröhe PEPP nun abschießt.

Von Florian Staeck

Ärzte präsentieren PEPP-Alternative

Stoppt PEPP: Es gibt vielerorts Widerstände gegen das geplante Entgeltsystem - wie hier vor einer Klinik in Wiesloch im Mai 2011.

© Uli Deck / dpa

BERLIN. Steht das PEPP-System vor dem Aus? Vertreter von Fachgesellschaften, Klinikleitungen, Ärzte- und Pflegeverbände haben ein Alternativkonzept zum umstrittenen Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik" (PEPP) an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geschickt.

Im April 2014 hatten Unionsfraktion und SPD sich darauf geeinigt, die Optionsphase für das PEPP-System um zwei Jahre zu verlängern.

Die gewonnene Zeit sollte als Denkpause genutzt werden, um die neue Vergütungssystematik grundsätzlich zu prüfen und gegebenenfalls Alternativen zu entwickeln, hieß es damals.

Bei einem Treffen von Fachverbänden mit Gröhe im Mai dieses Jahres habe sich das fast einhellige Urteil herausgebildet, "dass das neue Entgeltsystem nicht als Durchschnittspreis-System ausgestaltet werden sollte", sagte Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), der "Ärzte Zeitung".

Ausnahme von diesem Konsens sei der GKV-Spitzenverband gewesen, berichtete Hauth.

Gröhe bat um neues Konzept

Gröhe habe Verbände und Fachgesellschaften damals gebeten, ein eigenes Konzept vorzulegen. Dieser Entwurf für ein "Budgetbasiertes Entgeltsystem" liegt nun vor.

Man brauche ein Entgeltsystem, "das die Personalsituation in den Häusern sichert", verlangte Hauth. Denn die Psychiatrie-Personalverordnung habe den Einrichtungen 25 Jahre lang "eine halbwegs stabile Personallage garantiert" - doch die laufe 2017 aus.

Der Widerstand gegen PEPP speise sich auch aus den Erfahrungen mit dem DRG-System: Denn in den Krankenhäusern sei das Pflegepersonal seit der Einführung der Fallpauschalen "maximal weggespart worden", erinnert Hauth. Das dürfe bei der Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen nicht passieren.

Schon der Start von PEPP war holprig gewesen: Der damalige Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) setzte das Projekt Anfang 2013 per Ersatzvornahme aufs Gleis -  bis heute fehlt dem Vorhaben bei vielen Ärzten die Akzeptanz.

Kern des neuen Konzepts ist eine Finanzierung, die anstatt auf Durchschnittspreise auf krankenhausindividuelle Budgets setzt. Die personelle Ausstattung der Häuser solle ermittelt werden bezogen auf den Zeitaufwand der Behandlung und in Bezug auf die erforderlichen Kompetenzen der Therapeuten.

Grundlage dafür soll das Konzept des Patienten- und Qualitätsorientierten Personalbedarfs (PQP) sein. Dabei werden die Patienten auf der Basis klinisch orientierter Fallbeschreibungen bestimmten aufwandsbezogenen Modulen zugeordnet.

Anstatt wie im PEPP-System allein die Diagnose zum Mittelpunkt zu machen, sollen patientenbezogene Behandlungsmerkmale im Fokus stehen, heißt es.

Unterschiede berücksichtigen!

Die 16 Verbände und Fachgesellschaften, die das neue Konzept entwickelt haben, plädieren dafür, die Unterschiede der Einrichtungen zu berücksichtigen.

"Vielen Kliniken wird von ihrem Bundesland die sogenannte Pflichtversorgung aufgegeben, alle Patienten aus ihrem definierten Gebiet aufzunehmen. Für andere Einrichtungen gilt das nicht", erinnerte Hauth.

Weder Besonderheiten in den Regionen noch Unterschiede im Hinblick auf das Patientenklientel würden im PEPP-System abgebildet.

Als zentralen Vorteil im Vergleich zu PEPP wertete die DGPPN-Präsidentin die geringere Bürokratie. PEPP laufe auf ein Preissystem hinaus, "das mit einem riesigen bürokratischen Aufwand für die Dokumentation einhergeht", berichtete Hauth von den Erfahrungen der sogenannten Kalkulations- und Options-Häuser - also den Einrichtungen, die PEPP bereits erproben.

Zudem enthalte das pauschalierte Entgeltsystem degressive Elemente, die Anreize generierten, Patienten vorzeitig zu entlassen, berichtete Hauth.

"Wir hoffen, dass wir ein positives Signal für unser Konzept aus dem Bundesgesundheitsministerium erhalten", wünschte sich Hauth.

Sie plädiert dafür, im Zuge der Neuorientierung die Optionsphase nochmals zu verlänger, also über 2017 hinaus.

Eine entsprechende gesetzliche Regelung könnte beispielsweise an das Krankenhaus-Strukturgesetz angedockt werden, schlägt die DGPPN-Präsidentin vor.

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