Ärzte Zeitung online, 23.09.2015

Flüchtlinge

Ärztinnen sensibilisieren für Not von Frauen

Viele Frauen und Mädchen sind auf der Flucht vor sexueller Gewalt. Der Deutsche Ärztinnenbund hat reagiert.

DÜSSELDORF. Bei der Debatte über die Versorgung der Flüchtlinge darf die besonders schwierige Lage der vielen Frauen und Mädchen, die vor und auf der Flucht Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, nicht vergessen werden. Darauf macht die Gründerin der Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale Dr. Monika Hauser aufmerksam.

"Wir brauchen konzentrierte Unterstützungsangebote für Flüchtlingsfrauen", sagte die Frauenärztin beim 34. Kongress des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) in Düsseldorf. Hauser erhielt bei der Veranstaltung die Auszeichnung "Mutige Löwin 2015" des DÄB.

Auf die besonderen Anforderungen dieser Frauen wie die Notwendigkeit einer traumasensiblen Beratung und Unterstützung sei das Gesundheitssystem nicht eingerichtet. Das gelte auch für die Problematik der Spätabtreibungen, die sich bei manchen dieser Frauen stelle.

 Hauser schlug die Einrichtung einer Art Clearingstelle vor, in der alle notwendigen Informationen gebündelt werden sollten. Auch Netzwerke von qualifizierten Ärztinnen, die den Frauen Unterstützung bieten können, wären hilfreich.

"Es ist unerträglich, dass sich auch in Deutschland die Gewalterfahrungen für die Frauen fortsetzen", betonte die engagierte Ärztin. In den überfüllten Flüchtlingseinrichtungen gebe es Zwangsprostitution, Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe.

"Frauen und Mädchen haben kaum Möglichkeit, der Gewalt auszuweichen."Hauser kritisierte generell die Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung von Asylsuchenden. "Diese Drei-Klassen-Medizin ist nicht nur ethisch erbärmlich, sondern auch wirtschaftlich unsinnig."

Auch die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) forderte spezifische Unterstützungsangebote für traumatisierte und vergewaltigte Frauen. Mit kurzfristiger Hilfe sei es aber nicht getan.

"Welches Konzept haben wir für die Zeit danach?", fragte Steffens. Es sei völlig ungeklärt, wie traumasensible und muttersprachliche Therapien angeboten werden können.

Die Politik sei bei der Lösung solcher Probleme auf die Unterstützung vonseiten der Ärztinnen angewiesen. "Lassen Sie uns an Ihren Ideen teilhaben, alleine werden wir es nicht stemmen", appellierte Steffens an das Publikum.

Ihr Ruf blieb nicht ungehört: Die DÄB-Mitgliederversammlung hat beschlossen, einen Pool mit Ärztinnen einzurichten, die aktiv Hilfe bei der Versorgung von Flüchtlingen leisten wollen - insbesondere für Flüchtlingsfrauen und Familien. (iss)

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