Ärzte Zeitung online, 01.10.2015

GBA-Qualitätskonferenz

Politik beharrt auf Anreizen

Unbeirrt hält das Bundesgesundheitsministerium an seiner Qualitätsstrategie für Kliniken fest. Die aber sehen sich schon auf der Zielgeraden, wenn es nicht an Personal fehlen würde.

Von Martina Merten

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Ausreichend Personal ist ein zentraler Punkt, wenn es zur Qualitätssicherung kommt.

© Kzenon / Fotolia.com

BERLIN. Die Politik setzt auf mehr Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen. "Wir glauben an die Belohnung für gute Qualität durch eine qualitätsorientierte Vergütung wie mit dem Krankenhausstrukturgesetz vorgesehen", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im BMG, Ingrid Fischbach am Donnerstag zum Auftakt der GBA-Qualitätssicherungskonferenz.

Dies gelte auch dann, wenn die Selbstverwaltung diesen Punkt kritisch sehe. Den Kontrapunkt setzte Dr. Bernd Metzinger von der Deutschen Krankenhausgesellschaft: "Die Politik meint, ausgerechnet für den stationären Bereich noch mehr an Qualitätssicherung durch Zu- und Abschläge einführen zu müssen."

Dabei zeigten die Ergebnisse des Qualitätsreports 2014 nach Lesart der DKG, dass 99,9 Prozent der Kliniken bereits qualitativ gut arbeiteten. Woran es den Kliniken für gute Qualität allerdings nach wie vor mangele, sei ausreichend Personal.

Verbesserung in 15,6 Prozent der Indikatoren

Für den Qualitätsbericht, der jährlich erscheint, wurden in 1557 Krankenhäusern rund 3,5 Millionen Datensätze zu 416 Qualitätsindikatoren aus 30 Leistungsbereichen erhoben. Das Fazit: 15,6 Prozent der Qualitätsindikatoren zeigen Verbesserungen auf. Bei 3,4 Prozent wurden eine Verschlechterung und bei 79,3 Prozent ein flächendeckend stabiles Qualitätsniveau festgestellt.

Der einzige noch existierende Mangel ist nach Ansicht von Metzinger fehlendes Wissen darüber, wie es für den Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weitergehe. Diese Lücke soll die ab 2016 etablierte sektorenübergreifende Qualitätssicherung schließen.

Der Geschäftsführer des AQUA-Instituts, Professor Joachim Szecsenyi, bezeichnete die Ergebnisse des von seinem Institut erarbeiteten Qualitätsreports als gute Grundlage für die Arbeit des neuen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), das die Aufgaben von AQUA 2016 übernimmt.

Big Data berücksichtigen

Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied und Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung im GBA, verwies auf die Bedeutung zweier aktueller Trends im Gesundheitswesen, die Auswirkungen auch auf die Qualität haben: Big Data und Public Reporting.

Derzeit arbeitet der Deutsche Ethikrat an einer Stellungnahme zu Big Data.

[03.10.2015, 15:50:23]
Kurt-Michael Walter 
QM-Strategie: „Ein planwirtschaftliches Strategiespiel“ für Politiker und Verbandsfunktionäre
Pro (BMG)
Die Politik setzt auf mehr Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen. „Wir glauben an die Belohnung für gute Qualität durch qualitätsorientierte Vergütung wie im Krankenhausstrukturgesetz vorgesehen“.

Kommentar:
Ein Steuerungs- und Sanktionsinstrument für die politisch-normative Einflussnahme durch Gesundheitspolitiker auf Bundes- und Landesebene. Mit Hilfe des dafür neu gegründeten „Monsterinstituts IQTIG“ auf der Grundlage des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetzes.
Die politischen Eingriffsmöglichkeiten, durch ALIBI QM- Reports dürfte eine der Aufgaben der „Stiftung IOTID“ sein. Die Einführung eines „ BUNDESZERTIFIKATS“ eine weitere, damit die Monopolstellung bei der QM-Zertifizierung in der GKV-Gesundheitsbranche erreichbar wird. Damit ist dann auch ein Instrument für die QS implementiert, „damit es auch mit den Zu- und Abschlägen bürokratisch und ordentlich funktionieren kann“.
Ein „Geschmäckle“ bleibt, denn die DKG ist Stiftungsmitglied. Eine mögliche intrinsische Korrumpierung „Einzelner“ innerhalb der Stiftung dürfte schon vorhersehbar sein.
Entsprechend dem Harz IV Instrumentarium: „FÖRDERN und FORDERN wird’s dann schon zum Laufen gebracht, das mit den ZU-u. ABSCHLÄGEN“, oder?
Contra (DKG)
„Die Politik meint, ausgerechnet für den stationären Bereich noch mehr an Qualitätssicherung durch ZU u. ABSCHLÄGE einführen zu müssen“. Laut Lesart der DKG: Qualitätsreports 2014 beweisen mit 99,9 Prozent, dass bereits alle Kliniken das Qualitätssigel „GUT“ ausweisen. Lediglich das Personal fehlt noch um die notwendige Qualitätssicherung zu gewährleisten zu können.

Kommentar:
Qualitätssicherung mit Hilfe von DATEN-REPORTS nachweisbar zu machen scheitert schon an den statistischen 99,9 Prozent! Beweisbar ist, dass die bisherigen verantwortlichen Akteure in der Politik und Selbstverwaltung nicht im Ansatz verstanden haben wie die DIN EN 15224 in der Praxis umgesetzt werden kann. Das Gerangel um die Vormachtstellung einzelner QM-Institute (BQS, AQUA, IOTID u.a.) deckt deutlich die versteckten Ziele der Akteure im medizinischen Gesundheitssektor auf.

FAZIT:
Das Instrument zur Umsetzung des Qualitätsmanagements im Gesundheitssektor ist mit der DIN EN 15224 seit Juni 2012 vorhanden. Umsetzbar ist es aber ausschließlich in einem „ganzheitlich neu entwickeltem Gesundheitssystem“. Das aktuelle „Gesundheitssystem“ ist ein veraltetes, aufgebaut auf der Grundlage des mechanischen Weltbildes von Sozialpolitikern des 19. und 20. Jahrhunderts, das wenig gemein hat mit einem dringend notwendigen „Ganzheitlichen Gesundheitssystem“ des 21. Jahrhunderts. Grundlage dafür bietet das Denken in der „Ganzheitlicher Systementwicklung“. Da würde dann auch ein Teilsystem wie das „Qualitätsmanagementsystem“ implantierbar sein.
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