Ärzte Zeitung online, 26.10.2015

Bayerischer Ärztetag fordert

Einheitliche Regeln für die Flüchtlingsversorgung!

Der Bayerische Ärztetag wünscht sich Hilfe für Ärzte, die Flüchtlinge versorgen.

DEGGENDORF. Dr. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), hat beim Bayerischen Ärztetag in Deggendorf kritisiert, dass Flüchtlinge nur nach dem Mindeststandard medizinisch versorgt würden. Dies bedeute, dass Ärzte sie anders behandeln müssten als inländische Patienten.

Der Ärztetag hat darüber hinaus bayernweit einheitliche Regelungen für die Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden gefordert. Dazu gehören nach Ansicht der Delegierten vor allem auch die Bereitstellung von angemessen ausgestatteten Arbeitsplätzen mit entsprechendem ärztlichem Assistenzpersonal und Regelungen für die Präsenzzeiten sowie für die Vergütung.

Dolmetscher bereitstellen

Notwendig sei auch die Bereitstellung von Dolmetschern, die im Sinne von Sprach- und Kulturmittlern für die ärztliche Versorgung eingesetzt werden sollen. Um vorhandene Ressourcen optimal nutzen zu können, sollten auch die Möglichkeiten moderner Kommunikationsmittel genutzt werden.

Vor allem Ärzte, die in Grenznähe kranke Flüchtlinge versorgen, die noch keine Erstuntersuchung haben, brauchten Sicherheit, erklärte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Dr. Wolfgang Krombholz, beim Ärztetag.

"Wir dürfen die niedergelassenen Kollegen, die in den vergangenen Wochen Tag und Nacht unentgeltlich zur Stellen waren und jetzt langsam nicht mehr können, nicht im Regen stehen lassen", sagte Krombholz.

Dabei gehe es um Sicherheit im Hinblick auf bürokratische Abläufe, aber auch um die Frage der Bezahlung. Die Bayerische Landesregierung müsse Wort halten und dürfe die Ärzte aus den Praxen und den stationären Einrichtungen nicht "der Drehtürmühle der Zuständigkeiten" überlassen, so Krombholz.

Darüber hinaus forderte der Ärztetag mehr Personal beim Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) für Erstscreenings und die medizinischen Untersuchungen der Asylsuchenden. Der ÖGD sei nicht nur für Impfungen und Vollzug des Infektionsschutzgesetzes zuständig, sondern werde immer öfter von den Ausländerbehörden bei Fragen von Reisefähigkeit und Schwangerschaft hinzugezogen.

"Das öffentliche Gesundheitswesen muss personell und finanziell so ausgestattet werden, dass es die großen Herausforderungen erfüllen kann", forderten die Delegierten. (sto)

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