Ärzte Zeitung, 16.12.2015

Notfall-Ambulanzen

Gebühr für Patienten?

Sachsens KV-Chef Klaus Heckemann plädiert für eine Patienten-Gebühr, um Notfall-Ambulanzen wirksam zu entlasten.

Von Luise Poschmann

Gebühr für Patienten?

Wegweiser für Notfälle: Für einen Besuch könnte gegebenenfalls bald Geld nötig sein.

© Kurt Kleemann / Fotolia.com

DRESDEN. Portalpraxen sind aus Sicht der KV Sachsen kein geeignetes Mittel, um die Notfall-Ambulanzen der Krankenhäuser zu entlasten.

Weit mehr würde die Einführung einer Gebühr bringen, sagte der Vorsitzende Dr. Klaus Heckemann. Nur so könne der Zustrom der Patienten in die Klinik-Ambulanzen gesteuert werden.

Seinem Vorschlag nach sollten zehn Euro pro Besuch des Bereitschaftsdienstes und 20 Euro für eine Behandlung in der Notfall-Ambulanz fällig werden.

Teurer würde dies für die Patienten insgesamt aber nicht: Mit Erhebung der Gebühr will Heckemann parallel die Mindestzuzahlungen für Medikamente auf vier Euro absenken.

Im Schnitt würde das für die Patienten "mehr Entlastung als Belastung" mit sich bringen, zeigte er sich überzeugt.

Erfahrungen aus der Praxisgebühr

Die 2004 eingeführte und mittlerweile wieder abgeschaffte Praxisgebühr habe gezeigt, dass Geld durchaus das Verhalten der Patienten steuern kann, sagte Heckemann.

So seien beim Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst in Sachsen von 2003 auf 2004 rund 172.000 Einsätze in der Nacht oder am Wochenende weniger nötig gewesen - ein Rückgang um fast 29 Prozent. "Plötzlich war vieles nicht mehr so dringend", stellte der Vorsitzende fest.

Als größtes Problem sieht Dr. Heckemann die Bequemlichkeit der Patienten, frei nach dem Motto: "In der Woche habe ich keine Zeit, dann gehe ich lieber am Sonntag zum Arzt".

Dies sei ein Missbrauch der Versorgungsstruktur, kritisierte der sächsische KV-Vorsitzende. Dass Patienten zu lange auf einen Facharzt-Termin warten müssten und deshalb in die Ambulanz gingen, dürfte schließlich zumindest in Sachsen kein Problem mehr sein, so Heckemann.

Im Freistaat gibt es seit Ende 2014 eine eigene Telefon-Vermittlung für Facharzttermine.

"Grenze der Bezahlbarkeit."

Klar ist für Heckemann allerdings eines: "Wenn man das System so weiterführt, kommt es schnell an die Grenze der Bezahlbarkeit."

In den Klinik-Ambulanzen würde oft eine eigentlich überflüssige Diagnostik gemacht, weil die Geräte schlicht verfügbar seien. "Das wird sehr schnell sehr teuer." Eine strukturelle Änderung sei daher dringend nötig, so der KV-Chef.

Die Portalpraxen aus dem neuen Krankenhausstrukturgesetz sieht er aber skeptisch. Es sei fraglich, ob sie tatsächlich als Filter fungieren und die Patienten von der Klinik-Ambulanz abziehen könnten, sagte Heckemann.

In jedem Fall müsse es vor der Einführung eine "umfassende Evaluierung" des Bedarfs geben - und zwar an jedem potenziellen Standort.

Einen Betrieb der Portalpraxen rund um die Uhr kann sich der KV-Chef derzeit nicht vorstellen. Nicht nur wegen des zusätzlichen Bedarfs an Ärzten und medizinischen Fachangestellten, sondern auch aus Kostengründen.

An jedem Krankenhaus in Sachsen eine 24-Stunden-Praxis zu betreiben würde für die KV "absurd" teuer werden, sagte der Vorsitzende. Er hoffe, dass sich eine pragmatische Lösung finden lasse.

[16.12.2015, 19:52:32]
Jörg Dähn 
Praxisgebühr? Quasi sinnlos.
Ich warte immer noch auf eine vernünftige Analyse der Praxisgebühr. Die auch die Kosten beinhaltet, die den Patienten und den Praxen entstanden sind, wie zB die Kosten für Pat., die zum Hausarzt fahren um eine Überweisung zu holen, die Diskussionen am Praxistresen, etc. Seit die Praxisgebühr nicht mehr ist, läuft unsere Praxis ruhiger. Und da das Ganze budgetiert ist, bringen mehr Konsultationen auch nicht mehr Kosten für die KrankenKassen.

Das Einzige, was die Notfälle reduziert: 100 Euro für einen Notaufnahme-Besuch, rückzahlbar durch KrankenKasse bei nachgewiesenem Notfall. 50 Euro für Inanspruchnahme des KV-Notdienstes, zu gleichen Konditionen. Direktabrechnung, Kostenerstattung, Selbstgehalt. Nur so geht's. zum Beitrag »

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