Ärzte Zeitung, 26.12.2015

KVen rüsten sich

Terminservicestellen kommen im Januar

GKV-Patienten sollen künftig innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten, darum ist jede KV gesetzlich dazu verpflichtet, bis zum 23. Januar Terminservicestellen einzurichten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, wie sich in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz zeigt.

Von Anne Zegelman

Terminservicestellen kommen im Januar

Einen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen sollen Patienten ab Ende Januar von den Terminservicestellen der KVen bekommen.© yopinco / Fotolia.com

BERLIN. Ein Element des Versorgungsstärkungs-Gesetzes ist es, gesetzlich Versicherte beim Vereinbaren eines Facharzttermins zu unterstützen.

Laut VSG sind die KVen dazu verpflichtet, bis zum 23. Januar 2016 Terminservicestellen (TSS) einzurichten, die Versicherten in weniger als vier Wochen einen Facharzttermin vermitteln sollen. Gelingt dies nicht, muss dem Patienten ein ambulanter Behandlungstermin im Krankenhaus angeboten werden.

Die Versichertenbefragung der KBV aus dem Jahr 2014 hatte ergeben, dass deutlich mehr als die Hälfte der gesetzlich Versicherten (58 Prozent) länger als drei Tage auf einen Termin beim Facharzt warten musste, während es bei PKV-Versicherten deutlich schneller ging.

Die neue Regelung zur Terminservicestelle ist ein Zugeständnis der CDU an den Koalitionspartner SPD, der eigentlich eine Bürgerversicherung durchbringen wollte.

Die Weisung, die Terminvergabe zu zentralisieren, hat für Unmut unter den KVen gesorgt. "Alle Statistiken zeigen, dass wir in Deutschland im internationalen Vergleich am wenigsten eine Terminvermittlungsstelle brauchen", sagte Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH.

Hinzu kommen Bedenken, die die Vergütung betreffen: Geht der Patient nach missglückter Terminvermittlung ins Krankenhaus, fallen die Behandlungskosten zulasten der Gesamtvergütung der Vertragsärzte.

Vier neue Stellen geschaffen

Doch die Terminservicestelle kommt in gut vier Wochen - da nutzte auch der Versuch der KV Thüringen (KVT) nichts, zumindest einen Aufschub herauszuhandeln, für den sie besondere Belastungen durch die ärztliche Flüchtlingsbetreuung angeführt hatte. Ein von der KVT gefordertes Moratorium lehnte das Bundesgesundheitsministerium Anfang November strikt ab.

Die KV Baden-Württemberg ist vorbereitet und sieht dem Stichtag gelassen entgegen. "Die Terminservicestelle der KVBW wird organisatorisch bei der Patienteninformation MedCall angesiedelt", teilt Sprecher Kai Sonntag mit. Dafür seien vier neue Vollzeitstellen eingerichtet, die sich auf fünf Mitarbeiterinnen aufteilten.

Die Terminservicestelle der KVBW wird ab dem 25. Januar 2016 telefonisch erreichbar sein. Besetzt ist sie von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

Über eine Callcenter-Funktion werden die Anrufe verteilt; bei Vollbesetzung können so fünf Mitarbeiterinnen gleichzeitig Terminanfragen entgegen nehmen. "Bei Bedarf könnten technisch weitere Mitarbeiter ,aufgeschaltet‘ werden", erklärt Sonntag.

Zunächst können Patienten nur telefonisch mit der TSS Kontakt aufnehmen. In der zweiten Jahreshälfte soll ein Webportal online gehen. Genau wie in Baden-Württemberg ist auch in Hessen eine internetbasierte Möglichkeit geplant.

"Die KV Hessen wird die Online-Plattform der KV Telematik GmbH einsetzen, sobald diese zur Verfügung steht", berichtet Sprecher Karl Matthias Roth. Auch andernorts spielt das Internet bei der Terminfindung eine Rolle. In Bremen soll die Internetseite sogar das Hauptportal für Anfragen sein.

Der Löwenanteil der Ausgaben in Baden-Württemberg entfällt auf die Personalkosten. Bei vier Arbeitsplätzen ergibt sich laut KVBW ein Gesamtkostenaufwand von jährlich rund 195.000 Euro. Hinzu kämen Sachkosten in Höhe von etwa 25.000 Euro für Einrichtung und Unterhalt der Büroarbeitsplätze.

Die Meldung von freien Terminen erfolgt nach Beschluss der Vertreterversammlung auf freiwilliger Basis. Für den Fall, dass nicht ausreichend freie Termine gemeldet werden, ist der KV-Vorstand allerdings ermächtigt, eine Meldepflicht zu erwägen.

Schon jetzt Termine melden

In Rheinland-Pfalz wird die TSS ebenfalls pünktlich zum 25. Januar erreichbar sein. "Für die Terminservicestelle, die in unserer Regionalverwaltung in Neustadt angesiedelt sein wird, mussten keine Neueinstellungen vorgenommen werden", erklärt KV-Sprecher Stefan Holler.

Die Vorbereitungen seien im Zeitplan: "Mitglieder können schon jetzt freiwillig Termine per E-Mail oder Fax an die Terminservicestelle melden", berichtet Holler.

Ab dem neuen Jahr sei eine freiwillige Meldung auch über das TSS-Portal in KV SafeNet oder im Internet möglich. In Neustadt vorgesehen ist eine Mischung aus Call-Center und elektronischer Unterstützung. Eingesetzt werden soll das KV Telematik-Portal.

Auch die KV Hessen teilt mit, dass die TSS pünktlich zum Starttermin einsatzbereit sein wird. Eine Pflicht, freie Termine zu melden, ist im Moment nicht vorgesehen: "Die KV setzt auf Freiwilligkeit", teilt Roth mit.

Wie hoch die Kosten sein werden, kann man derzeit nicht beurteilen, da dies sich an der Inanspruchnahme orientieren werde. "Um das Volumen der Anrufe bewältigen zu können, werden wir neben festangestellten, neuen Mitarbeitern auf den flexiblen Zukauf von personellen Kapazitäten setzen", heißt es aus Hessen.

Die KV Baden-Württemberg ist im vergangenen Dezember in einer ersten Schätzung davon ausgegangen, dass sich jährlich 15.000 bis 150.000 Patienten an eine Vermittlungsstelle wenden könnten. Andere wie die KV Brandenburg oder die KV Hamburg rechnen nicht mit einer Welle von Patientenanfragen.

[29.12.2015, 16:21:47]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Was hier fehlt, ist der Hinweis ...
dass nach den Vorstellungen der Politik, der Facharzt-dominierten KVen und offensichtlich auch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Hausärztinnen und Hausärzte diese Terminservicestellen (TSS) ab kommenden Januar 2016 mitfinanzieren sollen!

Und das, obwohl sie für Ihre Patientinnen und Patienten i. d. R. tag-gleich oder spätestens am Folgetag je nach Dringlichkeit immer eine Konsultation ermöglichen. Und wer erst spät als Akut-Fall in der Hausarztpraxis aufkreuzt, wird ebenfalls untersucht und beraten.

Gleichzeitig sollen wir Hausärzte auch noch weitere Honorarkürzungen hinnehmen, wenn irgendwelche terminlich verpeilten Facharztpraxen die 4-Wochen-Frist nicht einhalten wollen oder können, und dem Patienten ein ambulanter Behandlungstermin im Krankenhaus angeboten werden muss. Die Klinikrechnung, die dann der KV dafür später präsentiert wird, dürfte doch nur und ausschließlich aus dem Facharzt-Topf bezahlt werden dürfen? Aber nach diesem Finanzierungsmodell sieht es noch nicht einmal bei den Personal- und Logistik-Kosten für die rein Facharzt-induzierten TSS aus - die werden sicher auch noch auf die Hausärzte umgelegt!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[26.12.2015, 21:33:22]
Dr. Wolfgang Bensch 
50.- Euro Kosten pro Vermittlung - ein Wert der Sachsen-KV nach Heckemann
Die KV-Sachsen war bekanntlich in dieser Sache vorgeprescht und hat wohl schon betriebswirtschaftliche Daten zu den Kosten, wobei hervorzuheben ist, dass der KV-Vorsitzende von der geringen Zahl dieser Vermittlungen berichtet, die nicht mehr als 8 arbeitstäglich für den Bereich Sachsen bedeuten würden.
Ist Sachsen nun "typisch" oder nur eine Ausnahmeerscheinung? zum Beitrag »

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