Ärzte Zeitung, 21.12.2015

KGNW

"Qualitätsinstrumente sinnvoll nutzen!"

Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) hat in Neuss über die Krankenhausreform diskutiert und dabei in einigen Aspekten Nachbesserung gefordert.

Von Ilse Schlingensiepen

NEUSS. Bei aller Freude über die positiven Aspekte der Krankenhausreform sieht die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) noch Handlungsbedarf auf drei Feldern: der unzureichenden Investitionsfinanzierung, der mangelhaften Finanzierung der ambulanten Notfallbehandlung und den vom Gemeinsamen Bundesausschuss geplanten Qualitätsinstrumenten.

2016 stehe die unzureichende Investitionsfinanzierung ganz oben auf der Agenda, sagte KGNW-Präsident Jochen Brink auf dem KGNW-Forum in Neuss. "Wir werden die Investitionsmisere in den Krankenhäusern transparent machen."

Schwerpunkt der Debatte auf dem Forum waren aber die künftigen Qualitätsinstrumente. Die Kliniken hätten keine Scheu, sich einer Qualitäts-Debatte zu stellen, betonte Brink, der in Neuss im Amt bestätigt wurde.

"Wir sprechen uns klar für einen Qualitätswettbewerb aus, wenn dieser von unabhängiger Seite auf methodisch sauberer Grundlage und mit transparenten und fairen Spielregeln stattfindet." Manchem Krankenkassenvertreter scheine es aber weniger um die Patientenversorgung als um den Abbau vermeintlicher Überkapazitäten zu gehen, kritisierte er.

Vergütung an Qualität knüpfen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass Kliniken, die dauerhaft eine schlechte Qualität liefern, vom Netz genommen werden sollten, sagte ihr Präsident Thomas Reumann. "Die Frage ist, in welchem Ausmaß die Krankenhaus-Vergütung sachgerecht an Qualität geknüpft werden kann."

Er warnte vor unerwünschten Nebeneffekten. Kliniken könnten Hochrisikopatienten abweisen, um die eigenen Qualitätsergebnisse zu verbessern.

"Die faire Ausgestaltung der Qualitätsinstrumente ist die zentrale Herausforderung der jetzt anstehenden Umsetzung der Krankenhausreform", sagte Reumann. Er hofft, dass das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiQ) die Instrumente genau unter die Lupe nimmt und die aussortiert, die überflüssig sind.

Andreas Becker, Professor für Krankenhausmanagement an der Katholischen Fachhochschule NRW und Chef eines Beratungsinstituts, warnte davor, Qualitätsinstrumente zu schnell und unreflektiert scharf zu schalten. Es sei wichtig, über die möglichen unbeabsichtigten Nebenwirkungen im Vorfeld nachzudenken.

"Wir müssen Transparenz der Modelle zur Risikoadjustierung fordern", sagte Becker. Black-Boxes seien bei staatlich verordneten Messsystemen inakzeptabel. "Transparenz wäre, offen zu sagen, wo die Stärken und die Schwächen des Modells liegen."

Nicht im Sinne der Patienten?

Es wäre nicht im Sinne der Patienten, wenn mit Instrumenten gearbeitet würde, die Verwirrung stiften und Fehlinformationen liefern, bestätigte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Kippels. "Der Diskussionsprozess sollte nicht nur im IQTiQ, sondern auch in den politischen Gremien geführt werden", sagte er.

Die Kliniken sollten voneinander lernen und gemeinsam die Qualität erhöhen, findet Harald Weinberg, der gesundheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Die Linke. Qualität als Wettbewerbsinstrument im Gegeneinander der Kliniken zu nutzen, sei dagegen der falsche Weg. "Einen Anreiz, Patienten gezielt auszuwählen, um die Marktposition zu verbessern, darf es aus unserer Sicht nicht geben", sagte Weinberg.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Maria Klein-Schmeink sieht in der Finanzierung zusätzlicher Hygienefachkräfte oder dem Entlassmanagement Qualitätsmaßnahmen mit positiven Auswirkungen für Patienten. "Der Rest ist sehr gesundheitsökonomisch gesteuert, der Mehrwert für die Patienten wird für mich nicht deutlich", sagte sie.

Günter van Aalst, Leiter der Techniker Krankenkasse in NRW, forderte eine Diskussion darüber, wie Qualität einheitlich objektiv dargestellt werden kann. Das gelte etwa für die Qualitätsberichte der Kliniken, die Grundlage für eine eigenverantwortliche Entscheidung der Patienten sein sollten. "Dafür brauchen wir ein einheitliches Qualitätsbild, das haben wir nicht."

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