Ärzte Zeitung, 12.01.2016

Freie Facharzt-Termine

KV Niedersachsen setzt finanzielle Anreize

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Fachärzte in Niedersachsen erhalten Honorarvorteile, wenn sie der KV freie Termine melden.

HANNOVER. Ein kleiner Anreiz soll helfen: In Niedersachsen können je Facharzt bis zu 24 Termine pro Quartal von den Honorarbegrenzungen ausgenommen werden, sofern diese Termine an die Terminservicestelle der KV Niedersachsen gemeldet wurden. Das hat die Vertreterversammlung beschlossen.

Dazu müssen die entsprechenden Termine bei der Abrechnung gekennzeichnet werden. Die KV rechnet mit einem jährlichen Volumen von 1,5 bis 2 Millionen Euro.

"So wollen wir Anreize schaffen, dass genug Termine gemeldet werden", sagt KV-Sprecher Detlef Haffke der "Ärzte Zeitung".

Vor allem bei Augenärzten, Kinder- und Jugendpsychiatern, Neurologen, Orthopäden, Pneumologen, Radiologen mit MRT und Rheumatologen könnte es eng werden, sodass freie Termine dort besonders begehrt sein werden.

Die KV geht von rund 18 Millionen Überweisungen im Jahr aus und einer Vermittlungsquote von zwei bis drei Prozent pro Jahr. Das wären rund 500.000 Patienten jährlich, die über die Terminvermittlungsstelle Niedersachsens zu einem Facharzt kommen.

"Für diese Schätzung haben wir zuvor Dienstleister befragt, die zum Beispiel das Anrufverhalten von Versicherungskunden oder anderer Organisationen evaluieren", erklärt Haffke. "So sind wir auf die Schätzung von zwei bis drei Prozent gekommen.

Wie sehr die Terminservicestelle tatsächlich in Anspruch genommen werden wird, muss man natürlich abwarten." Das System greift ab dem 25. Januar.

Gelinge es nicht, die Patienten an die niedergelassenen Fachärzte zu vermitteln, drohen bis zu 13 Millionen Euro Vergütung der niedergelassenen Ärzte in die der Kliniken zu fließen, so die Hochrechnungen der KVN.

Ärzte melden Termine online

Und so funktioniert die Vermittlung: Die Ärzte melden ihre freien Termine online. Patienten geben ihre Termine ebenfalls online an oder rufen das KVN-Callcenter an.. Nur auf Überweisung können Patienten den Service in Anspruch nehmen.

Dazu werden die zu vermittelnden Überweisungen vom Überweiser mit einem zwölfstelligen Code gekennzeichnet - zunächst per Aufkleber, die die KVN an die Mitglieder schicken, später über die Praxissoftware.

"Diese Überweisungen werden vor allem die Hausärzte ausstellen, wenn sie beim Patienten eine Notwendigkeit für einen Facharztbesuch sehen", sagt Haffke. Nur mit diesem Code können sich Patienten dann telefonisch über das KV-Callcenter oder online einen Termin vermitteln lassen.

"Allerdings können wir das Überweisungsverhalten der Hausärzte überhaupt nicht einschätzen oder vorhersagen", betont Haffke.

Indes dürften die Patienten schnell merken, dass ein Zahlencode auf der Überweisung die Tür zur Vermittlungsstelle öffnet - und Tempo bedeutet.

"Möglicherweise werden die Patienten in Hausarztpraxen verstärkt den Aufkleber auf ihren Überweisungen fordern", vermutet der KV-Sprecher. (cben)

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