Ärzte Zeitung, 08.02.2016

Hessen

Bereitschaftsdienst an Kliniken soll entlasten

Über 55.000 Notfallpatienten sind 2015 im Uniklinikum Frankfurt behandelt worden - doch nicht alle gehörten in Klinik. Leicht Erkrankte sollen künftig an den Bereitschaftsdienst verwiesen werden.

Von Jana Kötter

FRANKFURT/MAIN. Um das Problem überlasteter Notaufnahmen zu lösen und Patienten zielgerichtet durch die Versorgungsstrukturen zu lotsen, setzt die KV Hessen verstärkt auf direkt an Kliniken angesiedelte Bereitschaftsdienst-Zentralen.

In das Konzept passt der am Donnerstag eingeweihte Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) am Uniklinikum Frankfurt.

"Leichte Fälle können am Wochenende nun an den Bereitschaftsdienst übergeben werden", hofft Professor Jürgen Schölmerich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Uniklinikum auf eine Entlastung der Notaufnahme.

Im vergangenen Jahr seien über 55.000 Notfälle im Klinikum behandelt worden. Daten der KV Hessen zeigen jedoch, dass bei Weitem nicht jeder in den stationären Bereich gehört: So sei 2014 gut jeder dritte Fall in der Notfallabrechnung zu Zeiten angefallen, in denen Praxen noch geöffnet gewesen seien.

"Win-win-Situation"

Das Problem, so der hessische KV-Geschäftsführer Jörg Hoffmann, bleibe die "zielgerichtete Steuerung" der Patienten durch die Versorgungslandschaft.

Die neue ÄBD-Zentrale nannte er eine "Win-win-Situation": Leichte Fälle aus der Klinik werden an den ÄBD weitergeleitet, die 19 im Bereitschaftsdienst tätigen Ärzte könnten auf die Diagnostik des Klinikums zurückgreifen, und die Überweisung auf Station könne reibungslos erfolgen.

Die Wartezeit für die Patienten verringere sich enorm: Schölmerich bezifferte diese für die Klinik auf rund fünf Stunden, im ÄBD liege diese in Frankfurt erfahrungsgemäß bei etwa einer Stunde, so Dr. René Ohmer, Ärztlicher Leiter des neuen Bereitschaftsdienstes. Das solle in Zukunft auch offen kommuniziert werden.

Der im Krankenhausstrukturgesetz vorgeschriebenen Portalpraxen hätte es laut Hoffmann nicht bedurft. Vielmehr beschreite man diesen Weg in Hessen ohnehin: Seit der Reform des Bereitschaftsdienstes befinden sich bereits 54 der 58 ÄBD-Zentralen in Hessen an Krankenhäusern oder in direkter Nachbarschaft.

Konzept soll ausgebaut werden

Das Konzept soll in Zukunft ausgebaut werden. Das Universitätsklinikum Marburg sei bereits an die KV Hessen herangetreten, so Hoffmann.

Auch mit dem Klinikum im Frankfurter Stadtteil Höchst - als Standort der neuen ÄBD-Zentrale bisher direkter Konkurrent des Uniklinikums - liefen Gespräche, einen zusätzlichen Sitz für den Bereitschaftsdienst einzurichten.

Konkrete Zahlen, die die Idee der Patientensteuerung belegen, liegen noch nicht vor. Die neue Zentrale ist zwar seit 15. Januar in Betrieb, bisher sei nur ein "sehr geringer Teil" in den stationären Bereich überwiesen worden, so Ohmer.

Am bisherigen Standort im Frankfurter Gallusviertel seien zuletzt 27.000 Patienten im Jahr behandelt worden, bedingt durch den Umzug sei die Zahl in den ersten Wochen auf rund ein Drittel zurückgegangen.

Es sei zu früh, bereits über Zahlen zu sprechen, meint Schölmerich. "Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die Kapazitäten des Klinikums in Zukunft besser genutzt werden."

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