Ärzte Zeitung, 10.02.2016

Unentschuldigt Behandlung verpasst

Online-Datenbank für Termin-Sünder?

Eine Strafe für Patienten, die Termine nicht absagen - das fordert nun ein Gastroenterologe aus Mönchengladbach. Die "unverschämte Anspruchshaltung" vieler Patienten kritisiert er scharf.

Von Ilse Schlingensiepen

Online-Datenbank für Termin-Sünder?

Testanrufe von Krankenkassen: Nur mal schauen, wie schnell Patienten einen Termin erhalten - das nervt Ärzte.

© Picture-Factory/ FotoliA.com

KÖLN. Unabhängig von den neuen Terminservicestellen sollte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) Patienten erfassen, die Termine unentschuldigt versäumen. Dafür macht sich der Gastroenterologe Dr. Arno Theilmeier stark.

Gleichzeitig erwartet der Arzt aus Mönchengladbach Unterstützung von der KVNo gegen unqualifizierte Terminvermittlungs-Versuche vonseiten der Krankenkassen.

Bei ihm und vielen Kollegen würden Patienten Termine nicht wahrnehmen, ohne sie abzusagen, berichtet Theilmeier, der Vorsitzender des Berufsverbands niedergelassener Gastroenterologen Nordrhein ist. "Ich halte die Einrichtung einer Online-Meldestelle für solche Fälle für sinnvoll."

Der Vorschlag sei bislang von der KVNo ignoriert worden, ärgert er sich. "Man muss der unverschämten Anspruchshaltung der Patienten etwas entgegensetzen."

Testanruf der Kasse

Für unakzeptabel hält Theilmeier auch Anrufe von Krankenkassenmitarbeitern, die für Versicherte zeitnahe Termine vereinbaren wollen, sich dabei aber nicht an die Spielregeln halten. Vor Kurzem habe ein Mitarbeiter der AOK Rheinland/Hamburg in der Praxis angerufen, aber aufgelegt, als er mit dem Arzt verbunden werden sollte.

"Nur der Arzt kann aber entscheiden, ob ein Termin dringlich ist oder nicht." Der Gastroenterologe hat die AOK und die KVNo darüber informiert.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es sich um einen Testanruf der Kasse gehandelt hat. Mitarbeiter der AOK Rheinland/Hamburg wollten herausfinden, wie schnell Patienten einen Termin bei niedergelassenen Ärzten bekommen. Merkwürdig ist allerdings, dass Gastroenterologen gar nicht zu den getesteten Fachgruppen gehören.

Überprüfung der Dimension

Der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff kann Theilmeiers Ärger über solche Anrufe nachvollziehen. Das gilt auch für die mangelnde Therapietreue von Patienten. Die KVNo habe den Vorschlag einer Erfassung der betreffenden Patienten geprüft. "Ich habe das Thema dem Ausschuss für Psychotherapie vorgelegt", berichtet Potthoff.

Doch obwohl gerade für Psychotherapeuten die Nicht-Wahrnehmung von Terminen ärgerlich sei, hätten sie die Idee verworfen. Der Grund: Es sei schwer durchsetzbar, Patienten für solche Fälle bezahlen zu lassen.

Auch Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, sieht in den mangelnden Sanktionsmöglichkeiten das wichtigste Argument gegen eine Meldestelle. "Die Frage ist ungelöst, wie man mit unzuverlässigen Patienten umgeht." Die Dokumentation der geschwänzten Termine hätte aus seiner Sicht allerdings auch eine positive Seite: "Man könnte feststellen, wie groß die Dimension des Problems wirklich ist."

Die AOK Rheinland/Hamburg unterstütze Versicherte bei der Suche nach einem Arzttermin, sagt Mohrmann. Das laufe aber anders als bei den Testanrufen, betont er. Die Vermittlung übernähmen in der Regel speziell geschulte Mitarbeiter. Für das Vorgehen der AOK-Mitarbeiter hat er sich bei Theilmeier entschuldigt.

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