Ärzte Zeitung, 26.02.2016

Hamburg

Ärger über ambulante Klinik-Behandlungen

In Hamburg suchten im vergangenen Jahr Patienten 529.000 mal den ambulanten Notdienst auf. 316.000 Behandlungsfälle verzeichneten davon die Kliniken.

Von Dirk Schnack

HAMBURG. Die Kosten für ambulante Notfallbehandlungen in Hamburg laufen aus dem Ruder. Über 22 Millionen Euro kosten die Behandlungen die Kassenärztliche Vereinigung jährlich mit steigender Tendenz.

Rund die Hälfte davon entfallen auf Klinikleistungen. Diese Zahlen nannte KV-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister auf der jüngsten Vertreterversammlung in der Hansestadt. Er kündigte Gespräche mit den Kliniken in der Stadt an.

Hintergrund ist ein massives Angebot an Klinik-Notfallambulanzen. 23 solcher Einrichtungen betreiben die Krankenhäuser im Stadtgebiet - deutlich zu viel nach Hofmeisters Einschätzung. "Wir haben Versorgung an jeder Ecke, da brauchen wir nicht auch noch Notfallversorgung an jeder Ecke", sagte Hofmeister.

Er erinnerte daran, dass die Kliniken nicht zu diesem Angebot verpflichtet seien. Ein Rückbau ließe sich nach seiner Ansicht "politisch regeln". Ob Krankenhäuser oder Politik diesem Ansinnen folgen werden, bezweifelte Hofmeister zwar selbst.

Er machte aber auch deutlich, dass "es so nicht weiter gehen kann". Der frühere KV-Chef Dr. Michael Späth erinnerte daran, dass die Situation vor 20 Jahren ähnlich prekär gewesen sei und Kliniken sich Lösungen mit dem Argument, sie könnten Patienten nicht wegschicken, abgelehnt hatten.

Fahrender Notdienst

Die KV in Hamburg hält für die Zeiten nach den Sprechstunden einen fahrenden Notdienst (kostet 8,7 Millionen Euro) und zwei Notfallpraxen (1,6 Millionen Euro) sowie einen pädiatrischen Notdienst (0,6 Millionen Euro) vor.

Insgesamt gab es in 2014 529.000 Behandlungsfälle im ambulanten Notdienst, von denen 316.000 im Krankenhaus stattfanden. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Behandlungsfälle insgesamt um 10.000, beim Besuchsdienst aber war die Zahl rückläufig. In den Kliniken stieg die Zahl der Fälle um 13.000.

Die aus der Versammlung angeregte Alternative, vor jeder Klinik-Notfallambulanz die Patienten mit einer KV-Notfallpraxis "abzufangen", hält Hofmeister aus Kosten- und aus Gründen der Arztressourcen für nicht umsetzbar.

Außerdem will er erreichen, dass die Zahl der Patienten in der Notfallversorgung abnimmt, denn: "Notfallversorgung ist die schlechteste Versorgung für Menschen, die kein Notfall sind."

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Wenn aus Urin Bier gebraut wird

Ekelig aber genial? Belgische Forscher wollen Bier aus Urin brauen. Doch das ist kein Marketing-Gag: Mit ihrer Idee möchten sie Bauern in Afrika helfen. mehr »

RKI will Risikogruppen besser schützen

Die Zahl von Neuinfektionen mit Hepatitis C stagniert. Deshalb rät das Robert Koch-Institut, Defiziten in der Bevölkerung zu Übertragungswegen und Schutzmaßnahmen entgegenzutreten und Risikogruppen mit Präventionsmaßnahmen zu erreichen. mehr »

Immer mehr Adipositas-Operationen

Mehr adipöse Menschen - mehr Operationen: Dieser Trend bereitet der Barmer GEK Sorgen, auch weil ihrer Ansicht nach zu oft operiert wird. Für mehr Qualität sollten bariatrische Eingriffe nur noch in zertifizierten Zentren vorgenommen werden. mehr »