Ärzte Zeitung online, 09.08.2016

Vorbild Österreich

Petition fordert höhere Strafen für Rettungsgassen-Muffel

Oft zählt jede Sekunde für Einsatzkräfte nach einem Unfall, doch viele Deutsche bilden nur zögerlich eine Rettungsgasse. Helfen härtere Strafen wie in Österreich dabei, Leben zu retten? Eine Online-Petition fordert dies zumindest.

Von Alexander Joppich

Petition fordert höhere Strafen für Rettungsgassen-Muffel

Keine Rettungsgasse: Einsatzkräfte müssen sich deswegen oft durch Staus nach Unfällen durchkämpfen.

© Fotimmz/ fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Sirene des Krankenwagens heult auf, doch die Sanitäter bleiben stehen: Nichts geht mehr, bis die Autos vor ihnen sich kurz danach hektisch auseinander bewegen. Es geht im Schritttempo weiter – dabei dreht es sich manchmal um das Leben von Verletzten – nerviger Alltag für viele Einsatzkräfte.

Hierzulande sind die Konsequenzen für Fahrer, die keine Gasse bilden, geringer – weit geringer: 20 Euro kostet das Vergehen.

Online-Petition fordert ähnliche Strafen in Deutschland

Fabian Beck ist dies ein Dorn im Auge. Und er ergreift die Initiative: Der Hattersheimer hat eine Online-Petition ins Leben gerufen und fordert härtere Strafen, falls Fahrer keine Rettungsgasse bilden. Oder auch: wenn sie diese erst beim Eintreffen der Rettungskräfte starten.

In knapp einem Monat 12.000 Unterstützer gewonnen

Die Petition läuft seit Ende Juni und hat derzeit knapp über 12.000 Unterzeichner. Bis Ende Dezember ist das Ziel 120.000 Unterstützer gewonnen zu haben. Dann geht sie an den Deutschen Bundestag.

Die Forderungen

Beck und seine Unterstützer fordern:

1. Eine Medien-Kampagne zur Bewerbung der Rettungsgasse

2. Die Strafen von 20 € auf bis zu 2000 € erhöhen, wenn Fahrer Einsatzkräfte behindern – nach dem Vorbild Österreichs (siehe unten).

3. Einsatzkräfte sollen ihre Fahrten filmen dürfen, um Beweisvideos von Verstößen zu haben. Derzeit müssen sie Verkehrsteilnehmer aufschreiben und danach Anzeige erstatten: nahezu unmöglich beim Zeitdruck während Rettungsfahrten.

Bis zu 2180 Euro Strafe in Österreich

Krankenwagen bleiben im Stau stecken, Polizisten kommen nicht weiter: Diese Situationen dürfen nicht mehr vorkommen, fanden österreichische Politiker. Sie verschärften die Straßenverkehrsordnung – und zwar drastisch.

Seit mehr als vier Jahren ist die Rettungsgasse in Österreich deswegen neu geregelt. Wer keine bei Stau bildet, riskiert empfindliche Strafen: 726 Euro im Maximalfall. Bis zu 2180 Euro sogar, wenn ein Fahrer ein Rettungsfahrzeug behindert. (ajo)

So gehts richtig: Wie bilde ich eine Rettungsgasse?

Generell gilt: Die Einsatzkräfte fahren zwischen der linken und der Spur rechts von dieser durch. Wer auf der linken Spur ist, fährt deswegen möglichst weit nach links - wer auf einer anderen Spur fährt, bewegt sich möglichst weit nach rechts, zur Not darf man auch auf die Spur rechts von sich fahren. Die Fahrer auf der äußeren rechten Spur dürfen den Pannenstreifen benutzen. Online gibt es zum besseren Verständnis Darstellungen, wie man eine Rettungsgasse bildet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »