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Hausarztpraxen

DEGAM warnt vor zu viel Diagnostik

Überversorgung in Hausarztpraxen ist ein wachsendes Problem – so ein Fazit des 50. DEGAM-Kongresses. Die Fachgesellschaft arbeitet mit Hochdruck an einer Leitlinie.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Aufgrund der wachsenden Zahl zur Verfügung stehender medizinischer Tests und dem steigenden Druck, Krankheiten frühzeitig zu erkennen, wächst das Problem der Überdiagnose in der Allgemeinmedizin. Dabei komme gerade Hausärzten als "Türstehern für das Gesundheitssystem" eine Schlüsselrolle in der Vermeidung von Überversorgung zu. Das betonte Paul Glasziou, Allgemeinmediziner und Professor für evidenzbasierte Medizin an der Bond University in Australien, am Samstag in Frankfurt. Dort endete der 50. Jubiläumskongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM).

"Wir testen zu viel und finden so beinahe zufällig Diagnosen bei asymptomatischen Patienten", kritisierte Glasziou in seiner Vorlesung. In einer Podiumsdiskussion stellte Professor Martin Scherer, Sprecher der DEGAM-Leitlinienkommission, daher die neue S3-Leitlinie "Schutz vor Über- und Unterversorgung" vor.

Ausblick auf 2017

Diese "Meta-Leitlinie, die andere Empfehlungen zusammenführt", soll laut Scherer 2017 veröffentlicht werden. Ein Panel aus Hausärzten sichte und kommentiere aktuell die bestehenden DEGAM-Leitlinien, um daraus Empfehlungen abzuleiten, wie Überversorgung in der Praxis adressiert werden kann.

Aktuell hätte das Panel eine Zahl von 16,5 Empfehlungen pro Krankheitsbild erarbeitet, berichtete Scherer. Der Prozess, um diese Zahl weiter zu reduzieren, soll Ende November abgeschlossen werden.

Bisher gebe es eine Vielzahl nationaler Initiativen und Projekte, die das Problem in den Fokus rücken, stellte Dr. Karl Horvath vom Institut für Allgemeinmedizin der Uni Graz dar. Die Kampagne "Choosing wisely" sei nur ein Beispiel. "Bisher muss die Umsetzung jedoch noch kritisch gesehen werden", lautetet sein Zwischenfazit. Der Erfolg der Kampagnen gegen Überversorgung hinge essenziell von der Ärzteschaft ab.

Bericht aus der Praxis

Die neu gewählte DEGAM-Präsidentin Professor Erika Baum berichtete während der Diskussion aus der Praxis. Seit über 34 Jahren ist die Nachfolgerin von Professor Ferdinand Gerlach in einer mittelhessischen Landarztpraxis niedergelassen. Überversorgung aktiv entgegenzuwirken, sei angesichts zunehmend fordernder Patienten nicht immer einfach, sagte sie. "Wir sollten jedoch auf keinen Fall Tests mit unsicherem Benefit aktiv anbieten", betonte sie.

Mögliche Konsequenzen von Tests sollten vorher gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Letztlich gehöre zum Einsatz gegen Überversorgung auch, Patienten angesichts medizinisch als unnötig erachteter Tests ein "Nein" entgegenzusetzen, auch wenn das nicht immer einfach sei, so Baum.

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