Ärzte Zeitung online, 31.03.2017

Medizinstudium

Masterplan 2020 – Gröhes unbezahlte Reform

Ein Kommentar von Florian Staeck

Die Reform ist im Sack, werden sich am Freitag Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und etliche Berliner Koalitionspolitiker gedacht haben. Denn mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 wird wieder ein Stück des Koalitionsvertrags abgehakt.

Doch diese Rechnung geht nicht auf. Unstrittig enthält die weitreichende Studienreform sinnvolle Elemente: Die Sichtbarkeit der Allgemeinmedizin im Studium wird erhöht, ihre Bedeutung in den Prüfungen gestärkt. Auch die frühe Verknüpfung theoretischer und klinischer Lehrinhalte kann an den Fakultäten, wo dies noch nicht praktiziert wird, die Qualität des Studiums verbessern. Als Fortschritt darf zudem gelten, dass bei der Zulassung stärker als bisher Motivation und soziale Kompetenzen der Bewerber berücksichtigt werden.

Die schlechte Nachricht ist, dass die Bundesländer und die Medizinfakultäten mit der Umsetzung alleine gelassen werden. Auf 300 Millionen Euro pro Jahr werden die Zusatzkosten kalkuliert. Wer dafür zahlen soll, steht bisher allerdings in den Sternen.

Die sorgsam inszenierte Vorstellung des Masterplans am Freitag in Berlin verdeckt nur mühsam die Gräben, die aufgerissen wurden. Denn Gröhe als vormaliger CDU-Generalsekretär kennt sich mit Taktik aus. Der BMG-Chef wollte den politischen Erfolg und setzte den Kultusministern im Dauerstreit um die Finanzierung die Pistole auf die Brust: Wenn sie nicht zugestimmt hätten, wäre das endgültige Scheitern der Großreform auf ihr Konto gegangen. So gaben 15 Kultusminister am Donnerstag in letzter Minute nach, nur Thüringen enthielt sich.

Doch in einer Erklärung schrumpfen die Kultusminister den Masterplan auf Miniformat: Alle 40 Maßnahmen sollen aus den vorhandenen Etats bezahlt werden. Weitere Belastungen für die Hochschulen lehnen die Länderminister ausdrücklich ab. Damit geht die Hängepartie, die der offiziellen Verabschiedung des Masterplans vorausging, ab Montag unmittelbar weiter. Die Studienreform zeigt einmal mehr die verqueren Strukturen des deutschen Bildungsföderalismus: Bundespolitiker können die Party steigen lassen, zahlen müssen sie andere. Allein die Neustrukturierung des Praktischen Jahres mit einem verbindlichen Quartal in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung soll zwischen 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr kosten. Und die Frage, ob in einer alternden Gesellschaft mehr Medizinstudienplätze nötig sind, ist mit dem Masterplan erst gar nicht gestellt worden.

Dass der Masterplan Medizinstudium 2020 die Versorgungssituation der Jahre ab 2035 mitbestimmt, muss die aktuell Verantwortlichen nicht stören. Sie sind dann in Rente und nicht mehr politisch haftbar.

Lesen Sie dazu auch:
Masterplan 2020: Bund und Länder streiten weiter über Finanzierung

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