Direkt zum Inhaltsbereich

Schlafmedizin

Pneumologen sehen Schlaflabore in Gefahr

Schlafmediziner kritisieren die ungleiche Vergütung der Leistungen in Klinik und Praxis. Im Vorfeld des DGP-Kongresses warnen sie: Patienten mit Schlafstörung müssen mit längeren Wartezeiten rechnen, weil immer mehr Schlaflabore schließen.

Veröffentlicht:

BERLIN. Schlafmediziner der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) plädieren dafür, für ihre Leistungen die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung aufzuheben.

„Die Schlafmedizin ist eigentlich ein idealer Leistungsbereich, der intersektoral organisiert und für Kliniken und niedergelassene Ärzte nach den gleichen Bedingungen vergütet werden könnte“, sagte der Generalsekretär der Fachgesellschaft, Professor Winfried Randerath, am Mittwoch in Berlin im Vorfeld des 60. DGP-Kongresses, der vom 13. bis 16. März in München stattfindet.

Derzeit arbeitet eine Bund-Länder-Kommission entsprechend einem Auftrag des Koalitionsvertrages an Vorschlägen für intersektorale Versorgungskonzepte. Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres vorgelegt werden.

Ungleiche Vergütung

Hintergrund der Forderung von Schlafmedizinern ist die ungleiche Vergütung schlafmedizinischer Leistungen in Klinik und Praxis und die Argumentation der Krankenkassen gegenüber Krankenhäusern, die in ihren Schlaflaboren erbrachten Leistungen könnten auch ambulant durchgeführt werden.

Normalerweise erhalten Krankenhäuser nach Angaben von Randerath für zwei Nächte im Schlaflabor rund 1000 Euro aus dem DRG-System. Bei niedergelassenen Schlafärzten sind pro Nacht 200 bis 240 Euro – allerdings bei nicht ganz vergleichbarem Leistungsspektrum – abrechenbar.

Unter Verweis auf ambulante Behandlungsmöglichkeiten setzten Krankenkassen bei den Kliniken hohe Rabatte durch. Derzeit gibt es noch rund 350 Schlaflabore an deutschen Kliniken; jeden Monat, so Randerath müssten sich Krankenhäuser wegen steigender Defizite zur Schließung entscheiden.

Dies führe zu einer erheblichen Reduktion von Weiterbildungsstellen für Schlafmediziner in Krankenhäusern – mit langfristigen Konsequenzen für die personellen Ressourcen. Schon heute müssten Patienten mit Schlafstörungen mehrere Monate bis über ein Jahr auf einen Platz in einem Schlaflabor warten.

Schlafstörungen weit verbreitet

Schlafstörungen sind ein relativ weit verbreitetes Phänomen. Nach Untersuchungen der Barmer und der DAK-Gesundheit leidet etwa ein Drittel der Bevölkerung unter chronischen Problemen des Ein- und Durchschlafens, zehn Prozent leiden unter dem Krankheitsbild der Insomnie.

Diese Patienten fühlten sich, so Randerath, tagsüber meist schläfrig, weniger konzentriert und nicht mehr voll leistungsfähig.

Es bestehe die Gefahr des Sekundenschlafs. Schon bei der Verdachtsdiagnose Insomnie müsse der Arzt dem Patienten empfehlen, nicht mehr selbst Auto zu fahren, weil das Unfallrisiko siebenfach erhöht sei. Eine Missachtung der Empfehlung könne auch juristische Konsequenzen für den Betroffenen haben.

Neben den möglichen Folgeerkrankungen stellten Schlafstörungen somit auch ein gesellschaftliches Problem dar, so Randerath. (HL)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Deutscher Rheumatologiekongress startet

Rheumatoide Arthritis: Eingreifen, bevor sie ausbricht!

Überblick

Zu unserer Themenseite Medizin

Lesetipps
Eine Tafel mit digitale Ziffern und in der Mitte steht "KI"

© 3dkombinat / stock.adobe.com

Interview zum Urologie-Kongress

Wie wird KI die Urologie verändern, DGU-Präsidentin Krege?

Roboter schreibt mit einem Stift

© Shafay / Stock.adobe.com

Diagnostik, Dokumentation und Co

KI in der Medizin: Diese Limitationen sollten Ärzte im Blick haben