Direkt zum Inhaltsbereich

Mehr Kompetenzen, schärfere Qualitätskontrollen

LONDON (ast). In Großbritannien drohen neue Eingriffe in die ärztliche Selbstverwaltung. Das wird von den haus- und fachärztlichen Berufsverbänden mit Sorge beobachtet. Betroffen sind unter anderem rund 8500 Hausarztpraxen.

Veröffentlicht:

Hintergrund der geplanten Eingriffe in die ärztliche Selbstverwaltung sind die jüngsten Reformen des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS). Das Gesundheitsministerium hat kürzlich die Bestimmungen gelockert, welche Behandlungen in welcher Form zum Beispiel in den staatlichen Primärarztpraxen erlaubt sind.

Der Trend geht dahin, staatlichen Hausärzten größere Kompetenzen und mehr Diagnose- und Therapiemöglichkeiten zu ermöglichen. Stichworte sind mehr kleinere ambulante Operationen wie etwa das Entfernen von Warzen. Außerdem setzen die Briten auf ambulantes Disease-Management für Patienten mit chronischen Krankheiten wie beispielsweise Asthma oder Diabetes.

Hunderte von neuen Inspektoren sollen Versorgung überwachen.

Rund 8500 staatliche Hausarztpraxen haben ihre Zuständigkeitsbereiche in den vergangenen Jahren "deutlich ausgeweitet", so der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA) in London. Das bringe viele Vorteile, "sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte".

Freilich: Kehrseite der Medaille sind die kürzlich von der "Healthcare Commission" (HC) vorgeschlagenen Eingriffe in die ärztliche Selbstverwaltung. Da staatliche Hausärzte zusehends komplexe Diagnose- und Therapieverfahren anwendeten, sei es "an der Zeit, diese Ärzte strenger zu überprüfen und regulieren", so die HC.

Konkret schlägt die Kommission, die eine Art Aufpasserfunktion im staatlichen britischen Gesundheitsdienst ausübt, vor, hunderte neue "Gesundheits-Inspektoren" einzusetzen, die in die Praxen und Behandlungszentren gehen, um dort die Versorgungsqualität zu überprüfen. Außer Hausarztpraxen sollen auch ambulante Pflegedienste sowie alternative Therapeuten wie Akupunkteure und Physiotherapeuten in die staatliche Regulierung einbezogen werden. Außerdem schlägt die HC vor, Unterschiede bei der Überwachung staatlicher und privater medizinischer Versorgungsangebote abzuschaffen.

Die Grenzen zwischen privater und staatlicher fach- oder hausärztlicher Versorgung verwischten zusehends, so die Kommission. Deshalb sei es sinnvoll, bei beiden Sektoren mit der gleichen Messlatte zu messen.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hauptstadtkongress 2026

Zwei Gesundheitsministerinnen – ein gemeinsames Reformziel

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Beispiele zum Durchklicken

Auffälliges EKG: Was steckt hinter diesen 13 Fällen?

Früherkennung von Geschlechtskrankheiten

Kein Screen & Treat bei mukosalen STI!

Schädel-Hirn-Traumata

Was Kopfbälle für das Demenzrisiko bedeuten

Lesetipps
Ein Blick in die aktuelle Isolationsstudie SOLIS100, die in Zusammenarbeit mit der ESA durchgeführt wird. Sechs Personen sind für 100 Tage in einem Raum isoliert ohne Kontakt nach außen bis auf terminierte Mission-Controll-Telefonate und 30 Minuten Kontakt zu Freunden und Familie pro Woche über Telefon/Videoanruf.

© DLR

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer