Ärzte Zeitung, 11.11.2008

Hausärzte haben oft viel zu wenig Zeit für Gespräche mit Patienten

Europäische Vereinigung Praktischer Ärzte fordert europaweit eine deutliche Verringerung der Patientenzahl pro Arzt

BAD GASTEIN (spe). Hausärzte haben oft zu wenig Zeit, um Patienten für einen gesünderen Lebensstil zu sensibilisieren.

Diese Auffassung hat Reiner Brettenthaler, Vizepräsident der Europäischen Vereinigung der praktischen Ärzte (UEMO), in Bad Gastein vertreten. Praktische Ärzte spielen nach Meinung von Brettenthaler bei den Bemühungen, einen gesünderen Lebensstil in der Bevölkerung durchzusetzen, eine Schlüsselrolle.

"Leider gibt es diese Schlüsselrolle oft nur in der Theorie", bedauerte Brettenthaler. In der Praxis stünde häufig zu wenig Zeit zur Verfügung, um mit den Patienten eingehende Gespräche über die Risiken und Folgen ihres Lebensstils zu führen. Dieses Problem könne nur mit einer Verringerung der Patientenzahl pro Arzt und einer damit einhergehend adäquaten Abgeltung des Zeitaufwands für Patientengespräche gelöst werden, so der UEMO-Vize.

Darüber hinaus forderte Brettenthaler verstärkte Aus- und Weiterbildungsangebote für Ärzte zu den Themen Rauchen, Alkohol und falsche Ernährungsgewohnheiten.

Mit der Vorbeugung von Krankheiten müsse bereits bei jungen, gesunden Menschen begonnen werden. Dies forderte in Bad Gastein EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou.

Kernelement der neuen Strategie "Europa für Patienten" sei eine Anti-Raucher-Kampagne, die sich speziell an junge Menschen in den Ländern der EU richtet.

Die Kommission stellt für die auf zwei Jahre angelegte Kampagne 35 Millionen Euro zur Verfügung. Ferner fordert die Kommissarin Kooperation beim Kampf gegen ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung und Alkoholmissbrauch.

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