Ärzte Zeitung, 06.11.2009

Gesundheitsprämie kommt die Schweizer teuer

Kosten für die obligatorische Krankenversicherung steigen im nächsten Jahr um 8,7 Prozent

BERN (fst). Auf die Schweizer kommen im kommenden Jahr deutlich höhere Gesundheitskosten zu. Die Prämien für die obligatorische Krankenversicherung steigen 2010 im Durchschnitt um 8,7 Prozent.

Dabei schwanken die Steigerungsraten je nach Kanton zwischen 3,6 und 14,6 Prozent. Noch stärker steigen die Prämien für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, nämlich um im Schnitt zehn Prozent. Für junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren legen sie sogar um 13,7 Prozent zu.

Für Erwachsene steigt die Durchschnittsprämie von knapp 323 Franken (214 Euro) pro Monat auf 351 Franken (232 Euro). Für Kinder legt die Prämie von 76 auf 84 (55 Euro) und bei jungen Erwachsenen von 258 auf 293 Franken (194 Euro) zu. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Versicherer die Prämien für Kinder subventionieren. Im Schnitt wurde die Versicherungspolice für Kinder auf diese Weise um 75 Prozent verbilligt.

Das Finanzierungskonzept des Gesundheitswesens im Nachbarland ist in der Vergangenheit immer wieder als mögliches Vorbild für Deutschland genannt worden. Teile der Union und die FDP favorisieren ein Prämiensystem, das das Umlageverfahren der GKV ersetzen könnte.

In der Schweiz sind Krankenversicherungen privatwirtschaftliche Unternehmen. Allerdings sind Kassen gesetzlich verpflichtet, jeden Schweizer Bürger in die Grundversicherung aufzunehmen, wenn er den Wohnsitz im Tätigkeitsgebiet der Kasse hat. Die Kosten der seit 1996 obligatorischen Grundsicherung sind zwischen 1996 und 2003 um jährlich 6,5 Prozent gestiegen. In den vergangenen sechs Jahren hat die Steigerungsrate im Schnitt 3,9 Prozent betragen.

Weil kinderreiche Familien immer stärker belastet wurden, hat die Regierung mit Programmen zur sogenannten Prämienverbilligung reagiert, die aus Steuermitteln finanziert werden. Seit dem Start des Krankenversicherungsgesetzes ist die Zahl der Berechtigten für dieses Unterstützungsprogramm stetig von 23 Prozent (1996) auf heute 38 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen.

Der seit Anfang November amtierende neue Gesundheitsminister Didier Burkhalter steht vor einer Herkulesaufgabe: Das Schweizer Gesundheitswesen gilt mit der starken Stellung der 26 Kantone als schwer steuerbar, die Unzufriedenheit von Bürgern und Ärzten ist gewachsen. "Die Öffentlichkeit hat den Zustand der Dauerbaustelle Gesundheitswesen längst gründlich satt", kommentiert die "Neue Züricher Zeitung".

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Gesundheitsprämie nach Schweizer Art

[09.11.2009, 11:33:08]
Helmut Karsch 
Das Rad wird nie neu erfunden, sondern immer nur kopiert
Das ja die Protagonisten des freien Marktes primär bei der FDP sitzen, ist auch dem letzten klar wie das "mehr Brutton vom Netto" finanziert wird. Bei der Capitation von 100€ (Wasem)ensteht gegenüber dem derzeitigen Finanzvolumen eine ca. Unterdeckung von 85 Milliarden Euro. Wenn man dieses Volumen privat aufwenden muß ist doch klar, dass dieses nur gehr mit weniger "Netto vom Brutto"
Der durchschnittliche Beitrag liegt derzeit bei ca. 275€ im Monat. Bliebe bei 100€ eine Differenz von 175€. Die Wahrscheinlichkeit bei einer privaten Versicherung für 175€ einen vergleichbaren Versicherungschutz zu bekommen ist ehr klein, da das Risikopooling hier die Tarife bestimmt. Die Basisversorgung für 100€ deckt jedenfalls nur das 5 Bettzimmer im Krankenhaus ab. Genauso könnte man auch die beitragsfreie Mitversicherung bei Kindern über Steuern finanzieren. Dann würde, weil es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, von der Binnensolidarität der Beitragszahler auf eine Aussensolidarität der Steuerzahler gehen. Das Volumen der Beitragsentlastung liegt bei ca 30 Milliarden Euro.
Das Modell der FDP fördert nur eins die private Versicherungswirtschaft. Am Ende werden auch die Ärzte verlieren, da jeder auf Kostenvermeidungsstrategien setzen wird, da der Euro in eine Ausgabekonkurrenz zu jeder anderen Ausgabe steht. Das geht eben auch über den Preis. Denn in einer Gesellschft wo " Geiz geil ist" sind auch niedrige Einkommen geil. Diese gilt dann auch für Ärzte.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »