Ärzte Zeitung, 04.05.2010

"Machen Sie sich einen schönen Zahnurlaub"

Deutsche Patienten sind mobil. Sie reisen für Zahnbehandlungen nach Polen oder Tschechien oder lassen sich in der Türkei die Augen lasern. Ungarn gehört ebenfalls zu den Ländern, die verstärkt auf die Behandlung von Patienten aus dem Ausland setzen.Die Regierung hat 2011 zum "Jahr des Gesundheitstourismus" ausgerufen. Das Motto: "Gesundheit bewahren und Geld sparen".

Von Sabine Schiner

25 000 Gästebetten stehen in Ungarn für den Gesundheitstourismus zur Verfügung, heißt es beim Ungarischen Tourismusamt in Frankfurt/Main. Immer mehr klassische Therapiezentren bieten zusätzlich zu den Badekuren Sauna- und Erlebnisbadelandschaften an. Die Wellness-Angebote sollen in erster Linie Menschen anziehen, die sich für Prävention interessieren - und die dafür auch gerne viel Geld ausgeben.

"Machen Sie sich einen schönen Zahnurlaub"

Balneotherapie: Der Hévízer Heilsee ist der größte natürliche Thermalsee in Ungarn. Die Wasserfläche beträgt 4,4 Hektar, die Quelle entspringt in 38 Metern Tiefe. (2) © ine

Viele Deutsche zieht es zur Badekur nach Ungarn. Oft bekommen sie von den Krankenkassen einen Zuschuss. Ein Kurpaket mit ärztlicher Beratung und 20 Heilbehandlungen kostet in Ungarn etwa 270 Euro. In Deutschland zahlt man dafür um die 600 Euro. Allein im Heiligen-Andreas-Rheumakrankenhaus im Kurbad Hévíz nutzen bis zu 30 000 Patienten pro Jahr das Angebot einer ambulante Reha.

Zahnbehandlungen sind bis zu 70 Prozent günstiger

Die meisten leiden unter degenerativen und rheumatischen Erkrankungen des Bewegungsapparates oder unter Hauterkrankungen. Im Angebot der Klinik ist unter anderem eine Komplex-Physiotherapie mit Schlammanwendungen, Heilmassagen, Krankengymnastik und Bewegungstherapie.

Preislich interessant ist für Deutsche auch eine Behandlung beim Zahnarzt. Nach Angaben des Tourismusamtes haben sich im Jahr 2008 mehr als 180 000 deutschsprachige Touristen auf einen Behandlungsstuhl gesetzt. Die Zahnersatzkosten sind hier bis zu 70 Prozent geringer. Besonders günstig sind Implantate, Brücken und Kronen.

Deutsche haben Anspruch auf Kostenerstattung

Ein Besuch in Ungarn rechnet sich für deutsche Patienten sogar dann noch, wenn sie die Kosten für Hotel, An- und Abreise dazu addieren. Das liegt daran, dass die Löhne in Ungarn deutlich geringer sind als in Deutschland.

Die Krankenkassen spielen mit. Nach dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz vom Januar 2004 haben Versicherte Anspruch auf die Kostenerstattung von zahnmedizinischen Leistungen in allen EU-Staaten. Der Ablauf ist einfach: Gesetzlich Versicherte lassen sich von ihrem heimischen Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan erstellen. Diesen schicken sie an einen ungarischen Zahnarzt. Er sendet ihnen einen Gegenvorschlag zu, der in der Regel deutlich günstiger ist. "Den müssen sie nur noch ihrer Kasse vorlegen und sich grünes Licht geben lassen", heißt es auf der Website "zahnbehandlung-in-ungarn.eu": "Und dann machen Sie sich einige schöne Tage Zahn-Urlaub und sparen viel Geld!"

Um eine Krone oder eine Brücke anfertigen zu lassen, genügt ein Aufenthalt von einer Woche. Implantate dauern etwas länger: Während der drei Tage dauernden ersten Behandlung werden die Implantate vorbereitet und gesetzt. Nach einer Heilpause von mindestens drei Monaten werden bei einer zweiten Behandlung, die fünf Tage dauern kann, die Heilschrauben gesetzt und die Implantate überkront.

Nachbehandlungen sind das größte Problem

Die Ärzte arbeiten auf hohem Niveau. 3D-Computertomografie, digitale Röntgengeräte und Dental-Laser gehören zum Standard. Zahnkliniken wie "Galencsér Dental" in Hévíz, eine der drei größten Zahnarztkliniken Ungarns, wird Jahr für Jahr vom Bayerischen TÜV zertifiziert. Jedes Jahr werden dort etwa 2000 Patienten aus Deutschland behandelt, bei etwa 1000 werden Implantate gemacht.

Treten nach Abschluss der Behandlungen Komplikationen auf oder werden Nachbesserungen nötig, verweisen die ungarischen Ärzte an ihre Partner-Zahnärzte in Deutschland. "Das ist immer noch unser größtes Problem", sagt János Gelencér, Neffe des Firmengründers der Zahnklinik.

"Wir haben derzeit 19 Partnerzahnärzte in Städten wie Wiesbaden, Rosenheim oder Berlin", sagt Gelencér. Die Kontakte seien über Jahre aufgebaut worden und nicht flächendeckend. "Wir arbeiten daran", sagt er. Dazu gehört, dass interessierte Zahnärzte nach Hévíz eingeladen werden, damit sie sich die Klinik vor Ort anschauen können. Die Kosten - Hotelaufenthalt und Flug - übernehmen die ungarischen Kollegen.

www.ungarn-tourismus.de
www.zahnklinik-ungarn.de

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[04.05.2010, 14:00:23]
Helmut Karsch 
Freie Dienstleistungen und freier Warentransfer?
Es reicht nicht den schönen neuen Medizintourismus zu bewerben. Diese gern zur Schau gestellte glänzende Seite einer Medaille, hat aber auch eine andere dunkle Seite. Der Arbeitsplatzexodus nimmt weiter an Fahrt auf und die daraus entstehenden Kosten werden sozialisiert. Die Zahntechnik wird hier pespektivisch vom Markt verschwinden weil "Geiz geil" ist. Warum wickeln wir nicht noch das Ensendegesetz ab, dann können wir ja "Alles outsourcen" Wenn alle auf der Jagd nach "Schnäppchen" sind, wird es bald niemanden mehr geben der außer Banken und Versicherung und Vertriebsgesellschaften" Wertschöpfung betreibt, da ja woanders alles billiger ist. Dieser " Billiger Gedanke" schaft die Arbeitsplätze im Ausland und alle die nach billiger schreien, werden die sein die man wegrationalisiert. Dann ruft man nach dem Staat und nach "Stütze" nur die zahlt dann keiner mehr oder auf einem noch niedrigeren Niveau. Binnennachfrage ist ein wichtiges Element im Rahmen einer (Volks)wirtschaft. Nehmen wir das "Volk" weg, dann ist es beliebig wo produziert wird denn dann steht dort nur noch Wirtschaft.Das Ergebnis: Renten weg, Gesundheit weg, Arbeit weg etc. etc.  zum Beitrag »

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