Ärzte Zeitung, 13.07.2010

Britische Hausärzte sollen gestärkt werden

Regierung will lokale Gesundheitsbehörden auflösen und die Etatverwaltung auf die Primärärzte übertragen

LONDON (ast). Hausärzte in Großbritannien sollen zu den wichtigsten Entscheidern im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) aufgebaut werden. Das ist das Ziel einer radikalen Gesundheitsreform der neuen Koalitionsregierung. Die Reform ist beispiellos in der 62-jährigen NHS-Geschichte.

Wie Gesundheitsminister Andrew Lansley in London ankündigte, sollen rund 150 lokale Gesundheitsverwaltungen (Primary Care Trusts, PCT) abgeschafft werden. Diese Stellen verwalten derzeit umgerechnet rund 100 Milliarden Euro an Etatgeldern. Sie entscheiden außerdem mit, an welches Krankenhaus oder zu welchem Facharzt Primärarzt-Patienten überwiesen werden.

Der erst seit wenigen Wochen im Amt befindliche Gesundheitsminister erhofft sich von der Abschaffung der PCT Einsparungen bei den NHS-Verwaltungskosten in mehrstelliger Millionenhöhe. Tausende Verwaltungsstellen sollen dem Rotstift zum Opfer fallen.

Stattdessen sollen zukünftig die Hausärzte des National Health Service die bisher von den Primary Care Trusts verwalteten Milliardenbeträge anvertraut bekommen, um damit direkt bei den Krankenhäusern Operationen und fachärztliche Konsultationen einkaufen zu können.

"Hausärzte kennen ihre Patienten und deren Bedürfnisse am besten", so ein Sprecher des Londoner Gesundheitsministeriums auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Die Reformpläne sind in einem gesundheitspolitischen Weißbuch der seit wenigen Monaten amtierenden liberal-konservativen Regierung vom Premier Minister David Cameron enthalten. Andere Ideen sind die Wiedereinführung von Rund-um-die-Uhr-Notfalldiensten für staatliche Hausärzte sowie weitere drastische Kürzungen der Bürokratie im National Health Service.

Britische Ärzteverbände begrüßten die Reformen. "Die Tatsache, dass Hausärzte zukünftig direkt entscheiden können, wo und von wem ihre Patienten fachärztlich oder stationär behandelt werden, ist sehr positiv", so ein Sprecher des Ärztebundes (British Medical Association, BMA). Und: "Die Position der Hausärzte wird dadurch eindeutig und deutlich aufgewertet. Großbritanniens Gesundheitsdienst basiert auf dem Primärarztprinzip."

[14.07.2010, 08:49:14]
Helmut Karsch 
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Das die 5 D (Denial, Delution, Deterrence, Deflection, Delay) der Rationierung durch diese Entscheidung keine Änderung erfahren ist so sicher, wie das Primärarztsystem für sich genommen schon Rationiert wirkt. Dei Kontrolle einer solchen Budgethoheit setzt darauf das es keine Kopplungsgeschäftte gibt. Beim Pokern heißt das " Zum Sehen"  zum Beitrag »

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