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Ärzte Zeitung online, 02.01.2012

Emirate lassen Epidemien zwitschern

Krankheitsausbrüche online erkennen, bevor es Epidemien werden: Das wollen künftig die Vereinigten Arabischen Emirate erreichen. Helfen soll Twitter.

Emirate lassen Epidemien zwitschern

Flu Trends in den USA: Auch in den Emiraten soll der Dienst jetzt helfen.

© nös

ABU DHABI (nös). Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen künftig bei der Erkennung von Seuchen auf die Internet-Dienste Twitter und Google setzen.

Mit der "Syndromic Surveillance" sollen künftig Krankheitsausbrüche antizipiert werden können, teilte das Gesundheitsministerium Haad in Abu Dhabi mit.

"Es ist nur ein Frühwarnsystem, dass allerdings Risiken zeitig erkennen kann", sagte Dr. Nada al-Marzouqi, Präventionsexpertin im Ministerium.

Teil des System ist eine von dem US-Suchmaschinenbetreiber Google entwickelte Trendanalyse. Bereits während der Schweinegrippe, im Jahr 2009 brachte Google das System an die Öffentlichkeit.

Suchanfragen analysiert

Google analysiert dabei die Häufigkeit bestimmter krankheitsbezogener Stichworte, nach denen Besucher in der Suchmaschine gesucht haben. Zum Thema Grippe werden etwa die Stichwörter Fieber, Erkältung, Schnupfen oder Husten ausgewertet.

Anhand der Häufigkeit der Suchanfragen ermittelt der Algorithmus einen Trend, der die Wahrscheinlichkeit von Influenzaerkrankungen wiedergeben soll.

Zeitgleich wird neben der Suchanfrage die Region der Besucher erfasst. Damit lassen sich die Häufigkeiten sogar einzelnen Landkreisen und Städten zuordnen.

Dass die Trendanalyse funktioniert, hatte Google bereits vor drei Jahren gezeigt: Die eigenen errechneten Trends verglichen die Google-Forscher mit den Daten er US-Seuchenkontrollbehörde CDC.

Das Ergebnis: Beide Kurven stimmten überein. Besser noch: Die Google-Trends liegen quasi in Echtzeit, also kurz nach den ersten Krankheitssymptomen der "Surfer" vor. Die CDC-Daten liegen erst zwei Wochen später vor, da die Behörde die amtlichen Laborfälle auswertet.

Amtliches Meldesystem

Die Emirate wollen sich diesen Effekt nun zunutze machen, indem sie den Algorithmus in ihr Früherkennungssystem für Krankheiten und Seuchen integrieren.

"Gut vorbereitet zu sein, hilft nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch beim Umgang mit dem Ausbruch, so es denn einen gibt", sagte al-Marzouqi.

Ein weiterer Bestandteil des Systems soll ein Analysetool des Internet-Kurznachrichtendienstes Twitter sein. Dort können Teilnehmer Kurzbotschaften von 140 Zeichen Länge veröffentlichen.

Über eine Trendanalyse lassen sich auch diese Nachrichten auf Stichworthäufigkeiten untersuchen. Der Vorteil: Botschaften über Twitter werden noch schneller publiziert, da immer mehr Nutzer sie direkt von ihrem Mobiltelefon absenden.

Allerdings verlassen sich die Emirate bei ihrer Seuchenfrüherkennung nicht vollständig auf das Web 2.0. Wie al-Marzouqi unterstrich,ist die Online-Komponente lediglich ein Frühwarnsystem.

Als weiteren Bestandteil hat das Ministerium eine Online-Datenbank aufgebaut, in die Ärzte neu diagnostizierte Fäller übertragbarer Krankheiten melden sollen.

Ein ähnliches System benutzt das in Deutschland federführende Robert Koch-Institut seit zehn Jahren: SurvStat.

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