Ärzte Zeitung online, 29.01.2012

Welt-Lepra-Tag: Die Krankheit wütet weiter

In Europa ist Lepra längst ausgerottet. Doch in vielen Teilen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas zerstört die heimtückische Krankheit weiter das Leben von Menschen. Daran erinnert der Welt-Lepra-Tag am 29. Januar.

Welt-Lepra-Tag: Die Krankheit wütet weiter

Die "Krankheit der Armen" wütet weiter: Lepra-kranker Inder mit typischen Verstümmelungen.

© dpa

NEU-DELHI (dpa). Wer in Neu-Delhi und anderen Metropolen Indiens unterwegs ist, begegnet ihnen an vielen großen Kreuzungen: Hilflos und fordernd zugleich klopfen sie an die Scheiben wartender Autos und betteln um ein paar Rupien.

Manchen der in Lumpen gehüllten Menschen fehlen Finger, anderen Hände oder Füße. Einige haben so entstellte Gesichter, dass man nicht hinsehen möchte. Sie sind auf Almosen angewiesen, denn Lepra hat ihr früheres Leben zerstört.

Jährlich mehr als 240.000 Neuinfektionen weltweit

Noch immer infizieren sich in Indien jährlich mehr als 120.000 Menschen mit der heimtückischen Krankheit. Weltweit sind es doppelt so viele.

Glaubt man Untersuchungen von Weltgesundheitsorganisation und Regierungen, sind die Neuerkrankungen in den letzten Jahren aber zurückgegangen.

Auch das staatliche indische Programm zur Bekämpfung von Lepra (NLEP) meldet Erfolge. Doch Helfer mahnen zu Zurückhaltung.

Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe warnt vor Verharmlosung

"Auch in Indien vermitteln offizielle Daten den Eindruck, dass das Problem kleiner geworden ist", sagt Rajbir Singh von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), die sich seit mehr als 50 Jahren im Land engagiert. "Doch nach unseren Erhebungen gibt es Regionen, in denen die Zahl der Neuinfektionen weiterhin hoch ist."

Dazu zählten wirtschaftlich rückständige Bundesstaaten wie Bihar und Chhattisgarh im Osten sowie das Territorium Dadra und Nagar Haveli im Westen.

Krankheit behandelbar, aber es fehlen Erkenntnisse zu Infektionswegen

Schon seit den 80er Jahren kann Lepra mit einem Mix aus drei Antibiotika, die mehrere Monate lang eingenommen werden müssen, behandelt und besiegt werden. "Damals hatten wir gehofft, Lepra in den Griff zu bekommen", sagt DAHW-Geschäftsführer Burkhard Kömm. "Doch dem ist leider nicht so, denn uns fehlen weiterhin wichtige Kenntnisse zu den Übertragungswegen."

Daher müsse in diesem Bereich zusätzlich in Forschung investiert werden. "Denn mit den vorhandenen Mitteln können wir Lepra nur auf dem jetzigen Stand halten", so Kömm.

Lepra ist "Krankheit der Armen"

Lepra wird von Mensch zu Mensch übertragen. Beengte und unhygienische Lebensumstände wie in den Elendsvierteln von Indien erhöhen das Risiko, sich anzustecken und zu erkranken. Auch ein durch schlechte Ernährung und verschmutztes Trinkwasser geschwächtes Immunsystem wirkt sich negativ aus. Viele Experten bezeichnen Lepra daher auch als eine "Krankheit der Armen".

"Die Lebensverhältnisse der Betroffenen erschweren Diagnose und Therapie", weiß Rajbir Singh. Viele seien so sehr mit dem Kampf ums tägliche Überleben beschäftigt, dass sie erste Anzeichen von Lepra wie Hautverfärbungen nicht bemerkten.

Erst wenn das Gefühl in Händen und Füßen bereits verloren gegangen sei und sich damit die Gefahr ernsthafter Verletzungen erhöht habe, suchten sie Hilfe.

Fokus liegt auf Früherkennung

Doch dann sei es zu spät, denn auch bei einer erfolgreichen Behandlung mit Antibiotika bleibe das Nervensystem dauerhaft geschädigt und der Betroffene sein Leben lang behindert, sagt der Arzt. "Früherkennung ist eine Notwendigkeit, weshalb Informationskampagnen ein Schwerpunkt unserer landesweiten Arbeit sind."

Hinzu kämen DAHW-Programme zur medizinischen Behandlung von Menschen mit Lepra-Behinderungen und deren berufliche Wiedereingliederung. Rund 30.000 Indern sei so 2011 geholfen worden.

Nach Auskunft von Singh sind es jedoch vor allem die sichtbaren Deformierungen, die ehemaligen Patienten den Neustart ins Leben erschwerten. Sie führten zu einer Stigmatisierung und Ausgrenzung der Betroffenen, da viele Menschen in Indien noch immer Angst vor Lepra hätten, sagt Singh.

"Zwar wird heute nicht mehr mit Steinen auf Kranke geworfen. Doch trotz der Anstrengungen bei der Aufklärung sind wir von einem unbefangenen Umgang mit Lepra noch weit entfernt."

DAHW zum Welt-Lepra-Tag

Infos der WHO zu Lepra (englisch)

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