Ärzte Zeitung online, 19.03.2012

Viele Griechen erschlichen sich Hilfe für Behinderte

Leistungen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages haben sich 240.000 Griechen erflunkert. Sie gaben sich als Behinderte aus. Nun will die Regierung auch denjenigen an den Kragen, die falsche Bescheinigungen ausgestellt haben.

ATHEN (dpa). Zehntausende Griechen haben sich nach Regierungsangaben jahrelang als behindert ausgegeben und sich so Zuschüsse vom Staat erschlichen.

Wie das Gesundheitsministerium am Montag in Athen mitteilte, hat die Unterstützung nur 50.000 von 240.000 Behindertenhilfe-Empfängern tatsächlich zugestanden. Das habe eine umfangreiche Kontrolle ergeben.

Besonders viele Betrugsfälle habe es auf der Insel Zakynthos gegeben, sagte der zuständige Staatssekretär Markos Bolaris im Rundfunk. Auf der Insel leben etwa 38.000 Menschen.

700 von ihnen waren angeblich blind - fast zehnmal so viele wie normal, sagen Augenärzte. Nur 100 Betroffene erschienen allerdings, als sie sich für die Kontrollen melden sollten, sagte der zuständige Staatssekretär Markos Bolaris im Rundfunk. Tatsächlich blind waren 60 von ihnen.

Inzwischen befasst sich die Staatsanwaltschaft mit dem Thema. Das Gesundheitsministerium forderte eine strafrechtliche Verfolgung der Betrüger und derer, die gefälschte Bescheinigungen ausgestellt haben.

Den finanziellen Schaden schätzt das Ministerium auf einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich. Die Kontrollen dauern noch an.

Sozialbetrug in Griechenland mehrfach in den Schlagzeilen

Sozialbetrug sorgte im schuldengeplagten Griechenland schon mehrfach für Schlagzeilen. Zu Jahresbeginn stoppte Athen die Auszahlung von insgesamt 63.500 Renten.

Das Geld war an nicht existierende oder nicht mehr lebende Personen gegangen oder wurde nach falschen Angaben berechnet, wie aus einem Bericht des Arbeitsministeriums hervorging. Mit dem Zahlungsstopp würde der Staat und seine Rentenkassen knapp 450 Millionen Euro jährlich sparen.

Ähnliche Fälle waren schon 2011 öffentlich geworden: Der Pensionsfonds IKA stoppte die Zahlungen für 1473 Pensionäre, die in Wirklichkeit nicht mehr lebten.

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