Ärzte Zeitung, 16.10.2012

Kommentar zur Finanzkrise

Warum Griechen Hilfe brauchen

Von Helmut Laschet

Die Wahrheit ist bitter: Der griechische Staat steht heute dort, wo die ehemaligen Ostblockländer vor 20 Jahren standen - am Rande des Abgrunds. Das gilt auch für das Sozial- und Gesundheitssystem.

Die Versicherung ist im Krankheitsfall nichts wert, wer Medizin braucht, muss Ärzte, Arzneien und Krankenhausleistungen zu großen Teilen aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen - bei sinkenden Einkommen.

Weil sowohl Sozialtransfers als auch eine Inanspruchnahme der Sozialversicherungssysteme der Nachbarländer durch den Gesundheitstourismus ausgeschlossen sind, bleibt nur ein mühsamer Weg: Strukturinvestitionen, vor allem ein Know-how-Transfer zum Aufbau eines effizienten, der eigenen Wirtschaftsleistung angemessenen Gesundheitssystems.

Griechenland muss dabei denselben Prozess durchlaufen, wie Polen, Tschechien oder die baltischen Länder. Deutschland kann und muss dabei Strukturhilfe leisten.

Die Würdigung der europäischen Leistung mit dem Friedensnobelpreis sollte eine Verpflichtung sein: Denn zur europäischen Kulturgeschichte gehört die Entwicklung zum Sozialstaat, in dem es auch eine Frage der Gerechtigkeit ist, ob die Bürger Zugang zur Medizin haben.

Lesen Sie dazu auch:
Finanzkrise in Griechenland: Arzneien nur gegen Bares
Finanzkrise in Portugal: Gesundheit auf Rationierungskurs

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