Ärzte Zeitung, 03.04.2013

Fachkräfte aus dem Ausland

Ärzte werden meist anerkannt

Allen Unkenrufen zum Trotz: Für die Bildungsministerin funktioniert das Anerkennungsgesetz. Sie sieht darin ein geeignetes Instrument gegen den Mangel an Ärzten und Pflegenden. Die Arbeitgeber sehen das etwas anders.

Von Sunna Gieseke

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Eine sudanesische Ärztin und ihr Tutor pauken Deutsch. Ist der ausländische Berufsabschluss einem in Deutschland erworbenen gleichwertig und sitzen die Vokabeln, steht der Arbeit in Deutschland nichts mehr im Wege.

© Leppin / dpa

BERLIN. Allein in Kliniken fehlen Schätzungen zufolge derzeit bis zu 6000 Ärzte und 3000 Pflegekräfte. Fachpersonal wird daher händeringend gesucht. Das Anerkennungsgesetz, das zum 1. April 2012 in Kraft getreten ist, soll helfen, den Mangel zu lindern.

Zwar hat die Bundesrepublik auch zuvor schon ausländische Berufsabschlüsse anerkannt. Das Gesetz hat aber erstmalig einen Rechtsanspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit eines ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzberuf geschaffen.

"Wir setzen bei den Fähigkeiten und Potenzialen von Migranten an", sagte Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch in Berlin.

Etwa drei Millionen Zuwanderer mit Berufsabschluss leben in Deutschland. Etwa 300.000 von ihnen könnten vom Anerkennungsgesetz profitieren. Die Chance wird tatsächlich wahrgenommen. "Schätzungen zufolge wurden bislang rund 30.000 Anträge auf Anerkennung gestellt", betonte Wanka.

Einen Großteil der Anträge (mehr als 20.000) stellten dem Bildungsministerium zufolge Menschen aus Gesundheitsberufen wie Physiotherapeuten, Ärzte, Apotheker oder Hebammen. Von April 2012 bis Ende Februar 2013 wurden allein von Ärzten und Krankenpflegern fast 12.000 Anträge gestellt.

8635 Ärzte mit einem ausländischen Berufsabschluss versuchten in diesem Zeitraum, ihre Zeugnisse anerkennen zu lassen. Davon hatten 4974 Ärzte Qualifikationen aus Ländern außerhalb der EU.

Nachfrage wird weiter steigen

Bei den Pflegekräften sind laut Bildungsministerium 3123 Anträge eingereicht worden. "Erfreulich ist, dass ein Großteil der erteilten Bescheide eine volle oder teilweise Gleichwertigkeit des ausländischen Abschlusses mit dem deutschen Referenzberuf bescheinigt", so Wanka.

Insgesamt seien lediglich vier Prozent der Anträge abgelehnt worden. Zum Vergleich: Bei Ärzten waren es sogar nur 0,4 Prozent (zwölf Anträge). Bei Pflegekräften sind 48 Anträge (5,8 Prozent) abgelehnt worden.

Ärzte und andere Gesundheitsfachberufe erhielten die deutsche Berufszulassung zum Beispiel nur dann, wenn sie über die erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügten, heißt es laut Bildungsministerium.

Peter Clever, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), warnte davor, jetzt die Hände in den Schoß zu legen. Es seien noch einige Baustellen offen.

Besonders in den Gesundheitsberufen sei der Fachkräftemangel gravierend. Deshalb sei es wichtig, für diese Gruppe von Antragsstellern eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen. Allein in Bayern gebe es jedoch neun verschiedene Antragsstellen für die Bewerber.

Das Anerkennungsgesetz helfe nicht nur den Bewerbern, sondern vor allem den Unternehmen - somit auch Kliniken -, die dringend auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen seien, sagte Clever.

Angesichts der demografischen Entwicklung werde der Bedarf an Fachkräften künftig sogar noch steigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kein Persilschein

[04.04.2013, 10:09:06]
Dr. Birgit Bauer 
Was sollte das Ministerium auch anderes sagen-
aber was sagen die Pat. dazu?
Meine beklagen zunehmend,nach KH-Aufenthalten, dass sie sich den dort tätigen Ärzten nicht mehr verständlich machen könnten, oder sie erst gar nicht verstehen. Was nutzt ein Patientenrechtegesetz, wenn die primitivsten Grundlagen einer Behandlung, die Kommunikation zwischen Patient und Arzt nicht mehr gewährleistet ist?
Ganz davon abgesehen, dass wir so auf Kosten der Herkunftsländer leben.
Welch kuzsichtiger politischer Ansatz!
M.f.G. Dr.B.Bauer zum Beitrag »

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