Ärzte Zeitung online, 09.08.2013

Kommentar zum Weltärztinnenkongress

Einfach amateurhaft

Beim Weltärztinnenkongress kämpften zwei deutsche Kandidatinnen um den bald neu zu vergebenden Präsidentinnenposten.Eine von beiden trat für Georgien an und gewann.

Von Christiane Badenberg

Man stelle sich vor, es gäbe einen Weltverband der Sozialdemokraten, und der sucht einen neuen Präsidenten. Interesse an dem Posten haben Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier.

Die SPD nominiert Gabriel, und weil Steinmeier das nicht passt, klopft er bei den Turkmenen an. Die freuen sich, nominieren den Deutschen als ihren Kandidaten und der gewinnt die Wahl. Die Parteimitglieder zu Hause wären befremdet bis fassungslos.

Was nach einem hanebüchenen Szenario klingt, hat der Deutsche Ärztinnenbund tatsächlich fertiggebracht. Auf dem Kongress des Weltärztinnenbundes in Seoul wurde jetzt die Münsteraner Professorin Bettina Pfleiderer zur designierten Präsidentin der Organisation gewählt. Sie trat für Georgien an.

Unterlegen ist ihr die offizielle Kandidatin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Astrid Bühren. Auch Pfleiderer ist Mitglied im DÄB und dort Vorsitzende der Regionalgruppe Münster. Wie so etwas passieren konnte, vermag bislang niemand zu erklären. Die Beteiligten dieses Fiaskos sind auf der Rückreise aus Seoul oder im Urlaub.

Besonders schlimm ist, dass so etwas beim Ärztinnenbund nicht zum ersten Mal passiert. Bei der Vorstandswahl zur Bundesärztekammer im Mai 2011 gab es sechs Kandidaten für zwei Beisitzerposten.

Unter ihnen drei Frauen: die amtierende Präsidentin des Ärztinnenbundes Dr. Regine Rapp-Engels, ihre Amtsvorgängerin Dr. Astrid Bühren sowie die Vize-Vorsitzende des Berufsverbandes der HNO-Ärzte Dr. Ellen Lundershausen. Gewählt wurde Lundershausen. Eine schallende Ohrfeige für den DÄB.

Der Ärztinnenbund hat mit seinem Wissenschaftspreis, seinem Mentoringprogramm und seinem unermüdlichen Werben darum, Frauen für die Berufspolitik zu begeistern, in den vergangenen Jahren viel bewirkt.

Aber mit solchen desaströsen Aktionen in aller Öffentlichkeit, die massiv auf fehlenden Zusammenhalt schließen lassen, macht der DÄB manches zunichte, was er jahrelang aufgebaut hat. Denn wer glaubt schon an eine professionelle Interessenvertretung, wenn sich die Führungskräfte noch nicht einmal in wichtigen Personalfragen einig sind.

Lesen Sie dazu auch:
Weltärztinnenbund: Deutsche Professorin wird Präsidentin

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