Ärzte Zeitung online, 31.10.2013

Weltweit

7,3 Millionen Teenager werden jährlich Mütter

Teenager-Mütter sind in Deutschland selten, in Entwicklungsländern hingegen nicht. Die Stiftung Weltbevölkerung macht in ihrem neuen Bericht auf das Schicksal der minderjährigen Mütter aufmerksam.

Von Florian Staeck

BERLIN. Je ärmer und weniger gebildet Mädchen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie schon als Teenager schwanger werden.

7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahre bekommen weltweit jährlich ein Kind. Darunter sind zwei Millionen, die sogar unter 15 Jahre sind.

Darauf macht der am Mittwoch veröffentlichte UNFPA-Weltbevölkerungsbericht aufmerksam. UNFPA ist der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. Partnerin der UN-Organisation in Deutschland ist die Stiftung Weltbevölkerung.

Rund die Hälfte aller heranwachsenden Mädchen lebe in nur sechs Ländern, heißt es in dem Bericht: China, Indien, Indonesien, Nigeria, Pakistan und in den USA.

Weitere Kennzahlen: 19 Prozent der Mädchen in Entwicklungsländern werden schwanger, bevor sie 18 Jahre alt sind. 70.000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren sterben jährlich durch Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.

Zahl der Teenager-Mütter in Deutschland rückläufig

In den sogenannten entwickelten Ländern gibt es jährlich 680.000 Geburten in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen. Fast die Hälfte davon - rund 330.000 - entfallen dabei auf die USA.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt 673.544 Lebendgeburten registriert.

4126 Kinder wurden von Müttern unter 18 Jahren geboren, geht aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervor. Das entspricht einem Anteil von 0,61 Prozent.

Die Zahl der Teenager-Mütter ist zuletzt deutlich gesunken. Im Jahr 2007 wurden hierzulande noch 5812 Kinder von Minderjährigen geboren (0,85 Prozent).

Die Unterschiede zwischen den Weltregionen sind gewaltig: Im weltweiten Durchschnitt entfallen 49 von 1000 Geburten auf Mütter zwischen 15 bis 19 Jahren. In Afrika südlich der Sahara sind es dagegen 117.

Bildung als zentrale Ressource

Kaum ein Mädchen unter 18 Jahre entscheide sich bewusst für eine Schwangerschaft. In Entwicklungsländern, heißt es im Weltbevölkerungsbericht, seien frühe Schwangerschaften "Ausdruck von Machtlosigkeit, Armut und äußeren Zwängen", die in vielen Fällen mit sexualisierter Gewalt einhergingen.

Als einen Schlüssel, den Kreislauf zu durchbrechen, sehen die Autoren des Berichts Bildung an: "Je länger Mädchen zur Schule gehen, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie schwanger werden", heißt es.

Unterstützungsprogramme dürfen keinen zu engen Fokus haben, warnt die Stiftung. So sollten Mädchen nicht nur Zugang zu Informationen haben oder in ihrer reproduktiven Gesundheit unterstützt werden.

Sie müssen auch "von den wirtschaftlichen und sozialen Zwängen befreit werden, die allzu häufig in frühen Schwangerschaften resultieren", heißt es im Bericht.

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