Ärzte Zeitung, 13.10.2014

Ebola

Schockierende Pannen in Spanien

Im Fall der mit Ebola infizierten spanischen Krankenpflegerin ist nahezu alles schief gelaufen, obwohl sie mehrfach auf ihren Kontakt zu dem infizierten Priester hingewiesen hat.

Von Manuel Meyer

Schockierende Pannen in Spanien

Nach den Pannen sind Spaniens Gesundheitspolitiker unter Druck: Vor allem Ministerin Ana Mato (2.v.r.).

© Campos / dpa

MADRID. Die 44-jährige Krankenpflegerin, Teresa Romero, die Ende September den mit Ebola infizierten spanischen Missionar Manuel Garcia Viejo betreut hatte, schwebt in Lebensgefahr. Ihr Gesundheitszustand ist kritisch.

Bisher schlugen verschiedene experimentelle Arzneimittel nicht an. Romero betrat nur zwei Mal das Zimmer der Quarantäne-Station, in dem der aus Sierra Leone ausgeflogene Missionar untergebracht war, der am 25. September dem Virus erlag.

Auf welche Weise sich die erfahrene Krankenpflegerin mit dem Virus infiziert hat, ist noch unklar. Sehr wahrscheinlich berührte sie beim Ablegen ihrer Schutzkleidung aus Versehen mit einem infizierten Arbeitshandschuh ihr Gesicht.

Gesundheitsministerin Ana Mato betonte damals, dass das Risiko einer Übertragung minimal sei und in der Quarantäne-Station strengste Sicherheitsvorkehrungen galten.

Ohne jegliche Schutzvorkehrungen abgeholt

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Elvira González von der spanischen Krankenpfleger-Gewerkschaft SAE beklagte jedoch bereits vor der bekannt gewordenen Infektion von Romero, dass die Schutzanzüge nicht den höchsten Ansprüchen genügten und Reinigungskräfte nur in Schnellkursen in die Quarantäne-Vorkehrungen eingewiesen worden seien.

Tatsache ist: Auch sämtliche Sicherheitsprotokolle haben versagt. Zunächst bemerkte Teresa Romero nichts. Sie machte nach der Pflege des verstorbenen Ebola-Patienten ein paar Tage Urlaub. Am 30. September fühlte sie sich plötzlich schwach, hatte leichtes Fieber.

Sie ging zum Arzt, wies sogar auf ihren Kontakt zum Ebola-Patienten hin. Da das Fieber jedoch unter 38,6 Grad lag, maßen verschiedene Ärzte der Erkrankung keine weitere Bedeutung bei.

Erst sechs Tage später, ihr Gesundheitszustand hatte sich mittlerweile verschlechtert, wurde sie am 6. September ins Krankenhaus der Madrider Vorstadt Alcorcón eingeliefert.

Sie selber rief den Krankenwagen mit Hinweis auf ihren vorherigen Kontakt zu einem Ebola-Patienten. Dennoch wurde sie ohne jegliche Schutzvorkehrungen abgeholt. Mehr noch: Vor der Säuberung des Krankenwagens wurden nach Teresa Romero noch sieben weitere Patienten mit dem Wagen transportiert.

Erst in der Notaufnahme wurde das Virus-Sicherheitsprotokoll gestartet. Doch weder das Krankenhaus, noch das Personal waren auf solch einen Fall vorbereitet, erklärt Allgemeinmediziner Juan Manuel Parra.

16 Stunden kümmerte er sich in der Notaufnahme um Teresa, die mittlerweile unter starkem Durchfall und Hustenanfällen litt. Erst in der Nacht auf Dienstag wurde sie dann mit einer Polizeieskorte in die Klinik Carlos III. gebracht, wo sie auf die Quarantäne-Station kam.

Auch Friseurin in Quarantäne

Auch Juan Manuel Parra, verschiedene Ärzte und Krankenpfleger, Romeros Ehemann, ihre Friseurin, ihr Hausmeister sowie weitere Personen, wurden den vergangenen Tagenunter Quarantäne genommen, um eine weitere Verbreitung des Ebola-Virus zu verhindern.

Insgesamt 15 Personen befinden sich unter Beobachtung, obwohl sie bisher keine Symptome zeigten. Ein hoher Beamter des Gesundheitsministeriums räumte bereits ein, dass die Frau früher hätte isoliert werden müssen.

Romeros Wohnung und das gesamte Gebäude wurde gereinigt, ihr Hund eingeschläfert. Dennoch herrscht Besorgnis - bei Nachbarn, Patienten und der Ärzteschaft.

Die Behörden weisen darauf hin, dass die Gefahr einer Infektion gering sei, weil das Virus sich nicht durch die Luft, sondern nur über direkten Körperkontakt oder über Körperflüssigkeiten übertrage.

Aus Angst vor Ansteckung sind viele Patienten dennoch nicht zu ihren Untersuchungen im Carlos III. und im Hospital de Alcorcón erschienen.

Experten des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten und Seuchen (ECDC) erklärten nach einer Untersuchung der Quarantänestation der Carlos III.-Klinik, sie entspreche nicht den Sicherheitsstandardsoffensichtlich.

"Viele meiner Kollegen weigern sich, unter diesen Umständen und immer noch geringen Sicherheitsstandards Patienten zu betreuen, die mit dem Ebola-Virus infiziert sind oder es sein könnten", erklärte Juan José Cano von der Krankenpflegergewerkschaft SATSE am Carlos III. Hospital.Unterdessen fordern Oppositionspolitiker und Gewerkschaftssprecher den Rücktritt von Gesundheitsministerin Ana Mato.

Inzwischen hat Ministerpräsident Mariano Rajoy reagiert und seine Stellvertreterin Soraya Sáenz de Santamariá mit der Koordination des Ebola-Management beaufgtragt. Dazu gehört auch die Beschaffung geeigneter Schutzanzüge.

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