Ärzte Zeitung online, 20.10.2014

World Health Summit

Kampfansage an Ebola

Die Weltgemeinschaft forciert ihre koordinierte Hilfe für die Ebola-betroffenen Länder in Westafrika. Auf dem World Health Summit schworen sich Gesundheitexperten auf den Kampf gegen die Epidemie ein. Deutsche Helfer werden seit Montag für ihren Ebola-Einsatz ausgebildet.

Von Rebecca Beerheide

Kampfansage an Ebola

Walter Lindner, Beauftragter der Bundesregierung für den Kampf gegen Ebola, fordert mehr EU-Koordination.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

BERLIN. Die internationale Gemeinschaft forciert den Kampf gegen Ebola. Vor dem Treffen der EU-Außenminister schlug Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Bekämpfung von Seuchen wie Ebola den Aufbau einer internationalen "Weißhelm-Truppe" vor.

Bislang gebe es die als Blauhelme bezeichneten UN-Friedenstruppen, aber nichts Ähnliches als Antwort auf den Ausbruch von Epidemien, sagte er am Montag in Luxemburg.

Nach den Vorstellungen von Steinmeier könnte ein Pool aus Experten, Medizinern und Pflegepersonal gebildet werden, die in Krisenfällen zügig zum Einsatz bereit wären.

Mehr Fachpersonal vor Ort fordert auch der neue Koordinator der Bundesregierung für die Ebola-Hilfe, der langjährige Diplomat Walter Lindner. "

Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die vor Ort helfen", sagte Lindner auf dem World Health Summit (WHS) in Berlin. Bis Mittwoch beraten internationale Experten dort über die aktuellen weltweiten Gesundheitsprobleme.

Lindner, der kürzlich aus der Krisenregion zurückkehrte, forderte, dass die internationalen Flugverbindungen in die Länder erhalten bleiben. "Wir müssen Ebola isolieren, nicht die Länder. Die Menschen dort dürfen keine klaustrophobischen Gefühle entwickeln."

Er kündigte an, dass in den nächsten Wochen Deutschland vor allem in Monrovia mit Helfern und je einer mobilen Krankenstation der Bundeswehr und des Deutschen Roten Kreuzes präsent sein werde.

Dafür werden seit Montag Helfer im Bundeswehrzentrum in Appen bei Hamburg ausgebildet. Möglicherweise könnten dort sowie in Würzburg Mitarbeiter aus anderen europäischen Ländern ausgebildet werden.

Fehleinschätzung eingeräumt

Lindner verlangte dafür eine europäische Aktion und mehr Koordination. "Was wir nicht gebrauchen können ist, dass praktisch jetzt Wildwuchs besteht und jeder macht, was er will", sagte Lindner. Dies gelte vor allem für den Rücktransport von infizierten Helfern. Derzeit arbeite die Bundesregierung daran, den Rücktransport für leichte wie schwere Fälle sicherzustellen.

Dass die westliche Welt zu spät auf die Epidemie reagiert habe, bestätigte auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bei seiner WHS-Auftaktrede am Sonntag.

"Viele gingen davon aus, dass auch dieser Ausbruch wie die vorherigen 21 Ausbrüche regional sehr begrenzt sein würde und nach kürzester Zeit abebben würde. Das war eine Fehleinschätzung."

Auch Diplomat Lindner sieht dies ähnlich. "Ja, es war zu spät. Aber wir Deutsche waren eine der ersten vor Ort. Mein Job ist es jetzt, in die Zukunft zu schauen."

Deutliche Worte fand Florian Westphal, Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen" in Deutschland, beim WHS: "Es gibt bei uns eine tiefe Frustration, dass die internationale Gemeinschaft versagt hat. Es ist traurig, dass keiner unsere kontinuierlichen Warnungen angehört hat."

Die Organisation ist mit rund 3000 internationalen Helfern vor Ort. Nach seiner Aussage werden vor Ort nun Hilfe bei der Verteilung von Material und weitere Transportmöglichkeiten benötigt, um Patienten aus entlegenen Gebieten zu den Behandlungszentren zu transportieren.

Vor Panikmache gewarnt

Roberto Bertollini, WHO-Repräsentant bei der EU, warnte vor Panikmache in Hinblick auf die Diskussion, ob Flüchtlinge die Krankheit einschleppen könnten. "Ebola reist heute in der Business Class, nicht per Boot."

Auch die Botschafterin Liberias, Ethel Davis, warnte davor, die Krankheit nicht zu beachten, weil sie aus europäischer Sicht zu weit entfernt sei: "Ebola ist nur eine Busreise oder eine Flugreise entfernt." Viele afrikanische Nachbarstaaten treffen derzeit Vorkehrungen gegen einen Ausbruch im eigenen Land.

"Um Panik zu verhindern erarbeiten wir Notfallpläne, bilden Ärzte und Pfleger aus und überprüfen Flugreisende mit Fieberthermometer", erklärte Patrick Ndimubanzi, Gesundheitsminister von Ruanda auf dem World Health Summit in Berlin.

Unterdessen ist nach Einschätzung der WHO der Ebola-Ausbruch in Nigeria vorbei. Auch der spanischen Krankenschwester in Madrid gehe es wieder besser, hieß es.

[21.10.2014, 14:40:52]
Dr. Horst Grünwoldt 
Weltgesundheits-Gipfel
In Berlin treffen sich zur Zeit zum sog. "world health summit" -aus Anlaß der westafrikanischen Ebola-Epidemie- die Mikrobiologen, Virologen und Hygieniker aus allen Kontinenten der Erde.
Am zu mehr als Dreiviertel (75 %) von Europäern besuchten "Weltgipfel" Kongreß ragen als Eisberg-Spitze aber nur 4 Prozent Afrikaner als Teilnehmer heraus. Selbst die USA sind mit lediglich jedem vierzehnten Besucher (7%) als Seuchenexperten vertreten. Damit dürften die aktuell am stärksten betroffenen Kontinente (Afrika und Nordamerika) mit der schwächsten Teilnehmerzahl vertreten sein!
Läßt man die Europäer auf dieser globalen Veranstaltung so dominieren, weil sie am "Seuchenherd" am nächsten, mit den wenigsten Flugstunden dran sind? Oder sind dort die wahren "Seuchenbekämpfer" zu finden?

Dem Beauftragten der deutschen Bundesregierung Lindner, der selbst jahrelang volksverbundener Botschafter in Afrika war, hätte ich nach seinem Grußwort -ebenso wie auch unserem Bundesaußenminister Steinmeier-als Hygienefachmann geraten:
Infektionsherde werden -wie Brände- am Ort der Entstehung isoliert und gelöscht.
Will man weitere "Ausbrüche" eindämmen, dann müssen seuchenhygienische Maßnahmen vordringlich in dessen Nähe und Umgebung stattfinden.
Entsprechend werden im Reiseverkehr notfalls gesundheitliche Kontrollen schon am Abgangsflughafen durchgeführt, und nicht erst im medizinisch hochgerüsteten Deutschland. Der Import von schon Erkrankten wird beschränkt auf Bürger, die in Europa oder Amerika zu Hause sind.
Den authochtonen Afrikanern wird -ohne jeden ideologischen Rassismus- natürlich kein Seuchenweg nach Europa bereitet, sondern bestmögliche sanitäre und medizinische Soforthilfe am Ort des Geschehens aus Mitteln der UNO und ihrer Mitgliedsstaaten angeboten. Und die sollte gemäß der Statuten in den exekutiven Händen der rasch zu gründenden WHO- "Weißhelm"- Truppe liegen, und nicht im autonomen US- Militäreinsatz!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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