Ärzte Zeitung, 05.11.2014

Real Voices-Report

Diskriminierung bei ADHS begegnen

Kinder mit ADHS erfahren oft lebenslange Diskriminierung, heißt es in einem kürzlich vorgestellten Report.

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Kinder mit ADHS erfahren oft lebenslange Diskriminierung, heißt es in einem jüngst vorgestellten Report.

© Tatyana Gladskih / fotolia.com

BRÜSSEL. "Zappelphilipp" oder "Hans Guck-in-die-Luft": Der kürzlich im Europäischen Parlament vorgestellte "Real Voices"-Report von Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) lenkt die Aufmerksamkeit auf ein oft verdrängtes Problem:

Denn für viele Betroffene zieht sich ADHS von der Schule über Pubertät bis zur Berufsbildung wie ein roter Faden von Ablehnung, Ressentiments und Diskriminierung durchs Leben.

"Ich weiß genau, wie schwierig es für Menschen mit ADHS sein kann, in einer Gesellschaft Erfolg zu haben, die Unterschiede nicht akzeptiert", sagte Kate Carr-Fanning vom Zukunftsbündnis ADHS in Brüssel.

Durch den Bericht solle verdeutlicht werden, wie sich ADHS auf alle Lebensbereiche auswirke, unterstrich die Vorsitzende des irischen Selbsthilfeverbandes HADD.

Dabei gehe es vor allem darum, das Potenzial von ADHS-Betroffenen in der Gesellschaft erfolgreicher einzubringen. Besonders zu kämpfen haben diese mit Vorurteilen, Stereotypen sowie einer Stigmatisierung durch Klischees und Schuldzuweisungen in der öffentlichen Wahrnehmung.

In Deutschland sind etwa 500.000 Schulkinder von ADHS betroffen, also jeder 25. Schüler. Hyperaktiv-impulsive Kinder und Jugendliche können den Unterricht etwa durch Herumspringen oder Herausplatzen von Antworten stören.

Schulische Rückschläge und Frustration

Nach einer US-Studie benötigen 50 Prozent der ADHS-Kinder Nachhilfe, ein Drittel wiederholt eine Klasse und bis zu 40 Prozent werden zeitweise vom regulären Schulunterricht ausgeschlossen. Ein Viertel zählt zu den Schlusslichtern in der Klasse.

Neben den schulischen Rückschlägen und Frustrationen leiden diese Kinder vor allem unter sozialer Zurückweisung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. So leiden auch die Eltern unter der gesellschaftlichen Stigmatisierung ihrer Kinder.

Nach einer EU-Befragung unter 2500 Eltern, deren Kinder ADHS haben, gab die Mehrheit an, dass sie über zwei Jahre auf eine gesicherte Diagnose warten mussten. Über ein Drittel suchten dafür drei oder mehr Ärzte auf. Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen erhalten Medikamente.

"Es darf nicht sein, dass wir diese Kinder verloren gehen lassen. Sie haben Fähigkeiten und Zukunftsträume wie jedes Kind und ein Recht auf Chancengleichheit", betonte die ehemalige Bundestagspräsidentin Renate Schmidt (SPD) und ADHS- Beiratsmitglied. (taf)

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