Ärzte Zeitung, 11.05.2015

Griechenland

Ärzte ohne Job fliehen ins Ausland

Nach Stellenstreichungen und Arbeitszeitreduzierung wurden viele Ärzte in Griechenland arbeitslos. Etliche suchen Jobs im Ausland - vor allem in Deutschland. Ein Bericht der Bundesregierung sieht zarte Pflänzchen der Besserung der Situation.

Von Filippos Sacharis

Ärzte ohne Job fliehen ins Ausland

Das Evangelismos Hospital in Athen ist das größte in Griechenland. Auch hier wurden Stellen gestrichen.

© Michael Debets/dpa

ATHEN. Die Arbeitslosigkeit unter Ärzten ist in Griechenland nach den neuesten statistischen Daten auf Rekordhöhe gestiegen. Den Daten der Ärztekammer Athens (ISA) zufolge hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der arbeitslosen Fachärzte verdoppelt.

Für den selben Zeitraum werden 37,5 Prozent der griechischen Ärzte als arbeitslos oder unterbeschäftigt gemeldet. Die höchste Arbeitslosigkeit herrscht unter jungen Ärzten, die ihre Facharztausbildung noch nicht abgeschlossen haben.

Die Einschnitte bei Lohn und Gehalt haben darüber hinaus dazu geführt, dass viele Ärzte nach Zentral- oder Nordeuropa auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen abgewandert sind. Nach Daten der Kammer hat sich der Anteil der ins Ausland abgewanderten Ärzte verfünffacht.

Steigerung der Auswanderungen um 500 Prozent

In konkreten Zahlen heißt das: Während 2007 noch 292 Fachärzte abgewandert sind, werden für 2012 bereits 1166 gezählt - eine Steigerung um 500 Prozent. Zwischen 2009 und 2014 seien insgesamt rund 7000 Ärzte ausgewandert sein.

Die Daten der Athener Ärztekammer zeigen noch weiteres: Rund zwölf Prozent der Mitglieder findet im Land keine Arbeit mehr, da viele öffentlichen Krankenhäuser Stellen einsparen müssen oder Arbeitszeiten reduzieren.

26 Prozent der Mitglieder haben demnach mit Privatkliniken Überstundenpauschalen vereinbart. Andere verdienen ein kleines Honorar mit der Übersetzung von Medizin-Essays.

Auch bei Zahnärzten sieht es nicht besser aus: In den vergangenen zwei Jahren sollen rund 400 ausgewandert sein - als Grund wird auch die hohe Besteuerung sowie die deutlich erhöhte Krankenversicherungsprämie genannt. Die können sich viele Patienten nicht mehr leisten.

Das beliebteste Auswanderungsland für griechische Ärzte ist weiterhin Deutschland. 2847 Mediziner griechischer Abstammung zählt die Bundesärztekammer für das Jahr 2013. Das sind 11,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Griechen sind in der Bundesrepublik nach ihren Kollegen aus Rumänien die zweitgrößte Gruppe ausländischer Ärzte.

Im Vergleich zur Ärztekammer zählt das griechische Arbeitsamt nach seinen Daten rund 4000 Ärzte, die arbeitslos sind. Das Amt geht davon aus, dass diese Zahlen deutlich höher lägen, wenn es keine Abwanderung ins Ausland gegeben hätte.

360 Euro Arbeitslosengeld

Arbeitslosengeld in Höhe von 360 Euro pro Monat erhalten 1259 Ärzte. Der Personalmangel als Folge trifft nicht nur Kliniken: Auch die griechische Arzneimittelbehörde könne wegen Personalengpässen und unzureichender regulatorischer Kompetenzen die Arzneimittelzulassung, -überwachung und -preisregelung nur lückenhaft wahrnehmen.

Dies berichtete Wolfgang Zöller (CSU) im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Im April 2014 wurde der ehemalige Patientenbeauftragte von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Beauftragten für die gesundheitspolitische Zusammenarbeit mit Griechenland ernannt.

Laut seinem Bericht werden bei den Reformen in der Gesundheitspolitik viele "richtige Schritte" gegangen, um das System effizienter und besser zu machen. Er gehe davon aus, dass in der Folge nun viele Ärzte wieder ins Land zurückkämen, die Griechenland aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hätten.

Ein positives Beispiel sei die elektronische Verschreibung von Arzneimitteln. In der kommenden Woche will Zöller erneut nach Griechenland reisen.

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