Ärzte Zeitung online, 28.07.2015

Mers-Infektion

Südkorea erklärt Mers-Ausbruch praktisch für beendet

In Südkorea starben seit Mai 36 Menschen an der Atemwegserkrankung Mers. Die Regierung geht jetzt davon aus, dass der Kampf gegen die Krankheit gewonnen wurde.

SEOUL. Mehr als zwei Monate nach dem ersten Mers-Fall in Südkorea hat die Regierung den Ausbruch der Atemwegserkrankung für praktisch beendet erklärt.

Premierminister Hwang Kyo Ahn rief die Menschen am Dienstag auf, zum normalen Alltag zurückzukehren. Seit 23 Tagen sei kein neuer Krankheitsfall mehr aufgetreten.

"Nach Abwägung verschiedener Umstände sind Mediziner und die Regierung zu dem Schluss gekommen, dass sich die Bürger keine Sorgen mehr machen müssen."

16.700 Menschen in Quarantäne

Die rasche Verbreitung des tödlichen Coronavirus (Mers-CoV) hatte in dem Land wochenlang für große Unsicherheit gesorgt.

Beim größten Mers-Ausbruch außerhalb der arabischen Halbinsel starben in Südkorea seit Mai 36 von 186 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Fast 16.700 Menschen mussten wegen eines erhöhten Ansteckungsrisikos entweder zu Hause oder in Krankenhäusern längere Zeit in Quarantäne verbringen.

Der Zeitraum von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit wird auf mindestens fünf bis maximal zwei Wochen geschätzt. Am Montag war der bisher letzte unter Infektionsverdacht stehende Mensch in Südkorea aus der Quarantäne entlassen worden.

Formelle Erklärung des Mers-Endes steht aus

Es wird damit gerechnet, dass Südkorea im August noch ein formelles Ende des Ausbruchs erklären wird.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt vor, dass mindestens 28 Tage abgewartet werden sollten, nachdem der letzte Mers-Patient zweimal negativ getestet wurde. "Die Länder können dieser Orientierungshilfe folgen oder nicht", sagte eine Sprecherin des WHO-Regionalbüros in Manila.

Südkoreas Premierminister entschuldigte sich erneut für Fehler der Behörden zum Beginn des Ausbruchs. Er werde dafür sorgen, dass die nötigen Konsequenzen daraus gezogen werden.

Die WHO hatte die rasche Ausdehnung der Viren unter anderem auf mangelnde Kenntnis über die Krankheit sowie überfüllte Notfallstationen und Krankenzimmer zurückgeführt.

Wirtschaftswachstum verlangsamt

Das Tempo des südkoreanischen Wirtschaftswachstums hatte sich infolge des Mers-Ausbruch verlangsamt. Betroffen war vor allem der Konsum. Die Menschen gaben weniger Geld aus. Auch mieden viele Südkoreaner Großveranstaltungen.

Mers (Middle East Respiratory Syndrome/Nahost-Atemwegssyndrom) wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Der Mers-Erreger zählt wie der von Sars und bestimmten Erkältungen zu den Coronaviren.

Er kann eine schwere Infektion der Atemwege, Lungenentzündung und Nierenversagen verursachen. Weltweit registrierte die WHO bislang über 1300 Infizierte, die meisten in Saudi-Arabien. Etwa 500 davon starben. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »