Ärzte Zeitung, 02.09.2015

Großbritannien

Werden Apotheker zu Konkurrenten für Hausärzte?

Weil in Großbritannien Wartezeiten für einen Termin beim Hausarzt länger werden, sollen Apotheker in die Pflicht genommen werden.

LONDON. In diesem Jahr werden nach Schätzungen des Londoner Gesundheitsministeriums Patienten "etwa 67 Millionen Mal" eine Woche oder noch länger auf einen Termin bei ihrem Hausarzt warten müssen. Jetzt sollen Apotheker den britischen Ärzten helfen und ausgewählte Patienten versorgen.

Konkret könnten das zum Beispiel chronisch kranke Patienten sein, die ein Wiederholungsrezept benötigen. Laut Gesundheitsministerium bringe das einen deutlichen Zeitvorteil. Der Hausarzt werde entlastet, indem er bestimmte Tätigkeiten an einen Apotheker delegiere und die Wartezeiten würden sinken.

Ursache für die langen Wartezeiten ist nach Aussage des britischen Ärztebundes (British Medical Association, BMA) ein Hausärztemangel, der besonders in abgelegenen ländlichen Regionen inzwischen "kritische Dimensionen" angenommen habe.

"Deutliche Angebotsverknappung" befürchtet

Im National Health Service (NHS) gibt es rund 11.000 Primärarztpraxen. Diese haben eine Schlüsselfunktion der Zugang zu Fachärzten und Kliniken erfolgt stets über die Hausarztpraxis.

Laut BMA haben die gesundheitspolitischen Sparmaßnahmen der Regierung Cameron in den vergangenen Jahren zu einer "deutlichen Angebotsverknappung" im staatlichen Primärarztsektor geführt.

Während Patienten- und Apothekerverbände überwiegend positiv auf die Vorschläge reagierten, gab es innerhalb der britischen Ärzteschaft ein gespaltenes Echo.

So warnte eine BMA-Sprecherin im Gespräch mit der Ärzte Zeitung davor, "Apotheker als billigen Hausarztersatz" zu missbrauchen.

Positiv äußerte sich hingegen der Hausärztebund (Royal College of General Practitioners, RCGP). "Apotheker können sinnvoll eingesetzt werden!"

Ähnliche Überlegungen gibt es in der Schweiz. Dort will der Krankenversicherer Swica mit einem neuen Tarif, bei dem Patienten zunächst die Apotheke aufsuchen sollen, die Behandlungskosten der Versicherten senken. (ast)

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