Ärzte Zeitung, 03.12.2015

Großbritannien

Ausländische Patienten sollen zahlen

Das britische Gesundheitsministerium überrascht mit Sparplänen, die bei den Ärzten im Land allerdings nicht auf große Zustimmung stoßen.

Von Arndt Striegler

Ausländische Patienten sollen zahlen

Es ist nicht das erste Mal, dass der NHS Sorgen macht: Mal trifft es Patienten, mal Ärzte - und nun die Politik.

© A. Rain / dpa

LONDON. Das britische Gesundheitsministerium bereitet nach Informationen der "Ärzte Zeitung" offenbar Pläne vor, nach denen ausländische Patienten zukünftig "grundsätzlich für ärztliche und fachärztliche Behandlungen bezahlen" sollen.

Ausgenommen sind danach offenbar EU-Bürger, die allerdings ihre European Health Insurance Card (EHIC) vorzeigen müssen, bevor sie zum Arzt vorgelassen werden. Die Pläne sind umstritten.

Der britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt hatte in den vergangenen Monaten mehrfach öffentlich den - wie er ihn nennt - "Gesundheitstourismus" nach Großbritannien kritisiert.

Laut Hunt kosten ausländische Patienten den staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) "jährlich 500 Millionen Pfund" (umgerechnet rund 710 Millionen Euro).

NHS finanziell unter Druck

Der NHS steht finanziell unter Druck und die Regierung Cameron drängt darauf, die Gesundheitsausgaben deutlich zu senken.

Experten sagen dem NHS in den kommenden vier Jahren ein Haushaltsdefizit von umgerechnet mehr als 40 Milliarden Euro voraus, sollte es nicht gelingen, Kosten zu drücken oder neue Einnahmequellen zu erschließen.

Die neuen Regeln sollen dem Vernehmen nach auch für Unfall- und Notfallstationen sowie Krankentransporte gelten. Unklar ist, was mit Patienten geschehen soll, die ernsthaft krank sind, die aber nicht bezahlen können.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte der "Ärzte Zeitung": "Wir wissen, dass der NHS von ausländischen Patienten missbraucht wird und dass viele Patienten nach Großbritannien einreisen, um sich hier medizinisch behandeln zu lassen. Das ist unfair dem britischen Steuerzahler gegenüber."

Bei Ärzten stoßen die Pläne auf extremen Vorbehalt. Die Ärzteschaft möchte "nicht zum finanziellen Kontrolleur in Arztpraxen und Krankenhäusern" werden, so ein Sprecher des größten britischen Ärzteverbandes (British Medical Association, BMA).

Die BMA zitiert negative Erfahrungen mit Bezahlsystemen in den USA und in anderen Ländern. Diese seien "zu kompliziert und teuer" und führten lediglich dazu, dass "Kranke unbehandelt" blieben.

Unterdessen weisen neue Zahlen der OECD und des Gesundheitsministeriums nach, dass in Großbritannien auch immer mehr ausländische Ärzte praktizieren. Jeder vierte im National Health Service (NHS) praktizierende Arzt hat seine berufliche Ausbildung außerhalb Großbritanniens absolviert.

Tendenz: weiter steigend. Großbritannien ist für Ärzte, die nach ihrer Ausbildung im Ausland praktizieren, das zweitbeliebteste Zielland. Lediglich die USA ist laut OECD-Studie noch beliebter als das Königreich.

"Attraktive Karriere-Optionen"

"Unser Gesundheitswesen bietet ausländisch ausgebildeten Ärzten attraktive Karriere-Optionen", so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Patientenverbände sind ebenfalls für mehr ausländische Ärzte und weisen darauf hin, dass es in vielen Landesteilen heute bereits einen Ärztemangel gebe.

Das gelte inzwischen nicht nur für den ländlichen Raum, sondern auch für Großstädte.

Im britischen Gesundheitswesen regiert allerdings seit Jahren der Rotstift. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat vielerorts zu Kürzungen des Gesundheitsetats geführt.

Lokale Verwaltungen haben Einstellungsstopps verhängt, um Geld zu sparen.

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