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Telematik

Niederländer haben Rezept gegen Informationsbrüche

Während in Deutschland noch an der Telematikinfrastruktur gearbeitet wird, setzen die Niederländer längst eine elektronische Patientenakte ein.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

MÖNCHENGLADBACH.Ein Vorteil des niederländischen Gesundheitssystems im Vergleich zum deutschen ist die geringere Zahl an Schnittstellen und der mit ihnen verbundenen Versorgungs- und Informationsbrüche. Diese Erfahrung hat der deutsche Arzt Dr. Klaus Hecker gemacht, der seit 13 Jahren im Nachbarland arbeitet. "In den Niederlanden ist vieles einfacher und klarer als im deutschen Gesundheitssystem", sagte Hecker auf einem Seminar des Instituts für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung in Mönchengladbach. "An den Schnittstellen läuft es sehr organisiert."

Hecker ist der Vorsitzende des medizinischen Stabes an der Klinik VieCuri Medisch Centrum in Venlo, einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Der Weg des Patienten in die Klinik – den ausschließlich der Hausarzt oder der angestellte Arzt im Pflegeheim ebnen kann – ist ebenso klar geregelt wie die Entlassung aus der Klinik und die eventuell notwendige Überweisung in eine stationäre Pflegeeinrichtung, berichtete er.

Digitale Facharztüberweisung

Die Digitalisierung spielt eine große Rolle. Der Hausarzt überweist die Patienten digital an die Fachärzte im Krankenhaus, die Klinik übermittelt dem Patienten einen Termin. Nach der ambulanten oder stationären Behandlung des Patienten in der Klinik werden die Behandlungsdaten in die Patientenakte beim Hausarzt überspielt. Ähnlich ist es bei der Medikation, sagte Hecker. Die Weiterbehandler erhalten die Angaben digital oder auf Papier. "Kommt der Patient mit einem Papierzettel, werden die Informationen bei uns ins System übertragen und sind dann für alle Ärzte verfügbar."

Die Ärzte in der Klinik VieCuri arbeiten mit einer elektronischen Akte, alle haben Zugriff auf die Daten. "Ich kenne keinen einzigen Patienten, der dabei Probleme mit den Persönlichkeitsrechten hat", betonte Hecker. Die Patienten haben ebenfalls Zugang zu ihrer Akte und können sich die relevanten Informationen ausdrucken.

Versorgungsmanager im Einsatz

Die Akte schaffe eine große Transparenz darüber, wer wann was gemacht hat. "Jeder sieht, wenn ich die Therapie ändere, ich muss die Beweggründe festhalten", sagte er.

Die Versorgungsmanager am Krankenhaus kümmern sich bei Bedarf um die weitere Versorgung der Patienten nach der Entlassung, etwa durch ambulante Pflegedienste, Altenheime oder Pflegeheime. Für Patienten, die eigentlich nicht ins Krankenhaus gehören, aber aus Versorgungsgründen nicht nach Hause entlassen werden können, gibt es eine spezielle Station, das "Transferium". "Das ist ein Pufferbereich, der die Versorgungsprobleme löst, bis eine endgültige Lösung gefunden ist", so der Arzt. Im Transferium werden Patienten zusammengeführt, die früher auf verschiedenen Stationen lagen. "Das bedeutet eine andere Pflegestruktur und ein anderes Pflegemanagement."

Die Tatsache, dass sich gerade in den Grenzregionen Patienten häufig in Deutschland versorgen lassen, sieht Hecker nicht als Hinweis auf Qualitätsunterschiede. In der Regel gehe es um die Verkürzung von Wartezeiten bei selektiven Eingriffen, sagte er. "Viele Patienten finden den Komfort gut, den sie in Deutschland bekommen, sind aber nicht bereit, dafür im niederländischen System zu bezahlen." Die Krankenversicherungsbeiträge sind im Nachbarland deutlich günstiger als hierzulande.

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