Ärzte Zeitung online, 10.01.2014

Gesundheitswirtschaft

Schleswig-Holstein lotet Chancen aus

KIEL. Schleswig-Holstein sucht nach neuen Ideen und Innovationen, die die Gesundheitswirtschaft befördern.

Auf dem von der Landesregierung veranstalteten Kongress Vernetzte Gesundheit in Kiel forderte Landeswirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) von den Akteuren "kluge Vernetzungen", damit sich die Branche weitere Marktanteile erschließen kann.

Seine Botschaft zum Auftakt des Kongresses war unmissverständlich: Gesundheitswirtschaft darf nicht als anrüchig angesehen werden, sondern sollte als Chance betrachtet werden, bessere Versorgungslösungen und Wirtschaftswachstum zu verknüpfen.

Gesundheitsirtschaft soll "hoffähig" werden

Meyer kündigte an, die Gesundheitswirtschaft "hoffähig" zu machen und das Bewusstsein für die Wertschöpfungskette zu schärfen. "Eine starke Gesundheitswirtschaft zu haben ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann", sagte Meyer.

In seinem Bundesland sind die Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum gut. Meyer verwies in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeiten des Gesundheitstourismus an Nord- und Ostsee und auf den Zuzug älterer Menschen, die der Pflegebranche starkes Wachstum bescheren.

Außerdem nannte Meyer den privat finanzierten Sport- und Wellnessbereich sowie die Rehabilitation. Damit bietet Schleswig-Holstein nach Ansicht des Ministers gute Bedingungen für Investoren.

Allerdings besteht angesichts des Kostendrucks insbesondere in den Krankenhäusern Sorge, dass Tätigkeiten mit geringer Qualifikation zunehmend schlechter bezahlt werden.

verdi kritisiert niedrige Löhne

Sylvia Bühler aus dem verdi-Bundesvorstand verwies in diesem Zusammenhang auf Personal in Küchen und für die Reinigung. Für sie ist es unhaltbar, "dass in einem System, das von öffentlichen Geldern lebt, nicht existenzsichernde Löhne gezahlt werden".

Bühler sieht die Arbeitgeber im Gesundheitswesen allgemein nicht gut vorbereitet auf den Wettbewerb. Dies zeige sich etwa beim Umgang mit Pflegekräften, die nach ihrer Beobachtung aus Zeitgründen Tätigkeiten übernehmen müssen, für die sie nicht angeleitet wurden.

Bühler zeigte sich skeptisch, ob die "hochdramatische Entwicklung" für die Beschäftigten ohne flankierende Maßnahmen des Gesetzgebers zu lösen ist: "Ich glaube nicht, dass der Markt es richtet."

Im Norden jeder Fünfte im Healthcare-Sektor beschäftigt

Im Norden arbeiten nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 180.000 Menschen in der Gesundheitswirtschaft in 9000 Unternehmen. Damit ist jeder fünfte Erwerbstätige in Schleswig-Holstein im Gesundheitswesen tätig.

Das Wachstum der Branche liegt laut Meyer vier Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Er erwartet, dass in zehn Jahren jeder dritte Erwerbstätige in seinem Bundesland im Gesundheitswesen tätig sein wird. (di)

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