Ärzte Zeitung, 24.08.2015

Brandenburg

Wirtschaftsfaktor Gesundheitswesen ankurbeln!

Brandenburg hat im Gesundheitswesen großes Beschäftigungspotenzial. Um dieses zu nutzen, ist es jedoch auch nötig, die berufliche Abwanderung nach Berlin zu stoppen.

Von Angela Mißlbeck

POTSDAM. Das Gesundheitswesen hat sich in Brandenburg zu einem starken Wirtschaftsfaktor entwickelt und bietet enorme Beschäftigungspotenziale.

Dieses Fazit zieht das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) aus den Ergebnissen einer Umfrage zur Situation in ausgewählten Gesundheitsfachberufen in verschiedenen Einrichtungen in Brandenburg und Berlin.

Die Studie liefert laut Ministerin Diana Golze (Linke) erstmals detaillierte Aussagen zur aktuellen Beschäftigungssituation und zur künftigen Beschäftigungsentwicklung in ausgewählten Gesundheitsfachberufen für Brandenburg.

Das Institut SÖSTRA und das IMU-Institut haben dazu Kliniken, Pflege- und Therapieeinrichtungen, Praxen und Labore, Hospize und Selbstständige im Gesundheitswesen befragt.

2030: 50 Prozent mehr Erwerbstätige

Den Angaben zufolge wird beispielsweise die Beschäftigung in den Pflege- und Therapieberufen in den nächsten 15 Jahren um fast 50 Prozent von aktuell 51.000 auf über 76.000 Erwerbstätige steigen.

"Der nötig gewordene Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen, beispielsweise bei Pflegefachkräften und Krankenschwestern, bringt hervorragende Beschäftigungschancen im Gesundheitswesen mit sich", kommentierte Golze die Ergebnisse.

Die Befragung zeigt laut MASGF aber auch, dass trotz intensiver Bemühungen in der Ausbildung der zu erwartende Fachkräftebedarf nicht zu decken sei, wenn die Beschäftigungs- und Karrierechancen der Gesundheitsbranche nicht intensiver als bisher beworben würden.

Das Ministerium wirbt daher nun für einen Gesundheitswegweiser im Fachkräfteportal Brandenburgs. Das greift nach Meinung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) jedoch zu kurz. Denn die Studie hat laut bpa auch gezeigt, dass mehr als 2700 Brandenburger Pflegefachkräfte in Berlin arbeiten.

"Wenn mehrere tausend Pflegefachkräfte aus Brandenburg jeden Tag in benachbarte Bundesländer pendeln, dann müssten bei der Politik eigentlich alle Alarmglocken schrillen", so die brandenburgische bpa-Chefin Ellen Fährmann. Sie kritisiert, dass die Politik offensichtlich keinerlei Rezepte gegen die Abwanderung habe.

Vergütung an Berlin anpassen?

Dabei liege eine Lösung auf der Hand: "In kaum einem Bundesland werden die Leistungen gerade in der ambulanten Pflege so schlecht vergütet wie bei uns in Brandenburg", so Fährmann.

Es sei unverständlich, dass diese Leistungen den Krankenkassen in Brandenburg weniger Wert sei als anderswo. "Die Vergütungen zum Beispiel an die Preise in Berlin anzugleichen ist der entscheidende Weg, die alltägliche Abwanderung der dringend benötigten Fachkräfte zu stoppen", meint Fährmann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »