Ärzte Zeitung, 26.06.2012

Beschneidung: Machen sich Ärzte strafbar?

Für Amerikaner ist sie Teil der Hygiene, für Moslems und Juden ein Ritual ihrer Religion: die Beschneidung von Jungen. Für Kölner Richter ist sie aber vor allem eines: strafbar, und zwar für Ärzte.

Landgericht: Religiöse Beschneidungen sind strafbar

Beschneidung eines muslimischen Jungen: Für deutsche Ärzte sieht das LG Köln Strafbarkeit.

© Mohamed Messara / epa / dpa

KÖLN (dpa). Die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen ist nach Auffassung des Kölner Landgerichts (LG) grundsätzlich strafbar.

In einem am Dienstag veröffentlichten Urteil sprach das LG einen Arzt, der einen Jungen beschnitten hatte, zwar frei.

Dies jedoch nur mit der Begründung, dass der Arzt von der Strafbarkeit nichts gewusst habe und deshalb einem "Verbotsirrtum" unterlegen sei.

Tatsächlich müssten Beschneidungen als "rechtswidrige Körperverletzung" betrachtet werden, so das LG.

In dem Kölner Fall hatte ein Arzt einen vier Jahre alten Jungen auf Wunsch der muslimischen Eltern beschnitten. Zwei Tage später kam es zu Nachblutungen, die Mutter brachte den Jungen in die Notaufnahme.

Davon erfuhr die Kölner Staatsanwaltschaft und erhob Anklage gegen den Arzt. Das Amtsgericht Köln sprach den Mediziner in erster Instanz frei, weil eine Einwilligung der Eltern vorgelegen habe.

Widerspruch zur körperlichen Unversertheit

Außerdem sei die Beschneidung eine "traditionell-rituelle Handlungsweise zur Dokumentation der kulturellen und religiösen Zugehörigkeit zur muslimischen Lebensgemeinschaft".

Das LG bestätigte den Freispruch. Es verwies aber darauf, dass der Arzt geglaubt habe, er würde rechtmäßig handeln. Dies sei aufgrund der bisher unklaren Rechtssituation auch glaubhaft.

Tatsächlich aber müsste eine Zirkumzision in einem solchen Fall als illegal betrachtet werden, da sie die körperliche Unversehrtheit des Kindes beeinträchtigten.

Das LG bestätigte, dass die Beschneidung in dem vorliegenden Fall medizinisch fachgerecht vorgenommen worden sei.

Es wies außerdem darauf hin, dass Beschneidungen weiterhin legal seien, sofern sie medizinisch geboten seien, etwa aufgrund einer Phimose.

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[27.06.2012, 17:27:10]
Dipl.-Med Matthias Junk 
Kapitulation vor dem Kult
Absolutismus ist dem Existenz-Pluralismus des existierenden Biokosmos unserer Welt komplementär - und typisch männlich.
Die Unwiderruflichkeit der Zugehörigkeit zu dem zum Teil dummen Weltbild (im Sinne von willentlich oder unfreiwillig unwissend und stur wissensresistent) der alten patriarchalischen Religionen ist eine vorsätzliche Beeinträchtigung der späteren freien Entscheidung zu oder gegen eine absolutistische Religion und ihre Gemeinschaft.
Diese Verstümmelung Kindern anzutun, ist traditionell feige (die eigene Entscheidung des Kindes gegen den Glauben der Väter wird befürchtet, weil dies den Glauben der Väter in das Abseits gleiten lassen könnte, und so wird der künftige Freie Mann in der Schwäche seiner Kindheit brutal überrumpelt ...) und übergriffig (rigoros über eventuelle spätere autarke Interessen des Mannes hinweggesetzt - patriarchalisches Denken hat immer schon zuerst bestimmt und geherrscht - und in der geschichtlichen Realität besonders als religiöses Denken immer gegen und über andere) und passt damit in die Gesamtstrukturen dieser Weltanschaungen.
Die medizinisch begründbaren Vorteile sind dem moralischen Verbrechen gegenüber marginal.
Das "etwas" früher schon - manchmal immer noch - gemacht wurde und in bestimmten Gegenden und in manchen reaktionären Hirnen "Tradition" genannt wird, darf nicht länger als Begründung für die weitere Duldung herhalten.
Auch andere ehemalige heilige -aber absurde- Traditionen wurden - Mensch sei Dank ! - längst abgeschafft.
Gott sei Dank.
Falls es ihn gibt...
Und das zu bestimmen (das es Gesetz ist zu glauben, dass es Gott gibt) und andere zu zwingen, dies zu glauben oder so zu tun, als seien die, die "sowas" glauben, einen Deut besser als die nicht Glaubenden Mitmenschen, das ist der größte noch immer geduldete moralische IRR-SINN.
Glauben darf jeder, was er will. Und jeder andere was anderes. Mit gleichem Recht.
Jungs mit der Zugehörigkeits-Verstümmelung mussten dran glauben, um für immer dran glauben zu müssen.
NEIN DAZU !!! zum Beitrag »
[27.06.2012, 12:56:15]
Dr. Mustafa Degirmenci 
Fakten sprechen für rituelle Beschneidungen
Im Großen und Ganzen muss man sich Herrn Lohmüller anschließen. Die Vorhaut hat weder mit Geburtenkontrolle zu tun, noch geht deren Entfernung mit einem Stimulationsverlust einher (was ich sogar persönlich als beschnittener Muslim bestätigen kann..).
Auch wenn HIV etc selbstverständlich auch von beschnittenen Männern übertragen werden können: Nicht zu bestreiten dürfte sein, dass ein ungepflegter nicht-beschnittener Penis ein Keimreservoir ist und das Risiko von Übertragungen von Infektionen/STD begünstigt.
Aus jahrelanger Erfahrung als Urologe weiß ich, dass gerade bei Männern in höherem Alter das Hygieneverständnis diesbezüglich zu wünschen übrig lässt und ich dadurch Dutzende medizinisch indizierte Zirkumzisionen wegen sehr unansehnlichen Infektionen und Karzinomen durchführen musste. Und auch wenn immer wieder das Argument aufgeführt wird, dass das Peniskarzinom sehr selten ist: 1. Alle von mir gesehenen und gehörten Fälle mit Peniskarzinom betrafen unbeschnittene Patienten. 2. Den einzelnen Betroffenen nützt die Statistik wenig, da er mit einer frühzeitigen Zirkumzision nicht am Krebs erkrankt wäre und jetzt der Leidtragende ist.
Aus dieser Thematik auf Antisemitismus zu schließen oder den Herrn Hitler zu nennen, finde ich etwas zu übertrieben. Auffällig ist aus meiner Sicht aber, dass die Rechtsprechung religiöse Werte allzu häufig nicht ganz versteht und berücksichtigt.
Ich wünsche mir eine Umfrage unter muslimischen Männern (die in der Kindheit auf Initiative der Eltern rituell beschnitten wurden), die der Frage nachgeht, ob diese mit ihrem beschnittenen Zustand zufrieden sind und zweitens ob sie ihre eigenen Kinder auch beschneiden lassen würden. Ich vermute, die Antwort wäre eine Klatsche für die Richter des Landgerichtes Köln. zum Beitrag »
[27.06.2012, 06:35:55]
Thomas Prouschil 
Herr Lohmüller
Glauben Sie das wirklich? Also wenn eine Frau mit einem HIV-positiven Mann Geschlechtsverkehr hat, ist sie bei einer Beschneidung des Mannes geschützt??
Der Punkt bzgl. des Antisemitismus und der Hinweis auf Hitler ist mir allerdings keinen Kommentar wert. zum Beitrag »
[26.06.2012, 22:59:04]
Wolfgang Lohmueller 
Si tacuisses Professor Dr.Martin Herrmann
1) Die männliche Vorhaut ist zu gar nichts nütze.
1.1.) Zu sexueller Stimulation bedarf es ihrer nicht. Das beweisen die Juden und Araber seit tausenden von Jahren.
1.2.) Sas Smegma (Rillenkäs) ist hoch kanzerogen und überträgt HIV- und sonstige Viren.
2.) Zur Geburtenkontrolle taugt die männliche Beschneidung überhaupt nicht. Siehe oben. Aber sie schützt die Frau vor Krebs und AIDS.
3.) Die Kriminalisierung der biblischen und muslimischen Jungenbeschneidung ist moderner Antisemitismus im pseudowissenschaftlichen Gewand. Hitler hätte seine Freude dran.
4.) Die Gleichsetzung von männlicher Vorhautbeschneidung und weiblicher Klitoris- oder Labienverstümmelung ist unlauter, weil in keinster Weise wissenschaftlich haltbar.
Fazit: Männliche Vorhautbeschneidung ja, weibliche Beschneidung nein. zum Beitrag »
[26.06.2012, 18:20:17]
Prof. Dr. Martin Hermann 
Gleichbehandlung bei Genitalverstümmelung
die Vorhaut gehört wie die Klitoris zu den wichtigen Regionen der sexuellen Stimulation. Ihre Entfernung ist eine prähistorische Art der Geburtenkontrolle. Es gibt heute bessere Methoden der Geburtenkontrolle. Weder Mädchen noch Jungen sollten beschnitten werden. zum Beitrag »

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