Der blutig-operative Eingriff der Zirkumzision nach medizinischer Indikation einer Phimose (angeborenen Vorhautverengung) gehört selbstverständlich in unserer Zivilisation in die Hände eines approbierten Arztes, und nicht die eines "Laienschneiders".
Insofern muß die Forderung des Oberrabbiners Metzger in´s Leere laufen, weil sie sachlich gegen die medizinische Ethik vestößt.
Es war unser höchstgebildeter Papst Benedikt XVI., das Oberhaupt der christlichen Weltkirche - der römisch/katholischen-, der in seiner berühmt gewordenen Regensburger Vorlesung uns erst vor ein paar Jahren gelehrt hat, daß religiöser Glauben und Vernunft zusammen gehören.
Demnach dürfte für alle Weltreligionen, die in Büchern im Laufe der Menschheitsgeschichte "verewigt" worden sind, auch gelten, -besonders bei Durchführung von Riten-, sich der Vernunft zu öffnen.
Und das heißt für Christen -wie für Juden und Muslime- sich neuerer Wissenschaftserkenntisse und menschlicher Überzeugungen nicht zu verschließen, und stattdessen auf archaischen Handlungen beharren.
Beim Unterlassen der medizinisch überflüssigen Massen-Beschneidung von männlichen Genitalien wird der heilige und freie Gottesglaube noch in keiner Weise verletzt.
Auch Gläubige aller Religionsrichtungen haben sich in ihrem frei gewählten Lebensraum erforderlichenfalls der modernen Civitas in ihrer Religionsausübung anzupassen, wenn bestimmte Riten gegen das sittliche Empfinden der Mehrheits-Bevölkerung auf Dauer verstoßen.
Auch dazu sollten im Rahmen der religiösen "Globalisierung" die geistlichen Führer aufrufen.
Damit sollen natürlich niemals elementare und zugleich vernünftige Moral-Gebote jedweder Religion außer Kraft gesetzt werden, solange sie der menschlichen Ethik förderlich sind.
Als Tierarzt berührt mich der grausame Ritus des "Schächtens" sittlich sehr, weil dies (das massenhafte Kehledurchschneiden bei höherentwickelten Wirbeltieren ohne vorherige Betäubung) elementar gegen die fundamentalen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes verstößt. .
Die Begründung, daß damit "koscheres" oder "halales" (reines= völlig blutfreies) Fleisch gewonnen wird, entspricht zwar einem überlieferten Glauben, ist aber wissenschaftlich nicht nachzuweisen.
Tatsächlich wird bei Zulassung dieser "Schlacht"-Zeremonie in unserer modernen Zivilisation nach m.E. sogar die blutarme und hygienisch einwandfreie (saubere) Gewinnung unseres "täglichen" Fleisches von betäubten Tieren durch die irrige Auffassung der Muslime und Juden als vermeintlich "unsauber" diskriminiert.
Im übrigen ist es in Deutschland schon seit den 70er Jahren verboten, gesunde Körperteile an lebenden Tieren ohne medizinische Indikation zu kupieren (abzuschneiden).
All das darf unter vernunftbegabten Wesen aber noch nicht zu einem (unheiligen) Glaubenskrieg führen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene) aus Rostock
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