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Ärzte Zeitung, 23.11.2012

Bundestag

An der Beschneidung scheiden sich die Geister

Die Debatte zur Beschneidung von Jungen hat gezeigt: Der Bundestag tendiert dazu, religiöse Rituale nicht anzutasten. Für Kinder- und Jugendärzte bleibt die Beschneidung Körperverletzung.

Von Johanna Dielmann-von Berg

An der Beschneidung scheiden sich die Geister

Zirkumzision, der vermutlich häufigste Eingriff weltweit. Die Beschneidung von Jungen ist Gegenstand einer kontroversen Debatte im Bundestag.

© Kai Nietfeld / dpa

BERLIN. Im Bundestag herrscht keine Einigkeit beim Thema Beschneidung von Jungen. Quer durch alle Fraktionen verläuft die Grenze zwischen den Befürwortern und Gegner des Gesetzentwurfs von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Der sieht vor, dass eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt erlaubt sein soll, und nicht in allen Fällen müssen Ärzte den Eingriff vornehmen.

Justizministerin rührt die Werbetrommel

Leutheusser-Schnarrenberger warb in der Bundestagsdebatte am Donnerstagnachmittag für den Regierungsentwurf. Sie bekräftigte, dass Eltern von Gesetzes wegen her die Pflege der Kinder anvertraut werde.

Es sei daher davon auszugehen, dass Eltern auch bei der Beschneidung in dem Glauben handelten, dies zum Wohl des Kindes zu entscheiden.

Jüdische Eltern etwa seien sich sicher, durch die Beschneidung ihrer Söhne deren Wohl zu gewährleisten, da diese damit erst in die Gemeinschaft aufgenommen würden, erläuterte Norbert Geis (CSU).

Ähnlich sah dies auch Jerzy Montag von den Grünen. Dennoch forderte er, dass in den Gesetzentwurf der Regierung aufgenommen wird, dass sich Eltern nicht nur am Kindeswillen zu orientieren, sondern zu befolgen haben.

Zudem sollen Beschneider nur die ersten 14 Tage nach der Geburt den Eingriff vornehmen dürfen und nicht wie bisher vorgesehen in den ersten sechs Monaten, sagte Montag.

Antisemitische Vergangenheit Deutschlands beeinflusst Diskussion

Immer wieder blitzte auf, wie sehr die öffentliche Diskussion über die Beschneidung von der antisemitischen Vergangenheit Deutschlands beeinflusst wird.

Jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland sei ausdrücklich erwünscht, betonten die Redner aller Fraktionen. "Beschneidung ist mir fremd", sagte etwa Burkhard Lischka (SPD).

Aber er wolle muslimischen und jüdischen Bürgern das Recht darauf nicht absprechen. "Strafrecht darf kein Instrument zur kulturellen Belehrung sein", warnte er.

So sieht es auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Sie forderte, dass die Politik aufgrund des Kölner Urteils adäquate Bedingungen für Beschneidungen bestimmen müsse.

Ob Beschneidungen aus religiösen Motiven tatsächlich notwendig seien, müssten die Religionsgemeinschaften selbst klären.

Deutlich weniger Redner unterstützten den Alternativ-Entwurf der kinderpolitischen Sprecherinnen der Oppositionsparteien, Marlene Rupprecht (SPD), Diana Golze (Linke) und Katja Dörner (Grüne).

Sie schlagen vor, dass Jungen mit 14 Jahren selbst entscheiden dürfen, ob sie beschnitten werden wollen oder nicht. In Deutschland werden Jugendliche mit 14 Jahren religionsmündig.

Das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit des Kindes wiege schwerer als die Religionsfreiheit der Eltern, argumentierte Rupprecht.

[26.11.2012, 18:57:13]
Dr. Josef Sliva 
beschneidung
koelner urteil ist weltweit einmalig,unnoetig wie ein kropf,antisemitisch und typisch fuer deutschland.mit recht empfehlen die us urologen die beschneidung aller buben wegen positiver wirkung auf die gesundheit. das wusste schon moses (1.mose 17:10-17:14)es ist eine hygienische massnahme religioes verpackt.schon im altertum gab es phimosen,paraphimosen und balanitiden.die beschneidung war optimale behandlung.Groesste statstik verursacheten us krankenkassen.frueher wurden 80% us buben beschnitten.als die kassen nicht mehr zahlten sank die zahl auf 50%.die urogenital und andere krankheiten stiegen bei mann und frau an.das kippen des neues gesetzes waere ein weiteres eigentor fuer BRD,mit politischen folgen
dr.med josef sliva 73117 wangen zum Beitrag »
[26.11.2012, 17:07:35]
Christian Soll 
Kindesschutz = Antisemitismus??? Das gibt es wirklich nur in Deutschland...!
Meine Meinung zu dem Thema habe ich oft genug in dieser Zeitung kund getan. Daher entbehrt es jeglicher Notwendigkeit, dies an dieser Stelle erneut zu tun, an selbiger hat sich bis heute nichts geändert!

Ad rem:

Das Eltern entsprechender Glaubensgemeinschaften irrigerweise davon ausgehen, dass sie für das Kind (den Knaben) nur "das Beste" täten, steht tatsächlich zu befürchten! Andernfalls gäbe es diese Diskussionen ja nicht. Oder wird sie vielleicht d o c h von manchen aus ganz anderen Gründe geführt...? Wie dem auch sei, unser StGB als auch nachvollziehbare Fakten stehen diesem Irrtum allerdings klar entgegen! Zumindest müsste das so sein. Im übrigen dachten die Angehörigen von Anneliese Michel auch, die am 1.7.76 an den Folgen eines verheerenden, und bis zum EXITUS!, betriebenen Exorzismus gestorben ist, dass sie ihrer [damals schon erwachsenen] Tochter etwas gutes täten! Und auch an "Erfahrung" fehlte es den "routinierten Exorzisten", immerhin wurden durch den damaligen Bischof Stangl in Würzburg bis zu 67 dokumentierte Teufelsaustreibungen genehmigt, damals offensichtlich nicht! Genau das wird von den Beschneidern ja ebenfalls behauptet... "Sie seien sehr erfahren.....!" Wie der "erfahrene Beschneider" allerdings mögliche Komplikationen, bspw. eine Hämophilie, bei einem sechs Tage alten Jungen diagnostizieren will, ist mir persönlich allerdings schleierhaft! Vielleicht "Gottes Werk" oder doch eher "Teufels Beitrag"? [Lindquist]

Menschen jedoch, denen das Kindeswohl über alles geht und die sich auch öffentlich für dieses einsetzen, "coram publico" pauschal als "Antisemitisten" zu verunglimpfen, oder diese alternativ gleich reflexartig dem rechten Lager zuzuordnen und in eine "rechte Ecke" zu schieben, ist schlichtweg eine bodenlose Unverschämtheit! Zeigt uns das doch klar auf, dass es hier ganz offensichtlich an sämtlichen Sachargumenten fehlt und man halt nur noch mit Polemik und "den eben handelsüblichen, altbewährten Totschlagargumenten" auf Stimmungsmache gehen kann!Andersgläubige sind in unserem Land erwünscht und willkommen, wenn sie sich integrieren, d.h. u.a. auch, dass sie unsere Gesetze achten und respektieren und das hier eben die Werte des christlichen Abendlandes prägend sind und waren! Noch einmal: Wer sich hier nicht voll entfalten kann, bzw. wem diese Entfaltung nur ohne Vorhaut gelingt, der ist wirklich gut beraten, der aufgehenden Sonne zu folgen, und seine Entfaltung im "Morgenland" zu (ver-)suchen!

Wirklich aus allen Wolken gefallen bin ich aber erst, als Herr Lischka doch allen ernstes öffentlich behauptete (in obigem Artikel z.B.), dass "Strafrecht kein Instrument zur kulturellen Belehrung sein kann"! Der geneigte Leser muss spätestens an dieser Stelle erkennen, dass die von uns gewählten Volksvertreter, den Rechsstaat s e l b e r ad absurdum führen! Aber mit dieser Auffassung befindet er sich ja bekanntlich, gerade in dieser Diskussion, sogar parteiübergreifend in aller bester Gesellschaft! Natürlich ist das Strafrecht dafür da, "kulturell zu belehren" bzw. strafbaren und irrigen Auffassungen einen Riegel vorzuschieben! Steinigungen, Körperstrafen bis hin zur Exekution etc., all das waren und sind z. T. nach wie vor Sanktionen, die in einigen Glaubensgemeinschaften bis heute regelmäßig zur Anwendung kommen und, zumindest in einigen Breitengraden, kulturell abolute Akzeptanz finden. Man stelle sich einfach mal vor, ein paar wenige würden die "heilige Inquisition" wieder einführen wollen, weil sich das vielleicht irgendwie kulturell legitimieren ließe und man sowieso nur "das Beste" für die Delinquenten wolle....! Gleiches gilt für die Scharia, die ja bis heute die Grundlage des islamischen Strafrechts ist. Sollen die Religionsgemeinschaften künftig etwa auch noch selber klären dürfen, ob hierzulande z. B. das Abtrennen einer Hand oder gar des Kopfes aus religiösen Motiven notwendig sind? Oder wie sind solche Kernaussagen, bspw. von Frau Schröder, zu verstehen?!? Das empfinde ich als "ungeheuer unerträglich"!

Abschließend kann ich nur hoffen, dass hier irgendwann eine endgültige gesetzliche Regelung eintritt, die von Menschen mit Sachverstand & Rückgrat getroffen wird (beides fehlt den allermeisten Entscheidungsträgern ja bekanntlich, nicht nur in dieser Sache...), damit die Kinder endlich vor solch einem mittelalterlichen Nihilismus, unter Androhung scharfer Sanktionen gegen die Akteure bei Zuwiderhandlung, wirkungsvoll geschützt sind! Um nichts anderes kann und darf es gehen! zum Beitrag »
[26.11.2012, 12:07:21]
Dr. Horst Grünwoldt 
Glauben und Wissen
Selbstverständlich sind multi-kulturelle Einflüsse in Deutschland und der Europäischen Union erwünscht.
Natürlich dürfen Muslime -bei aller Tolleranz unter Andersgläubigen- in ihrer "Erwünschtheit" in unserem Lande nicht die "Scharia" ausleben!
Altüberlieferte Glaubens-Riten, die die Mehrheit der Zivilgesellschaft in ihrem sittlichen Empfinden anhaltend verletzt, können und müssen sehr wohl durch modernes Wissen und Aufklärung zu einem Besseren korrigiert werden. Dabei muß der freie, individuelle Gottesglauben im Kern überhaupt nicht fundamental "beschnitten" werden.
Bedenklich bleibt in der "Beschneidungs"- Debatte aber, wie Laien (Politiker als Volksvertreter) sich über das begründete Urteil von Fachleuten (Ärzten) der sog. political correctnes halber hinwegsetzen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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