Ärzte Zeitung, 19.02.2013

Weniger Lust(ig)

Beschneidung kostet Sex-Spaß

Beschnittene Männer haben schlechteren Sex, berichten belgische Wissenschaftler. Ihre Studie ergab: Mit der Vorhaut geht auch etwas Sexvergnügen verloren.

Von Robert Bublak

Beschneidung kostet Spaß am Sex

Mindert die Beschneidung die sexuelle Lust?

© Yuri Arcurs / fotolia.com

GENT. Wie empfindsam der Penis auf erogene Reizung reagiere abhängig davon, ob eine Zirkumzision vorgenommen wurde oder nicht, wollten Urologen um Guy Bronselaer von der Universitätsklinik Gent wissen.

Um das herauszufinden, haben sie 1059 unbeschnittene und 310 beschnittene Männer gefragt (BJU Int 2013, online 4. Februar).

Beschnittene haben schlechteren Sex

Ausgehend von der im Allgemeinen wohl zutreffenden Annahme, dass sich Menschen während sexueller Stimulation nicht gerne von fremden Wissenschaftlern untersuchen lassen, wählten die Forscher den Befragungsweg über das Internet.

Um Interessenten für das Projekt zu gewinnen, hatten zuvor Medizinstudenten nach dem Zufallsprinzip Handzettel auf belgischen Bahnhöfen verteilt.

Kurz zusammengefasst lautet das Ergebnis der Untersuchung: Beschnittene haben schlechteren Sex. Jeweils auf einer nach Intensität aufsteigenden Fünf-Punkte-Skala verortet, gab es signifikante Unterschiede zuungunsten der zirkumzidierten Männer.

Diese betrafen den sexuellen Genuss (im Mittel 3,7 versus 3,4) und die Orgasmusintensität (3,4 versus 3,2) bei Reizung der Glans. Am Penisschaft verspürten Beschnittene mehr Missempfindungen und Schmerzen, die Punktzahl lag im Mittel bei rund 1,2 versus 1,05.

Die differierende Erregbarkeit betraf vor allem den lateralen und dorsalen, weniger den ventralen Bereich des Penis, der bei einer Beschneidung am wenigsten an materieller Substanz verliert.

Im Übrigen waren im Erwachsenenalter Beschnittene schlechter dran als im Kindesalter Operierte.

Was weg ist, ist weg

Das Studiendesign betrachtend mag man einwenden, die Ergebnisse beträfen zunächst einmal internetaffine belgische Bahnfahrer.

Allerdings liefert die Anatomie keine Gründe anzunehmen, dass die Vorhäute von Männern außerhalb dieses Kollektivs wesentlich anders funktionieren.

Aus diesem Grund will nach Angaben von Bronselaer und seinen Kollegen von der Universitätsklinik Gent der Entschluss, sich eine normal gewachsene Vorhaut kürzen zu lassen, reiflich überlegt sein - zumal, wenn keine medizinische Indikation dafür besteht.

Denn was weg ist, ist weg, und fürs männliche Lustempfinden spielt das Präputium offenbar keine ganz geringe Rolle.

[25.03.2013, 16:44:56]
Dr. Horst Grünwoldt 
Präputium-Funktion
Meine Penis-Vorhaut möchte ich nicht missen, weil sie
1. die Empfindlichkeit der Eichel (glans penis) mit ihren sensiblen Tastkörperchen als Voraussetzung für eine prächtige Erektion schützt, und zwar durch Erhalt der Feuchtigkeit und Vermeidung des verhornenden Epithels; und
2. sie im erigierten Zustand des Penisschaftes als Manschette hinter der Eichel deren Anschwellen (ohne künstliche Alternative aus einem Spielzeugladen für Erwachsene) fördert und zugleich die Erektion länger stabil halten läßt; und
3. der Vorfall des erschlafften Penis aus der elastischen Vorhaut vermieden wird.
Das ist jedenfalls meine praktische Erfahrung bis in´s Rentenalter!

Bei allen mir bekannten penistragenden Säugetieren in verschiedener Ausprägung gibt es außer für das Vorliegen einer Phimose (Vorhautverengung) keinerlei Anlaß, diese zu beschneiden.
Kein einziges mir bekanntes Säugetiermännchen zeigt im nicht sexuell erregten Zustand seine unbedeckte Glans penis (ausgenommen davon sind Primaten, die mit der unbedeckten und erigierten Penisspitze gelegentlich Artgenossen zu imponieren versuchen).
Normalerweise wird die alleine nach sexueller Stimulation durch "Ausschachten" (aus dem "Schlauch" / dem Präputium)freigelegt.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock
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[20.02.2013, 12:48:14]
Sebastian Guevara Kamm 
Gutes Design - Journal of the British Association of Urological Surgeons
Werter Kollege,
ich muss Ihnen widersprechen.Sie haben wohl einen Satz des Autors des Newsartikels aufgeschnappt im falschen Kontext mis-interpetiert.Die Studie hat ein gutes Design,ich habe tausende solcher Studien bewertet und zitiert.Die Online- Methode ist hier tatsächlich die Methode der Wahl,so fördern Sie Privazität und eliminieren sozialadäquate Angaben. Self Assessment ist auch die einzige Möglichkeit erektile Dysfunktion umfassend zu erfassen, hier kam die übliche 5 Point Likert Skale zum Einsatz.Die Erhebung der Studiendaten fand 2011, also vor dem Medienhype statt.Das Kohortensample N=1059 war auch hinreichend groß. Die Publikation erfolgte im Journal of the British Association of Urological Surgeons,ein angesehenes Journal.Beteiligt waren das Department of Urology, Ghent University Hospital, Belgien.Zudem Rockefeller University, New York, USA, NYS Psychiatric Institute/Department of Psychiatry, Columbia University, New York USA und weitere renommierte Universitäten. Die Ergebnisse bestätigen vorangegangene Studien,ebenso dass im Erwachsenenalter Operierte die Dysfunktion als schlimmer empfinden als im Kindesalter operierte, da der vorher-nachher Vergleich beim Sex fehlt. Das Ding ist valide. zum Beitrag »
[19.02.2013, 22:34:24]
Wolfgang Lohmueller 
Der größte Blödsinn
"Internetaffine belgische Bahnfahrer" und eine subjektive Werteskala:
Auf solche "Studien" kann man verzichten, kennt man doch zur Genüge die Sex-Prahlerei auf Bahnhöfen. zum Beitrag »

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