Ärzte Zeitung online, 02.10.2013

Beschneidung

Spaß am Sex wird nicht beschnitten

Gehen Männer mit der Vorhaut auch eines Stücks Lust verlustig? Seit der jüngsten Beschneidungsdebatte wird diese mögliche Folge einer Zirkumzision wieder ernsthaft als Gegenargument vorgebracht. Zu Unrecht, wie australische Urologen meinen.

Von Robert Bublak

Spaß am Sex wird nicht beschnitten

Zirkumzision beschneidet nicht das Sexvergnügen.

© Smit / shutterstock.com

SYDNEY. Die Menge an Publikationen zum Thema Sex nach Beschneidung geht mittlerweile auf keine Kuhhaut mehr, geschweigen denn … - nun ja.

Dennoch haben Brian Morris und John Krieger von der University of Sydney den Stapel an einschlägig bedrucktem Papier nun nochmals um eine Überblicksstudie erhöht.

Darin analysieren sie die Ergebnisse von 36 Untersuchungen unterschiedlicher Qualität, an denen 40.473 Männer, knapp die Hälfte davon beschnitten, teilgenommen hatten (J Sex Med 2013, online 12. August).

Gleiche Penisempfindlichkeit

Um es vorwegzunehmen: Das Gesamtergebnis fällt in qualitativ hochwertigen Studien rundweg negativ aus, was beschnittene Männer als durchaus positiv empfinden dürften.

Weder hinsichtlich der Penisempfindlichkeit noch bei der sexuellen Erregung, dem sexuellen Empfinden, der erektilen Funktion, der Ejakulationslatenz, der Orgasmusfähigkeit oder der sexuellen Zufriedenheit zeigten Männer mit Zirkumzision irgendwelche Defizite, dies insbesondere dann, wenn der Eingriff in der Kindheit erfolgt war.

Auch war die Penetration nach Beschneidung keineswegs schmerzhafter.

Fazit: Beschnittenen Männern fehlt beim Sex nichts außer ihrer Vorhaut. Anderslautende Ergebnisse stammen laut Morris und Krieger aus Erhebungen, die in Design, Auswahl von Fällen und Kontrollen, statistischer Analyse oder Dateninterpretation Mängel aufweisen.

Keine Unterschiede

Weil manchen Ärzten der beschnittene Penis als weniger sensibel gilt, gab es Versuche, mithilfe einer Zirkumzision der Ejaculatio praecox (EP) abzuhelfen. Aber in Studien, in denen Paare eine Stoppuhr mit ins Bett nahmen, gab es in puncto intravaginaler Latenz keine signifikanten Unterschiede zu vermelden.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die Mechanismen des vorzeitigen Ergusses deutlich komplexer angelegt sind, als es das bloße Berührungsreiz-Ejakulations-Muster nahelegt. Studien zur Prävalenz der Ejaculatio praecox legen dies ebenfalls nahe.

Ein Unterschied zwischen beschnittenen und unbeschnittenen Männern war in den hierauf angelegten Untersuchungen nämlich ebenfalls nicht auszumachen.

[06.07.2014, 22:14:26]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Wir sind hier ein Ärzteblatt und keine Religionsgemeinschaft.
Ärzte haben historisch mit falscher Indikationsstellung bereits genug Schuld auf sich geladen
und TUEN ES HEUTE NOCH!!!
Hier kann man sich wissenschaftlich informieren bis zu Anatomie und Physiologie,
was genau man da "wegschneidet".
http://www.cirp.org/library zum Beitrag »
[01.11.2013, 01:32:12]
Michael Meinert 
Brian Morris ist unvoreingenommen und wertet Studien aus
Brian Morris ist kein Arzt. Er muss auch kein Arzt sein, um Studien auszuwerten. Morris ist Universitätsprofessor, der seit 43 Jahren im Bereich der medizinischen Forschung tätig ist. [1]
John N. Krieger ist Professor und Chef der Urologie in Washington. [2]

Wie ein Mediziner wie Herr Schrader hier auf solche unseriösen Webseiten als Quelle verweist, ist mir ein Rätsel. An keiner Stelle, auch nicht an verlinkten Stellen sind pädophile Inhalte zu finden.

Morris fordert keine Pflichtbeschneidung, sondern kommt in seinen wissenschaftlichen Arbeiten häufig zu der Schlussfolgerung, das eine Beschneidung mehr Vor als Nachteile hat. Ich sehe daran nichts verwerfliches.

Einzelnachweise:
1. http://www.circinfo.net/about_the_author_professor_brian_j_morris.html
2. http://depts.washington.edu/uroweb/physician-16-Krieger.php zum Beitrag »
[11.10.2013, 23:19:59]
Marius Schrader 
Brian Morris ist kein Urologe und die Studie voreingenommen
Der Australier Brian Morris ist weltweit als radikaler Beschneidungsbefürworter bekannt.
In den australischen Medien verglich er die Zirkumzision gar mit einer chirurgischen Impfung forderte mehrfach eine Pflichtbeschneidung kleiner Jungen.

Auf seiner Webseite, in der für die Beschneidung wirbt, verlinkt er auf 8 Seiten von Beschneidungsfetischisten, also auch pädophile Personen, die sich an der Beschneidung von Erwachsenen oder von Kindern sexuell eregen.(1)(2)


Morris selbst ist auch kein Urologe noch nicht mal ein Arzt, er ist ein Molekularbiologe.

Aber von Morris Voreingenommenheit angesehen, ist die Studie auch methodologisch extrem fragwürdig um es gelinde zu formulieren.

Was genau "qualitativ hochwertige Studien" sind und was nicht, die ein "rundweg negatives Gesamtergebnis" belegen sollen, haben Morris und sein Koautor nämlich höchst selbst willkürlich festgelegt. Letztlich nur Studien, die ihrer vorgefassten Meinung entsprechen.

Studien, die Brian Morris Zirkiumzisionsfanatismus zuwiderlaufen, wie etwa eine kürzlich veröffentliche belgische Studie über die sexuellen Folgen der Zirkumzision, über die die Ärztezeitung berichtete, wurden gar nicht erst beachtet.
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/beschneidung/article/831903/weniger-lustig-beschneidung-kostet-sex-spass.html?sh=4&h=82420473

Einzelnachweise:

1. http://www.drmomma.org/2009/11/a-circumfetish-push-to-cut-world.html
2. http://www.circumstitions.com/fetish.html
 zum Beitrag »

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