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Modul: Eine migrationsmedizinische Herausforderung? Die ambulante Versorgung Geflüchteter

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Ärzte Zeitung, 09.09.2015

Bremen

Hausarztpraxen als Pfeiler der Flüchtlingsversorgung

Wo die Bremer Gesundheitsbehörde an Grenzen gerät, soll ein neu geknüpftes Hausarztnetz einspringen.

BREMEN. Bremen will Flüchtlinge, die in der Stadt ankommen, schneller medizinisch versorgen können.

"Die hoheitlichen Aufgaben der Versorgung übernimmt normalerweise das Gesundheitsamt bei der Ankunft der Flüchtlinge", erklärt Dr. Martin Goetz, Abteilungsleiter in der Bremer Gesundheitsbehörde, der "Ärzte Zeitung". "Aber die normalen Krankheiten der Flüchtline können so nicht versorgt werden."

Also will man in Bremen ein Netz von 17 Hausarztpraxen knüpfen, das zusätzlich zum Praxisalltag die Flüchtlinge mit verstauchten Füßen, Diabetes, Bauchschmerzen oder kleinen Wunden behandeln kann. Ein entsprechendes Netz von Zahnärzten soll ebenfalls entstehen.

In Bremen und Hamburg erhalten Asylsuchende, die auf ihr Verfahren warten, zwar für 15 Monate eine AOK-Gesundheitskarte. "Aber es dauert oft Wochen, bis die Flüchtlinge über die Karte verfügen können", sagt Goetz. "In dieser Zeit soll das Ärztenetz die Versorgung sicherstellen."

Dazu erhalten die Flüchtlinge entweder bei der Erstaufnahme oder in der Aufnahmeeinrichtung Bremens eine Bescheinigung, die sie zum Arztbesuch in einer der 17 Praxen berechtigt. "Damit muss nun das Gesundheitsamt nicht mehr ständig auf der Suche nach einem Arzt herumtelefonieren", so Goetz.

Die Leistungen werden über die AOK Bremen/Bremerhaven abgerechnet. "Und die Kasse erhält das Geld von der Sozialbehörde Bremens erstattet", sagt Goetz.

"Viele haben unrealistische Vorstellungen"

Dr. Günther Egidi, Hausarzt in Bremen, gehört zum Netz für die Flüchtlinge. "In unsere Praxis kommen auch ohne Ärztenetzmitgliedschaft täglich fünf bis zehn Patienten, die aus ihren Heimatländern geflohen sind", berichtet er. Viele von ihnen seien durch Erlebnisse während der Flucht traumatisiert.

So erschien in der Praxis seiner Frau ein junger Afrikaner, der es nicht mehr über sich brachte, zu duschen, berichtet Egidi. "Er ist über Lampedusa nach Europa gekommen und erträgt nun keine Dusche mehr, weil er so viele Menschen hat ertrinken sehen."

Oft müsse er seinen neuen Patienten erklären, "was geht und was nicht geht", berichtet Egidi. "Viele haben unrealistische Vorstellungen vom Umfang der Behandlungsmöglichkeiten." Dennoch seien "fast alle superdankbar", berichtet der Hausarzt.

Bremen erwartet in diesem Jahr nach bisherigen Prognosen 6700 Flüchtlinge und 2000 unbegleitete Kinder - Zahlen, die inzwischen überholt sein dürften. Wir untersuchen und impfen sie. Außerdem werden alle Flüchtlinge über 15 Jahre auf Tuberkulose getestet." Wegen der vielen Untersuchungen will die Sozialbehörde auch die Krankenhäuser Bremens in die Untersuchungen einbinden. (cben)

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