Ärzte Zeitung, 12.10.2015

Nordrhein

Apotheken-Mitarbeiter als Dolmetscher für Asylbewerber

KÖLN. In den nordrheinischen Apotheken gibt es eine sehr große Bereitschaft, sich in der Versorgung von Flüchtlingen zu engagieren.

Mehr als 300 Apothekenmitarbeiter stehen als Dolmetscher für die Flüchtlingseinrichtungen der Region zur Verfügung. "Es werden täglich mehr", berichtet der Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein Dr. Stefan Derix.

Die Kammer hatte gemeinsam mit dem Apothekerverband die 2400 Apotheken in Nordrhein zu den dort vorhandenen Fremdsprachenkenntnissen befragt.

Auf Basis der Rückmeldungen haben sie eine Liste erarbeitet, auf der die Flüchtlingseinrichtungen sehen können, welcher Apotheker in ihrer Region mit welchen Fremdsprachenkenntnissen zur Verfügung steht.

Die Apothekenorganisationen stehen in Austausch mit dem Landesgesundheitsministerium und haben auch die Amtsapotheker und die Bezirksregierungen informiert, sagt Derix.

Apotheker und pharmazeutisch-technische Assistenten, die Syrisch, Afghanisch oder eine eritreische Sprache beherrschen, haben oft einen Migrationshintergrund.

Bei ihnen sei die Bereitschaft besonders hoch, die Flüchtlinge nicht nur bei medizinisch-pharmazeutischen Fragen zu unterstützen, sondern auch durch generelle Dolmetscherdienste.

"Gerade allgemeine sprachliche Hilfen werden gebraucht", so der Geschäftsführer der Apothekerkammer. (iss)

[12.10.2015, 12:32:48]
Reinhard Pohl 
Dolmetscher ohne Qualifikation? Apotheker ohne Qualifikation?
Wenn gelernte Apothekenmitarbeiter ohne Zusatzausbildung jetzt als "Dolmetscher" arbeiten dürfen, freue ich mich natürlich, dass jetzt auch Dolmetscher Medikamente ausgeben dürfen. Ein bisschen den Beipackzettel überfliegen, über die Theke schieben, mehr ist als Qualifikation ja nicht nötig.

Ich hoffe, die Apotheken-Mitarbeiter wissen, dass Dolmetscher ein mehrjähriges Hochschulstudium absolvieren, bevor sie den Beruf ausüben. Dabei geht es nicht nur um ein paar Sprachkenntnisse.

Oder wird jetzt bei Flüchtlingen auf jede Qualifikation verzichtet? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

Bruch mit dem deutschen Verordnungssystem?

Eine Gesetzesänderung ermöglicht Ärzten seit kurzem, Cannabis zulasten der Kassen zu verschreiben. Der Patient bezieht Cannabis aus der Apotheke. Das neue Rechtskonstrukt sehen viele aber als "Systembruch". mehr »