Ärzte Zeitung, 23.11.2015

Thüringen

Zu wenige Therapieplätze für Flüchtlinge

ERFURT. In Thüringen haben mangels Behandlungsmöglichkeiten nur sehr wenige traumatisierte Flüchtlinge die Chance auf eine professionelle Therapie.

Derzeit würden rund 175 Menschen aus 23 Ländern behandelt, sagte die Leiterin des Thüringer Behandlungszentrums für traumatisierte Flüchtlinge "Refugio", Anne Tahirovic. Der Bedarf sei weitaus höher. Zugleich fehle es an einer qualifizierten frühzeitigen Traumadiagnostik in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Vor allem in den kurzfristig eingerichteten Einrichtungen habe das Personal teilweise kaum Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit. Zudem seien Land und Kommunen voll mit der Suche nach Unterkünften und der Verteilung der Asylbewerber beschäftigt. "Da ist die Gefahr groß, dass ein Großteil der psychischen Folgeschäden bei Flüchtlingen unentdeckt bleibt", sagte Tahirovic.

Als traumatisiert gilt nach unterschiedlichen Studien etwa ein Drittel bis die Hälfte der nach Deutschland kommenden Asylsuchenden. Unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen oder Angststörungen leiden den Experten zufolge vor allem Bootsflüchtlinge, Folteropfer und Opfer sexueller Gewalt.

"Refugio" wird aus Geldern des Landes, des Bundes, der EU und UN-Institutionen finanziert und betreut vor allem Flüchtlinge im Raum Jena, Erfurt, Weimar und Gera.

Die Flüchtlinge kommen dazu in das Beratungszentrum nach Jena, wo ihnen in den Gesprächen mit den Therapeuten Dolmetscher zur Seite stehen. In Nord- und Südthüringen sei die Versorgung wegen schlechter Zug- und Busverbindungen und langer Anfahrtswege schwierig. (zei)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »