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Modul: Eine migrationsmedizinische Herausforderung? Die ambulante Versorgung Geflüchteter

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Ärzte Zeitung, 03.05.2016

Flüchtlingsversorgung

Systematische Informationen fehlen noch

Lob für das Engagement der Ärzte, Kritik an den Strukturen: Experten diskutieren die aktuelle Flüchtlingsversorgung.

NEU-ISENBURG. In der Flüchtlingsversorgung leisten Ärzte mehr als das deutsche Gesundheitssystem von Rechts wegen vorsieht und vergütet.

Zu diesem Fazit kam der Arbeitskreis "Ärzte und Juristen" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) bei seiner jüngsten Sitzung.

"Derzeit existiert viel anekdotische Erfahrung, aber wenig systematische Information", lautet das Fazit von Dr. Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamts der Stadt Köln. Den Föderalismus sieht sie in der Flüchtlingsversorgung als "großes Problem".

Dr. Amand Führer von der Universität Halle bezeichnete die aktuelle Situation gar als "Stresstest für unser Gesundheitswesen". Nach der Erstaufnahme verlaufe der Weg in eine Behandlung alles andere als geradlinig.

Flüchtlinge und Ärzte unsicher

Bunte betonte jedoch den insgesamt guten Gesundheitszustand der Flüchtlinge: Rund 70 Prozent seien gesund. Häufig würden jedoch Magen-Darm-Infektionen durch Noroviren oder Campylobacter auftreten.

In Köln sei man zuversichtlich, die mit dem Flüchtlingsstrom gestiegenen Fallzahlen an Tuberkulose, Hepatitis B und C in den Griff bekommen zu können, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der AWMF. "Die Eltern sind sehr aufgeschlossen dafür, ihre Kinder impfen zu lassen", schildert Bunte dort.

Diskutiert wurden bei der Sitzung auch vorhandene Unsicherheiten - sowohl bei Flüchtlingen als auch bei Ärzten.

"Bei chronisch Kranken, wie etwa Menschen mit Diabetes, ist selbst Ärzten und Sozialarbeitern oft unklar, ob und in welchem Maße Anspruch auf ärztliche Leistungen besteht", sagte Dr. Führer, der die Versorgung von Flüchtlingen in Halle epidemiologisch und ethnografisch untersucht hat.

Laut Asylbewerberleistungsgesetz haben alle Schwangeren, Kinder und medizinische Notfälle ein Recht auf Behandlung, aber auch Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. (jk)

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