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Ärzte Zeitung, 31.01.2017

Pflege

Healthcare-Jobs – für viele Flüchtlinge ein steiniger Weg

3500 Flüchtlinge und Migranten nutzten eine der größten Jobbörsen in Berlin, um sich über Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten unter anderem im Gesundheitswesen zu informieren. Die Erkenntnis: Trotz Fachkräftemangel läuft ohne Praktika im Prinzip nichts, das gilt selbst für erfahrene Pfleger.

Von Julia Frisch

Healthcare-Jobs – für viele Flüchtlinge ein steiniger Weg

Der ehemalige Flüchtling Taiseer Kuzbari (r.) informiert über Jobperspektiven bei Boehringer Ingelheim.

© Julia Frisch

BERLIN. Rund 200 Firmen, auch aus dem Gesundheitsbereich, präsentierten sich auf der Jobbörse für Geflüchtete und Migranten, die kürzlich von dem Hotel Estrel und der Arbeitsagentur Süd Berlin veranstaltet wurde. Dieses Jahr lief es besser als zur Premiere der Jobbörse in 2016: Die rund 3500 Besucher kamen nicht mehr in einem großen Schwall in die Halle, sondern hatten vorab Tickets für bestimmte Zeitfenster bekommen. Auch die Kommunikation gestaltete sich einfacher: Die Sprachkenntnisse vieler Interessierter waren deutlich besser als im vergangenen Jahr, berichteten Aussteller.

Um eine Ausbildung zu absolvieren, reichen die Deutschkenntnisse oft trotzdem noch nicht. Für die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer erwartet die Alexianer-Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege zum Beispiel Deutschkenntnisse der mittleren Stufe B1, also die Fähigkeit, schon selbstständig die Sprache anzuwenden. Bislang, erzählen Sebastian Askamp und Julia Engelhardt, habe man auf anderen Flüchtlingsmessen aber immer wieder feststellen müssen, dass die Sprachfähigkeiten noch nicht ausreichten.

Zeugnisse fehlen, Status ist unklar

Hinzu komme oft, dass keine Zeugnisse vorhanden seien oder der Aufenthaltsstatus nicht geklärt sei. Eva Witzgall, Leiterin kaufmännische Ausbildung von Bayer Pharma, hat die Erfahrung gemacht, dass sogar mit Sprachkenntnissen nach B2 "eine Ausbildung schwierig ist".

Das erklärt, warum der Weg in den deutschen Arbeitsmarkt in der Regel über Praktika läuft. So hält es das Deutsche Rote Kreuz bei Geflüchteten, die in ihren Heimatländern schon im Pflegebereich arbeiteten. Die Ausbildung sei ja eine andere als in Deutschland, heißt es am Stand des DRK, an dem die Nachfrage nach Praktikumsmöglichkeiten groß ist.

Sprach- und Orientierungspraktika bietet Boehringer Ingelheim unter anderem an. Auch Taiseer Kuzbari hat bei dem Pharmaunternehmen im Bereich Kommunikation ein Praktikum absolviert und durchläuft derzeit ein Volontariat. Auf der Jobbörse in Berlin stand er arabischsprechenden Interessenten als Ansprechpartner zur Verfügung. Weniger als Job- denn mehr als Kontaktbörse sieht Boehringer Ingelheim wie auch die anderen Aussteller die Messe.

"Wir wollen hier Gesicht zeigen", sagt Anke Schacht. In Rheinhessen engagiert sich das Pharmaunternehmen, um Flüchtlingen den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt zu ebnen. "Arbeit ist für die Integration wichtig", so Anke Schacht.

Das sieht auch Bayer Pharma so, weshalb es seit einem Jahr jeweils ein sechsmonatiges kaufmännisches und naturwissenschaftliches Orientierungsprogramm anbietet. "Wir gehen jetzt in die dritte Runde, haben viel erlebt und erfahren und viele Anpassungsschleifen gedreht", erzählt Eva Witzgall. 48 Menschen hätten bisher an diesen Programmen teilgenommen.

Fremdes Ausbildungssystem

Die Heterogenität der Gruppen mache es nicht einfach, einen einheitlichen "Lehrplan" zu entwerfen. Das Sprachniveau sei teilweise unterschiedlich, manche verfügten über gute PC-Kenntnisse, manche hätten keinerlei Computererfahrung. "Wir haben Vokabellisten für bestimmte Bereiche erarbeitet, die einfach gelernt werden müssen, weil es für Wörter wie Betriebsverfassungsgesetz einfach keine Übersetzung gibt", so Witzgall.

Mit den Orientierungsprogrammen wie auch mit einem Projekt, bei dem es Bayer zusammen mit fünf anderen Firmen Schülern ermöglicht, in die Betriebe reinzuschnuppern, sollen die jungen Leute eine Planungsgrundlage bekommen und das deutsche Ausbildungs-System begreifen. "Das ist den Leuten so fremd", sagt Witzgall.

Bei der ersten Jobbörse 2016 wurden laut einer anonymen Umfrage unter den Ausstellern zehn Praktikumsplätze vergeben, sieben Besucher durften zur Probe arbeiten, 101 bekamen eine Lehrstelle und zwei einen Arbeitsvertrag. Insgesamt, lautete damals die Bilanz, seien 850 "positive" Kontakte geknüpft worden.

101 Verträge zur Ausbildung resultierten im vergangenen Jahr bei der Erstauflage der Jobbörse für Flüchtlinge in Berlin. Für dieses Jahr wurde noch nicht Bilanz gezogen.

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