Ärzte Zeitung, 08.03.2012

Frauen - in der Selbstverwaltung unterrepräsentiert

Frauen sind in der Selbstverwaltung unterrepräsentiert

In Vertreterversammlungen der KV-Regionen findet man viele Männer mit Schlips und Kragen - aber nur sehr selten Frauen.

Von Rebecca Beerheide

NEU-ISENBURG. Frauen sind in der Selbstverwaltung deutlich unterrepräsentiert. In den 17 KV-Regionen stehen in den Vertreterversammlungen nur 124 Frauen 531 Männern gegenüber. Das ergab eine Auswertung der "Ärzte Zeitung".

Jeweils zehn Frauen gibt es in den Vertreterversammlungen der KV Bayerns, der KV Sachsen, der KV Sachsen-Anhalt und in Thürigen. Schlusslicht ist Rheinland-Pfalz mit einer Frau in der Vertreterversammlung - allerdings steht dort mit Dr. Sigrid Ultes-Kaiser eine der wenigen Frauen an der KV-Spitze.

Insgesamt gibt es in Deutschland fünf Frauen und 36 Männer. In Sachsen-Anhalt, Sachen wie auch in Thüringen sind auch prozentual mehr Frauen im Gremium: Die jeweils zehn Frauen stehen in Sachsen 30 Männer gegenüber, in Sachsen-Anhalt und Thüringen sind es jeweils zehn zu 20.

Mit der Doppelbelastung zwischen Klinik und Familie ist eine Karriere in der Medizin nicht einfach - egal, ob in der Forschung oder in der Berufspolitik.

Die meisten Frauen in KVen, Kammern und Berufsverbänden sind oftmals über 50, wenn nicht gar 60 - einem Alter, in dem die Kinder "aus dem Gröbsten raus sind", wie es so schön heißt.

"Meiner Meinung nach engagiert sich die junge Generation zu wenig in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung", erklärt Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Ärztekammer Thüringen und Vorstandsmitglied in der Bundesärztekammer.

"Daher müssen wir in den Dialog mit den jungen Ärzten treten und fragen, was sie von dem Beruf erwarten, wie ihre Zukunftsziele sind."

Frauen scheuen Machtspiele und Intrigen

"Viele Frauen kommen erst zeitverzögert in die Berufspolitik", sagt Regine Feldmann, eine der fünf Frauen an der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland.

Für die heutige Vorsitzende der KV Thüringen war die Politik des damaligen Gesundheitsministers Horst Seehofer (CSU) Mitte der 1990er Jahre der Grund, sich zu engagieren. "Bei der ersten Ärztedemo in Erfurt war ich 1997 dabei", erzählt sie.

Feldmann kann verstehen, dass viele Frauen die Machtspiele und Intrigen an der Spitze von Berufsorganisationen scheuen. "Ich mache keine Intrigen und lüge nie. Ich bin für Gegner absolut planbar und denke pragmatisch in der Sache", beschreibt Feldmann ihren Arbeitsstil.

Dass es gerade in Ostdeutschland viele Frauen in den Selbstverwaltungen gibt, könnte laut der Studie "Das volle Leben! Frauenkarrieren in Ostdeutschland" einen Grund darin haben, dass viel mehr Frauen in Spitzenpositionen in Ostdeutschland ein Kind haben.

Die Forscher haben in der Studie herausgefunden, dass 70 Prozent der Managerinnen in Ostdeutschland ein oder zwei Kinder haben, dagegen sind nur 36 Prozent der Managerinnen im Westen Mütter.

Viel hängt von Rollenvorbildern und der Akzeptanz für arbeitende Mütter ab, heißt es bei Sozialwissenschaftlern. Spezielle Karrieremuster von Frauen in Ostdeutschland gebe es in der Medizin nicht, beteuern viele Frauen mit Wurzeln im Osten, die es weit gebracht haben.

Vielmehr sei es in den neuen Ländern stärker akzeptiert, dass Frauen rund ein Jahr nach der Geburt wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren.

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