Ärzte Zeitung, 22.03.2013

Kommentar zum "Equal Pay Day"

Weil ich ein Mädchen bin

Von Rebecca Beerheide

Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer - an diese traurige statistische Realität wird jährlich am Equal Pay Day erinnert. Der 21. März ist 2013 der Tag, bis zu dem Frauen arbeiten müssen, um auf das Gehalt der Männer im Jahr 2012 zu kommen.

Natürlich muss diese unbereinigte Lohndifferenz sorgfältig betrachtet werden - denn Frauen, die in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind, und Männer, die als gut verdienender Top-Manager arbeiten, verzerren die Berechnungen.

Man kann den Eindruck gewinnen, im Gesundheitswesen könne es krasse Gehaltsunterschiede innerhalb von Berufsgruppen nicht geben -  Tarifverträge und Abrechnungsmodalitäten, die sich nicht nach dem Geschlecht des Praxischefs richten, verhinderten das.

Diese Argumentation hinkt, sobald man die Lebensarbeitszeit von Ärztinnen betrachtet oder die Gehälter von Medizinern ab Oberarzt-Stufe vergleicht. Dort wird jeder deutliche Unterschiede finden -  und jeder eine Begründung, warum die Oberärztin weniger verdienen soll als der Oberarzt.

Verhandelt sie schlecht? Arbeitet sie in der sprechenden Medizin und er steht bei High-Tech-Geräten am Drücker? Steigt sie als Mutter wieder in Teilzeit ein und bleibt auf der Karriereleiter stehen?

So unterschiedlich die Gründe für Gehaltsunterschiede sein mögen: Wegdiskutieren oder abfinden dürfen Frauen und Männer sich damit nicht.

Lesen Sie dazu auch:
Zwischen Ärztin und Arzt: Gehaltsunterschiede von 2000 Euro

[22.03.2013, 20:29:43]
Dr. Manfred Stapff 
Quotenregelungen lösen das zugrunde liegende Problem nicht
Wenn sich die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts sogar in der deutschen Sprache niederschlägt, wie Dr. Schätzler ausführt, dann ist dies ein weiterer Hinweis für ein tief in der Gesellschaft verankertes Problem. Sollte man dann nicht wenigstens in der Medizin versuchen das Problem näher an der Wurzel anzupacken? Haben wir nicht alle im Studium gelernt, dass eine reine Kosmetik von Surrogatparametern nicht die kausale Therapie der zugrunde liegenden Ursache ersetzen kann? Ein Emanzipationsproblem, das vielschichtige Hintergründe hat, am Ende der Kausalitätskette per Quote anzupacken, ist genauso dumm wie eine Erkrankung nur am Symptom kurieren zu wollen.
Wieviel wissen die Quotenunterstützer über die Ursachen der gefühlten Benachteiligung von Ärztinnen? Haben sie analysiert wieviele Jahre es dauert, bis jemand in der Medizin die geeigneten Qualifikationen und Erfahrungen für eine Führungsposition erwerben kann (sagen wir einmal 25), wie die Geschlechterverteilung unter den Medizin-Studienanfängern vor eben dieser Anzahl von 25 Jahren war, wie hoch die "Ausfallquote" beider Geschlechter während dieser 25 Jahre war, was die Gründe dafür waren und wie sich diese auf die einzelnen Fachgebiete verteilen?
Es ist natürlich richtig, dass während 20 bis 30 Jahren im Verlauf ihrer Karriere mehr Frauen als Männer einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen, ihren Beruf wechseln oder ganz aufgeben und dann weniger Frauen auf den oberen Ebenen zu finden sind als Männer. Dies mag biologische oder gesellschaftliche Ursachen haben. Die biologischen kann man nicht ändern, an den gesellschaftlichen kann man arbeiten. Aber mit Quotenvorderungen löst man die Ursachen nicht, sondern man stößt ansonsten umdenkungswillige nur vor den Kopf und bestätigt plumpe "Emanzen" - Vorurteile. Quoten sind nicht sehr hilfreich für die Lösung eines vielschichtigen Problems, da bei solcher Polemik die Gefahr besteht, dass eine "pro Frauen Quote" schnell in eine "contra Männer Quote" umschlägt. zum Beitrag »
[22.03.2013, 16:46:23]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Equal Pay Day"? - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
Zugegeben, auch ich verwende zu viele Anglizismen. Aber nur, wenn sie Sachverhalte prägnanter, kürzer und bildhafter treffen. "Equal Pay Day" hat allerdings das Zeug, missverständliches "Public Viewing" als öffentliche Aufbahrung/Leichenschau noch zu "toppen". Gleiche Bezahlung nur für einen Tag? In der Woche? In einem Jahr? Oder in einer Dekade? "Come in and find out", möchte man sagen.

Dieser anglizistische Flachsinn führt in die Irre - Es geht hier um Lebensarbeitsleistung und Gerechtigkeit, o h n e diskriminierende Gehaltszuschläge oder Abschläge bei a l l e n Branchen und Berufsgruppen!

Das Zitat "Weil ich ein Mädchen bin" (Songtext von Lucilectric) entlarvt eine besonders subtile, unterschwellige Geschlechterdiskriminierung, die damit umso wirksamer wird: Von klein auf werden weibliche Kinder im Deutschen fast ausschließlich als "Mädchen", die männlichen aber so gut wie n i e als "Jungchen" oder "Bübchen" bezeichnet, wenn man von der Werbung für bestimmte Kinderpflegemittel absieht. Und das ist keine semantische Spitzfindigkeit.

Selbst in Österreich, wo dialektgeschichtlich das Begriffspaar "Bub" und "Mad" existiert, hat sich seit langem die verräterische Verkleinerungsform "Madl" etabliert. Zur Ehrenrettung der einheimischen Österreicher muss ich allerdings sagen, dass hier auch "Bürschchen" und "Büberl" Verwendung finden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)
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